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Öffentlicher Nahverkehr

Neue Zeiten für den Bahnhof Goch

GOCH Weil die DB-Agentur sich von Goch trennt, übernimmt eine bisherige Aushilfe das Geschäft: Pensionär Günther Thomas.

Eine Reihe Stammkunden war zuletzt etwas in Sorge, und auch beim RP-Besuch ging gerade wieder ein entsprechender Anruf ein. Aber inzwischen kann Günther Thomas Entwarnung geben und den Nachfragenden genau erklären, was mit dem Gocher Bahnhof geschehen wird: Zwar zieht sich die DB-Agentur aus dem Bahnhofsgebäude zurück, aber Thomas, bisher Aushilfe im Team, startet in Eigenregie durch. Ab September ist er der Chef der „Fahrkartenagentur Goch“ und freut sich schon sehr. Dabei wird er deutlich mehr zu arbeiten haben als im Moment, denn mit dem „Halbtag“ ist es dann vorbei. Täglich von 8 bis 17 Uhr wird geöffnet sein (gerade mal eine halbe Stunde Mittag gönnt er sich ab 12 Uhr) und samstags von 8 bis 12. „Der Samstag ist besonders wichtig, da kommen die Leute, die in der Woche keine Zeit haben“, weiß er.

Günther Thomas ist 69 Jahre alt, also deutlich jenseits der Altersgrenze, die die meisten Menschen als Ruhestand definieren. „Ich bin schon vor einigen Jahren pensioniert worden und habe bisher als Aushilfe gearbeitet. Ab 67 darf man aber mehr verdienen, und deshalb habe ich beschlossen, in Vollzeit weiterzumachen, erzählt der muntere Senior. Worauf er sich einlässt, weiß er ganz genau, denn Thomas verkauft nicht nur seit Jahren Fahrkarten für die Bahn, er kennt sich auch mit der Technik bestens aus. „Die Rechner, mit deren Hilfe wir Verbindungen prüfen und Tickets verkaufen, hab’ ich früher repariert.“ Der Kevelaerer war technischer Beamter bei der Deutschen Bahn und wartete die Computer der Bahnhöfe, die er betreute. „Eigentlich hatte ich als junger Mann Lokführer werden wollen, aber dann kam die Fernmeldetechnik und danach die Computertechnik, die ich spannend fand, und also war ich lange Zeit für die Kollegen zwischen Aachen und Krefeld unterwegs.

Pensioniert oder im Vorruhestand zu sein und dennoch (weiter) für die Bahn zu arbeiten - das ist gar nicht so selten. Vor vielen Jahren nahmen zwei gesundheitlich Beeinträchtigte Reha-Maßnahmen auf, die sie an den Gocher Fahrkartenschalter brachten. Einer der beiden wechselte irgendwann nach Kleve, der zweite übernahm dessen Posten, als er in den Ruhestand ging. Nun drohte dem Bahnhof Goch das Personal auszugehen, dabei weiß die Kundschaft sehr zu schätzen, wenn es nicht nur einen Fahrkartenautomaten gibt, sondern auch noch echte Menschen hinter dem Schalter. Derzeit bietet Günther Thomas den gewohnten Service nur vormittags an, das wird sich aber im Spätsommer ändern.

„Ich verkaufe nicht nur Fahrkarten für den Niersexpress, sondern auch für den Fernverkehr. Ob Monats- oder Zeitfahrkarten, Gruppen- oder Klassenfahrten oder vergünstigte Tickets über die Bahncard - alles möglich. Auch Ameropa-Reisen kann ich vermitteln.“ Selbst ein Gepäckservice ist im Angebot, und wer sparen möchte, sollte nach Frühbucherrabatten fragen.

Ordentlich heiß ist es in dem kleinen Agentur-Raum; daran kann der künftige Chef wohl auch nichts ändern. Aber es sind Kleinigkeiten, die er nun selbst steuert: „Ich werde neue Vorhänge aufhängen, und der Tresen ist schon frisch gestrichen. Ein leuchtendes Rot fand ich schön - da wissen die Gäste gleich, wohin sie sich wenden sollten.“ Noch eine „Kleinigkeit“ hat er bereits angepackt: An der Stirnseite der Bahnhofshalle hing eine große Uhr, die aber schon lange nicht mehr funktionierte. Ein Bahnhof ohne Bahnhofsuhr - das geht gar nicht, befand der 69-Jährige und nahm das sinnlos gewordene Teil von der wand. „Die Impulssteuerung funktioniert nicht mehr. Ich werde mal sehen, ob ich da ein neues Uhrwerk einbauen kann“, sagt der Techniker und Tüftler. Für die Übergangszeit hat er eine runde Uhr aus eigenen Beständen über dem Schalter aufgehängt.

Am Tag der Neueröffnung, Samstag, 1. September, will Thomas seinen Kunden ein kleines Fest bieten. „Wer mag, bekommt ein Glas Sekt, Orangensaft gibt’s aber auch. Und für die Kinder kleine Spielsachen und Gummibärchen.“ Die Nordwestbahn, die bekanntlich den Niersexpress auf der Strecke des RE 10 betreibt, hat ihm schon mal einen Karton voller kleiner Give Aways geschickt. „Die freuen sich, dass ich weiter mache.“