Rochus-Prozession in der Kalkarer Innenstadt

Kalkar : Die Kranken im Mittelpunkt

Die traditionelle Rochus-Prozession zieht am nächsten Sonntag durch die Stadt Kalkar.

(RP) Jeden Freitag erklingt in St. Nicolai aufgrund eines Pestgelübdes aus dem Mittelalter dieser Fürbittruf als Gesang: „Auf die Fürbitte deiner Heiligen, des heiligen Josef, Antonius, Sebastian und Rochus bewahre und behüte die Menschen unserer Gemeinde, unserer Stadt und unseres Bistums vor aller ansteckenden Krankheit.“ Dabei hält die Gemeinde diese Freitagsmesse in Erinnerung an die Passion und das Leiden Jesu nicht im Hauptschiff, sondern vor dem Sieben-Schmerzen-Altar des Henrick Douvermann. Alle vier Patrone haben einen Hintergrund in der Sorge um die Kranken und für eine gute Sterbestunde. Der heilige Rochus war Pestpfleger in Rom und kehrte, nachdem er sich angesteckt hatte, in seine südfranzösische Heimat Montpellier zurück. Er lebte aber nach den Hygienevorschriften abseits der Stadt und wurde von einem Hund mit Lebensmitteln versorgt. Erst nach seinem Tod 1327 erkannten die Mitbürger an einem Muttermal den Landsmann, der kurz zuvor noch als Spion verdächtigt worden war. So wurde der römische Pestpfleger und Rompilger auch über das Netz der Pilgerwege zu einem weltbekannten Krankenpatron, dargestellt mit einem Pilgerhut mit Muschel, einem Stab, einer am nackten Bein eigens gezeigten Pestbeule und oft einem Hund mit Brot im Maul. In Kalkar hält ein Engel eigens ein Namensschild bereit. Im neuen Buch über die 100 dargestellten Heiligen in St. Nicolai steht über ihn in einem „Elfchen“: „Rochus, infizierter Pestpfleger, stiller Einsiedler Montpelliers. Erkennen wir zu spät Heilige?“

Gern wird am Tag der jährlichen Rochus-Prozession nach dem Namenstag am 16. August das wunderschöne plattdeutsche Gedicht von Alois Puyn (jahrelanger RP-Lokalchef aus Kalkar) in der Kirche verlesen. Kalkarer schmücken die Fensterbänke mit Weinlaub in Erinnerung an die berühmte Weinanbauumgebung Montpelliers.

Am Sonntag, 18. August, zieht um 10 Uhr ab St. Nicolai die betende und singende Gemeinde mit der von vier Personen getragenen historischen Rochus-Figur vom zweiten Pfeiler in St. Nicolai vorbei an den Senioreneinrichtungen, dem Rathaus und dem Krankenhaus durch den historischen Ortskern. In diesem Jahr sorgt die Nikolausbruderschaft für die Träger. Die Gebete kreisen um die Kranken und körperlich und seelisch Leidenden, die in unserer fitness-orientierten Zeit zu wenig im Öffentlichkeitsblick stehen. Um 11 Uhr schließt sich die Sonntagsmesse an, an der die Santiago-Pilger 2019 teilnehmen, die unterwegs auch öfter auf den anderen Pilgerpatron mit Hut und Muschel gestoßen waren.

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