Preisgekrönte Gocher Schülerzeitung Grenzgänger

Goch : Der Grenzgänger feiert Geburtstag

Beim Schülerzeitungswettbewerb der Rheinischen Post räumte die Redaktion des Gymnasiums Goch ab. Nun gibt sie eine Jubiläumsausgabe aus. Ihr Anspruch: für Politik begeistern, Lehrer aufs Korn nehmen und Charaktere vorstellen.

Wie wichtig ist eine Schülerzeitung im Jahr 2019 für die Schulgemeinschaft? Die Redaktion des „Grenzgänger“ des Städtischen Gymnasiums Goch hat auf diese Frage eine klare Antwort: „Wir spielen eine wichtige Rolle an der Schule“, sagt Marti Mlodzian, der gemeinsam mit Emilia Fischer (beide 15 Jahre alt) die Chefredaktion der Schülerzeitung bildet. In diesem Jahr feiert das Blatt seinen zehnten Geburtstag, passend dazu wurde es zuletzt im Konferenzzentrum der Rheinischen Post in Düsseldorf mit dem dritten Preis des nordrhein-westfälischen Schülerzeitungswettbewerbs ausgezeichnet.  „Wir leben in einer unglaublich turbulenten Zeit. Da kann eine Schülerzeitung dazu beitragen, das Geschehen einzuordnen“, sagt Fischer.

Einmal jährlich erscheint die Zeitung in einer Auflage von 300 Exemplaren. Dreizehn Redakteure der Klassen sechs bis zwölf umfasst die Arbeitsgemeinschaft, begleitet wird das Team von den Lehrern Eva Marie und Marc Janßen. Erarbeitet wird das journalistische Produkt vorrangig im Zuge einer fest eingeplanten Schulstunde am Mittwoch, zudem organisiert die Redaktion selbstständig Nachmittage, an denen die Zeitung angefertigt wird. „In einer Ausgabe steckt meistens ein ganzes Jahr Arbeit. Da ist es auch nicht mit der Schulzeit getan. Wir alle investieren zu Hause noch viel Arbeit in die Zeitung“, sagt Mlodzian. So auch für die Jubiläumsausgabe, die am 26. November erscheint. 16 Seiten umfasst diese, große Namen tauchen auf: So haben die Gocher Nachwuchsjournalisten ein Interview mit der Schulministerin Yvonne Gebauer und dem DSDS-Kandidaten Lukas Kepser aus Kranenburg geführt. Der Titel der Ausgabe: „Nachgefragt“ – schließlich stehen Hintergrundgespräche im Fokus der Folge. „Das Interview mit Frau Gebauer war eine spannende Erfahrung. Wir sind  extra dafür nach Düsseldorf gefahren, um mit ihr über die große Politik zu sprechen“, sagt Mlodzian. 25 Fragen umfasst das Gespräch, Ministerin Gebauer stand zum Digitalpakt, der G9-Umstellung und ihrer eigenen Schulkarriere Rede und Antwort. „Das war ein besonderer Ablauf: Wir haben das Interview mit einem Aufnahmegerät aufgezeichnet, dann aufgeschrieben und an den Pressesprecher von Frau Gebauer geschickt. So durften wir es dann abdrucken“, sagt Emilia Fischer, die die zehnte Klasse des Gymnasiums besucht.

Zuvorderst politische Themen will die „Grenzgänger“-Redaktion aufgreifen. So diskutieren die Redakteure in der aktuellen Ausgabe die Gemeingefährlichkeit von Impfgegnern, die Sinnhaftigkeit von E-Rollern oder die Proteste im Hambacher Forst. Dort war Fischer im Hochsommer gar vor Ort: „Ich fühle mich der Klimabewegung verbunden. Ich bin aber dort hingefahren, um meinen Mitschülern, die da vielleicht noch nicht durchblicken, zu erklären, was da abgeht“, sagt sie. So sticht dem Leser auf der Titelseite der letzten Ausgabe „Welt im Wandel“ der Slogan der Protestler ins Auge: „Hambi bleibt!“. „Unsere Redakteure sind für ihr Alter sehr politisch. Die letzte Shell-Studie hat ja ohnehin unterstrichen, dass diese Generation sich viel damit beschäftigt, was um sie herum passiert“, sagt Lehrer Marc Janßen, der das Schülerzeitungsprojekt vor einem Jahrzehnt auf den Weg gebracht hat. Doch nicht nur Politik schafft es in den „Grenzgänger“. „Uns liegt die Vielfalt der Themen am Herzen, schließlich sind auch die Schüler sehr unterschiedlich interessiert“, sagt die 15-jährige Judith van Berlo. So wolle die Redaktion auch über Lehrer witzeln, Comics zeichnen, Kreuzworträtsel kreieren, Schüler porträtieren. Die Arbeit für die Schülerzeitung begeistert viele der Redaktionsmitglieder auch vom Beruf des Journalisten. „Ich kann mir das sehr gut für die Zukunft vorstellen und bin auch schon auf der Suche nach einem Praktikumsplatz bei der Hauptstadtpresse“, sagt Mlodzian. Gleiches gilt für Uliana Budzinskaya, die bereits ein Praktikum bei der Rheinischen Post in Kleve absolvierte, nun sagt sie: „Meine Leidenschaft für Journalismus ist geweckt.“

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