Puppenspieler Bömler: Ziviler Ungehorsam an der Grenze bei Hommersum

Hommersum : Puppenspieler macht Hommersum grenzenlos

Heinz Bömler beseitigte mit einem Akt zivilen Ungehorsams die Poller am Kamper Weg. Anwohner protestierten gegen Grenzöffnung.

Der Weg, der für mächtig Unruhe im sonst so beschaulichen Hommersum sorgt, ist kaum 50 Meter lang und eine typische Schotterpiste. Für den Straßenverkehr ist der Kamper Weg gesperrt, ein Poller machte die Durchfahrt unmöglich, zudem signalisierten zwei Schilder: Durchfahrt verboten. Nun aber montierten Heinz Bömler, besser bekannt als wahnsinniger Puppenspieler und Inhaber der Viller Mühle in Hommersum, und seine Mitstreiter die Barrieren in einem Akt zivilen Ungehorsams ab. Knapp 40 Unterstützer und Gegner fanden sich am Freitagnachmittag vor Ort zusammen. Zudem habe Bömler, so erklärt er, den Gocher und den Genneper Bürgermeister eingeladen, beide erschienen jedoch nicht. Zum Hintergrund: Ursprünglich hatten die Grenzgemeinden Gennep und Goch seit der Schließung der vormals maroden Kendelbrücke an der Huyskensstraße eine Alternative entwickelt und den Schlagbaum am Mortelweg/Kamperweg geöffnet. Doch Mitte 2013 wurde diese grenzüberschreitende Verbindung wieder geschlossen.

„Dem Schengener Abkommen nach müssen alle Grenzen in Europa geöffnet sein“, erklärte Bömler. Viele Deutsche würden in den Niederlanden arbeiten, dort in ihre Stammkneipe und einkaufen gehen. Dafür sei die Barriere am Kamper Weg ein Hindernis, immerhin müssten Grenzgänger aufgrund des Pollers kilometerweite Umwege in Kauf nehmen. Mit Zange und Schraubendreher bewaffnet schraubte er die Schilder und den Poller ab. Alleine aber wagte er sich nicht an den symbolischen Akt. „Wir müssen zu viert am Schraubendreher drehen, dann ist nicht einer alleine Schuld“, sagte Bömler. Einige Dutzend Anhänger halfen ihm, viele davon Mitglieder der Interessensgemeinschaft (IG) Viller Mühle. Stolz hielten sie den rot-weißen Markierungspfahl im Anschluss in die Höhe. Sie unterwarfen sich dem Motto: „Europa öffnet sich - aber Hommersum schließt“. Dietmar Klein, Ratsmitglied des Forums Kalkar, unterstützte die Aktion tatkräftig und sagte: „Wir haben in Kalkar ebenfalls lange im Zollgrenzbezirk gewohnt und stark darunter gelitten. Aus privater, touristischer und wirtschaftlicher Sicht, kann ich diese Grenzöffnung nur unterstützen.“ Gegenwind aber dürfte die Gruppe von der Stadt Goch erhalten. „Wir gehen nicht davon aus, dass Herr Bömler irgendetwas beschädigt und wenn doch, dann handelt es sich auf jeden Fall um Sachbeschädigung und wir wissen direkt, wer es war“, sagte Gochs Stadtsprecher Torsten Matenaers auf Anfrage unserer Redaktion schon Mitte der Woche.

Angst vor Bestrafung habe Bömler nicht, wie er erklärt, vielmehr sei dies „Marketing“ für sein Vorhaben, die Region von Grenzbarrieren zu befreien. Heftige Kritik schlägt ihm auch von Anwohnern entgegen, die namentlich nicht genannt werden wollen. „Diese Straße wird kaputtgehen. Aber da denkt ja niemand drüber nach. Wir Anwohner sind überhaupt nicht gefragt worden. Die Leute werden den Weg als Schleichweg zwischen den öffentlichen Grenzübergängen nutzen“, sagte eine Anwohnerin. Die Niederländer auf der anderen Seite der Grenze wüssten von dieser Idee überhaupt nichts, die meisten Deutschen hätten ebenfalls bloß aus der Presse davon erfahren. Kinder, die bisher auf und um die Straße herum gespielt hätten, seien ab sofort gefährdet, wenn Autos, Busse und LKW den Kamper Weg befahren würden. „Das Abmontieren ist für mich eine Straftat, gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr. Das ist einfach kriminell und ich hoffe, dass sich Polizei und Stadt um diesen Fall kümmern“, sagte eine andere Frau aus Hommersum. Die Aktion Bömlers sei gar eine besonders perverse Form der Selbstjustiz, um einen vermeintlichen Fehler der Stadt zu bestrafen. „Wenn hier der erste Unfall passiert, hoffe ich, dass all die Leute, die jetzt hier um Aufmerksamkeit kämpfen, gut versichert sind“, fügte sie an.

Für den Protagonisten des Ungehorsams aber dürfe der drohende Verkehr keine Rolle spielen. Bömler erklärte: „Alle fahren mit dem Auto, aber keiner will eine Straße vor seiner Tür.“ Er berichtet des Weiteren von Drohanrufen, die ihn erreicht hätten. Zudem wolle er die Stadt nun auffordern, ein LKW-Fahrverbotsschild auf dem Kamper Weg aufzustellen, um den Anwohnern entgegenzukommen. Die aber wollen sich damit nicht zufrieden geben und befürchten bis zu 300 Autos am Tag, die zukünftig die Grenze bei Hommersum überqueren würden. „Wir haben mal gezählt, 245 dürften es mindestens sein. Und das Tag und Nacht“, sagte eine Bürgerin. Dietmar Klein dahingegen rechnet mit bis zu zehn PKW am Tag. Matenaers erklärte zuletzt: „Die beiden Städte Goch und Gennep stehen seit geraumer Zeit in Gesprächen, was die Öffnung der Grünen Grenze in Hommersum anbelangt. Fest steht, sie soll kommen. Unklar ist nur noch das Wann und das Wo.“

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