Erntedank Dürre macht Hommersumer erfinderisch

Goch-Hommersum · Das gesamte Wochenende gehörte dem Erntedankfest. Zahlreiche Zuschauer teilten die gute Stimmung mit dem Königspaar Bernd II. und Michaela I. nicht nur beim Umzug, sondern auch im Festzelt

Prachtvoll geschmückte Festwagen mit ebenso prachtvoll gewandeten Besatzungen gehören zum Hommersum Erntedankfest.

Prachtvoll geschmückte Festwagen mit ebenso prachtvoll gewandeten Besatzungen gehören zum Hommersum Erntedankfest.

„Jeder König kriegt sein Wetter“, ein Satz, den man in Hommersum bei schlechtem Wetter nur hinter vorgehaltener Hand flüstert. Da sich jedoch am Sonntag ein (fast) wolkenloser Himmel über den kleinen Grenzort genau passend zum Zeitpunkt des Festumzuges breit gemacht hatte, konnte (und wurde) dieser Satz ohne Bedenken laut verkündet. Trocken, wenig Wind und angenehme Temperaturen waren natürlich nicht die einzigen Gründe, dass das Erntedankfest in diesem Jahr nicht nur zum Publikumsmagneten, sondern auch zum wahren Höhepunkt im Dorfleben dieses Jahres wurde: Bernd II. und Michaela I. waren ein Königspaar, das ohne Pause gut gelaunt war, der Herold Stephan Boekholt strahlte ebenfalls volle Begeisterung aus und der Hofstaat war der Resonanzkörper, der diese echte Fröhlichkeit noch zusätzlich verstärkte.

Natürlich übertrug sich das auch auf die anderen Aktiven und auf die Zuschauer am Wegesrand und im Festzelt. Die Rahmenbedingungen für das Gelingen dieses bereits seit 1946 jährlich gefeierten Erntedankfestes schufen die Hommersumer selbst – sprich die Schmückgemeinschaften, die alljährlich Unmengen von Materialien aus Garten, Feld und Flur zusammentragen, um am Freitag vor dem Fest gemeinsam aus schlichten „landwirtschaftlichen Transportfahrzeugen“ prächtige bunte Festwagen zu gestalten. In diesem Jahr schränkte jedoch die Dürre die Anzahl der bunten Blumen arg ein, doch Not macht bekanntlich erfinderisch: Farben fanden die einfallsreichen Hommersumer in gelben Maiskolben, roten Möhren, orangefarbenen Kürbissen und vielem andern mehr. Als sattgrüner Untergrund wurde vielfach der glänzende Kirschlorbeer genommen, der die darauf platzierten pflanzlichen Farbtupfer und phantasievollen Symbole super hervorhob.

Angeführt wurde der rund zweistündige royale Umzug von acht Reitern auf ihren edlen Pferden, gefolgt von über 50 Radlern mit ihren geschmückten Fahrrädern, dem durststillenden Marketenderwagen und dem Herold, der auf einem historischen Kartoffelroder thronte. Nachfolgend kamen die sechs Festwagen mit ihren Besatzungen, in deren Mittelpunkt zusätzlich zwei geschmückte Wagen mit dem Hassumer Musikverein fuhren, die mit Blasmusik für den passenden akustischen Rahmen sorgten. Im Anschluss an den Festumzug zogen das Königspaar Bernd II. und Michaela I. sowie das Kinderkönigspaar Linus Pellen und Klara Boekholt mit ihren jeweiligen Hofstaaten und den Reigentänzern ins Festzelt ein.

Der organisierende Hommersumer Heimat- und Verschönerungsverein hatte dort wieder ein abwechslungsreiches Programm zusammengestellt: Reigen der verschiedenen Altersstufen – vom Kindergarten bis zur Landjugend -, ein (recht musikalisches) Grußwort von Pfarrer Uche, ein Erntedankgedicht vorgetragen von Jonas Pellen und nicht zuletzt die Überreichung der Erntekronen an die Königspaare. Nach unterhaltsamen anderthalb Stunden konnte das Moderatorengespann Willi und Karin Sanders den Königstanz ankündigen. Das Königspaar hatte die Tanzfläche aber nur kurzzeitig für sich allein: rasch gesellte sich der Hofstaat, der Herold, das Kinderkönigspaar und schließlich auch die Landjugend dazu. Dieser gemeinsame Tanz bildete sowohl den Abschluss des offiziellen Teils als auch den Beginn des Dämmerschoppens, der wegen des Feiertags am Montag noch lange nach Einbruch der Dämmerung die vielen Gäste mit Tanz und Musik fesselte.

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