Premiere in Goch: Samentauschbörse a der Viller Mühle

Viller Mühle : „Ernährung fängt beim Saatgut an“

Am nächsten Samstag findet im Naturgarten an der Viller Mühle eine sogenannte Samentauschbörse statt. Zusätzlich gibt es von Gartengestalterin Carolin Beyer für Interessierte viel Information über Permakultur.

Seit eineinhalb Jahren gärtnert Carolin Beyer auf der Wiese an der Viller Mühle zwischen Kessel und Hommersum. Auf einer Fläche von 300 Quadratmetern legte sie einen Gemüsegarten der besonderen Art an: Permakultur heißt das Konzept, nach dem hier Pflanzen nebeneinander wachsen, die sich gegenseitig unterstützen und miteinander ein „kleines geschlossenes Energiesystem“ bilden, wie die Gartengestalterin erklärt. Jetzt im Herbst erntet sie nicht nur Tomaten, Kräuter, Zucchini & Co., sondern auch deren Samen. Für kommenden Samstag, 12. Oktober lädt sie zur ersten Samentauschbörse in ihren Garten ein.

Von 14 Uhr bis 18 Uhr gibt es kostenlos samenfestes Biosaatgut (siehe Info-Kasten) für 15 verschiedene Tomaten, darunter zum Beispiel die dunkle „Bosque Blue“ oder die braune „Chestnut Chocolate“, die armenische Gurke und andere Verwandte, Wildblumen, Baumspinat, Peperoni, Chili, Kräuter, Grünkohl und viele weitere Gartenpflanzen. Ausrichter der Tauschbörse ist Carolin Beyers Firma „Wuchs & Richtung“. „Perfekt wäre es“, so Beyer, „wenn die Besucher selbst Samen mitbringen und tauschen können.“ Notwendige Voraussetzung sei dies aber nicht.

Informieren könne man sich außerdem über die Praxis der Permakultur und die Terra Preta, die „Amazonas Erde“, der „beste Kompost der Welt“, wie Carolin Beyer betont. Weitere interessante Gartenthemen können die Besucher besprechen bei einer warmen Suppe am Feuer, Tee, Kaffee oder Kuchen. Heinz Bömler, Hausherr der Viller Mühle, werde sich bestimmt auch sehen lassen an diesem Nachmittag. „Heinz sagte vor zwei Jahren zu mir: hier ist ein Morgen Wiese, da kannst du gärtnern wie du möchtest“, berichtet Beyer, die an der „English Gardening School London“ studierte. Inzwischen kann sie Familie und Freunde mit reichlich Gemüse aus ihrem Perma-Garten versorgen.

„Gesundes Essen ist immer seltener, und wir wollen Menschen motivieren, wieder selbst Gemüse anzubauen. Mit dem Saatgut fängt die Ernährung an“, betont Carolin Beyer. Fragt man sie, was ihre wichtigste Tätigkeit im Garten sei, antworte sie „Mulchen“: regelmäßig schneide sie „alles, was keine Samen hat“ ab und lege es zwischen die Pflanzen, sagt die Gärnerin.

Diese Abdeckung sorge zum einen dafür, dass kein unerwünschtes Kraut wächst, zum anderen halte es die Feuchtigkeit im Boden, man müsse also kaum oder gar nicht wässern. Und schließlich würden die abgeschnittenen Pflanzenreste zu wertvollem Kompost, der im Perma-Kreislauf ein wesentlicher Baustein sei.  Interessierte Gäste können am Samentausch-Tag auch an einer Mühlenführung durch  Thomas Schramm teilnehmen, der sich in die Historie der Mühle vertieft hat.

Für die kleinen Gäste hat sich Carolin Beyer „Samenbomben“ ausgedacht. „Die sind aber nicht explosiv“, sagt die Gartengestalterin lächelnd. Wildblumensamen werden mit Lehm und Kompost zusammen zu Kugeln „gematscht“. Diese bewahre man dann an einem trockenen dunklen Ort auf und lege sie im März ins Beet. Ein schöner Start für eine kleine Wildblumenwiese, der auch erwachsenen Gästen Spaß machen könnte.

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