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Goch: Rückkehr ins Rathaus - diesmal mit Kunst

Goch : Rückkehr ins Rathaus - diesmal mit Kunst

Paul Goossens hat jahrzehntelang fürs Gocher Bauamt gearbeitet, seit 2012 ist er im Ruhestand. Nun fällt sein Name an der alten Wirkungsstätte wieder öfter: Goossens stellt Skulpturen aus.

Kaum jemand kennt wohl so viele Gocher wie Paul Goossens. Jahrzehntelang war er im Auftrag des Bauamts in der Stadt und ihren Ortsteilen unterwegs, um sich Grundstücke anzusehen und Bauvorhaben (möglichst) zu genehmigen. Und dabei hat der immer fröhliche Mann mit dem auffälligen Zwirbel-Schnauzbart nicht nur Menschen kennengelernt, sondern auch Häuser, Ställe, Äcker, Weiden. Letztere sind für seine heutige Leidenschaft ganz besonders wichtig, denn Paul Goossens hat im Ruhestand ein besonderes Hobby entwickelt: Er schafft abstrakte Skulpturen aus alten Weidepfählen. Die sind so originell, dass sie durchaus als Kunst zu betrachten sind, findet sogar Gochs Museumsdirektor Dr. Mann. Er empfahl deshalb eine Ausstellung, die natürlich nur an einem Ort stattfinden kann: im Rathaus, Goossens alter Wirkungsstätte.

"Ästhetische Formen" ist die Ausstellung überschrieben, die am Mittwoch, 11. Oktober, um 16 Uhr eröffnet wird. Bürgermeister Ulrich Knickrehm, der Goossens seit Jahrzehnten kennt, wird selbst die Begrüßung sprechen, die Einführung ins noch junge Werk des nicht mehr ganz so jungen Künstlers übernimmt Dr. Mann. Zu sehen sein werden die hölzernen Stelen im Foyer des Rathauses - die Exponate sollen dort bis zum 26. November stehen bleiben.

Der 66-jährige Pensionär hatte noch eine zweite Titel-Idee für seine Ausstellung: "Zweite Karriere". Das hätte auch gut gepasst, und zwar in doppelter Hinsicht. Goossens ist jetzt von der Bauordnung zur Kunst übergewechselt, und auch die Skulpturen hatten ursprünglich (mindestens) eine andere Funktion, nämlich die, Draht festzuhalten, der Vieh am Davonlaufen hinderte. Genau das findet der Gocher so spannend - das altgediente Material in einen neuen Zustand zu überführen. Vom Wiesengrund, den Rinder oder Pferde mit ihren Hufen zertrampelten, schaffen sie es nach seiner Bearbeitung in Vorgärten oder sogar Wohnzimmer.

Foto: Evers Gottfried

Zunächst jedoch lagern die Pfähle, Balken und Bretter in einer Halle, die groben Arbeiten finden in der Gärtnerei Boes statt - dort hat sich Paul Goossens eine Werkstatt eingerichtet. In seiner eigenen Keller-Werkstatt nämlich würden die Säge- und Schleifarbeiten zuviel Staub verursachen. "Zuhause mach' ich nur die Feinarbeit", erklärt er. Zum Beispiel mit 600-er Sandpapier das alte Holz ganz glatt schleifen oder auch mal - ganz selten - eine Lackierung aufbringen.

Goossens' Skulpturen sind meist bis zu 1,50 Meter lang - eben Weidephähle, die er allenfalls geringfügig eingekürzt hat. "Die Verfärbungen, Risse und Absplitterungen gehören nach 50, 60 Jahren in der Erde ja dazu. Aber im wesentlichen ist das alte Eichenholz immer gut erhalten." Bei manchen Werkstücken hat der Hobbykünstler ein zweites Material (Eisen, Schiefer, Glas) mit verarbeitet oder auch mal Aussparungen hinein gesägt. Im Großen und Ganzen dürfen die Pfosten ihre Gestalt aber behalten. Manche schimmern nach der Behandlung durch den gelernten Schornsteinfeger geradezu samtig und verlocken dazu, mit der Hand darüber zu streichen.

Neben den Weidepfählen, die Goossens unter anderem aus Kessel und Hülm bekommen hat, war es auch mal die Zwischenwand eines Stalls oder ein Teil einer Kirchenbank. "Nach dem Einsturz der Maria-Magdalena-Kirche 1993 lagen Balken wochenlang im Schutt und gammelten vor sich hin. Auch davon durfte ich mir welche nehmen." Was anfing mit eher kleinen Bastelarbeiten wie Adventsgestecken oder Untersetzern ist inzwischen zu ambitionierter künstlerischer Arbeit geworden. Die Exponate werden auch verkauft. Bis zum 26. November ist Zeit, sich "Goossens' Spätwerk" anzusehen.

(RP)