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Goch: Polizei schießt meist aus Notwehr

Goch : Polizei schießt meist aus Notwehr

Viele Beamte, die einen Menschen bei einem Einsatz erschossen haben, bleiben ihr Leben lang traumatisiert. Das ist das Ergebnis einer Master-Arbeit.

Dass Polizisten in Deutschland gezielt auf andere Menschen schießen müssen, kommt nicht selten vor. Laut der Statistik im Auftrag der Innenministerkonferenz (IMK) haben Beamte im Jahr 2012 mit ihrer Dienstwaffe acht Menschen getötet. 20 wurden durch Kugeln aus Polizeiwaffen verletzt. In insgesamt 36 Fällen haben die Beamten gezielt auf Menschen geschossen. Diese Zahlen entsprechen in etwa denen aus den vorangegangenen Jahren. Rein rechnerisch ergibt sich daraus, dass die Polizei dreimal pro Monat Schusswaffen gegen Menschen einsetzt. Fast immer schießen die Beamten aus Notwehr. Im NRW-Polizeigesetz von 2003 heißt es in § 64, Punkt 1: Schusswaffen dürfen gegen Personen nur gebraucht werden, 1. um eine gegenwärtige Gefahr für Leib und Leben abzuwehren.

In der jüngeren Vergangenheit hatte es immer wieder Diskussionen über die wachsende Zahl gewaltsamer Übergriffe auf Polizisten gegeben. Die Polizeigewerkschaften beklagen eine zunehmende Gewaltbereitschaft. Die Kriminalstatistik stützt dieses Bild.

Tödliche Polizeieinsätze lösten in der Vergangenheit jedoch auch Kritik an der Ordnungsbehörde aus. Aufsehen erregte der Fall eines geistig verwirrten Mannes, der im Berliner Neptunbrunnen erschossen wurde. 2010 erschossen Polizisten in Regensburg mit zwölf Kugeln den Studenten Tennessee E. - angeblich aus Notwehr.

Der Polizist Oliver Tschirner befragte für eine Masterarbeit Kollegen, die im Dienst einen Menschen getötet hatten. Eines seiner Ergebnisse: Viele Polizisten sind danach ein Leben lang traumatisiert. Nur ein Drittel kehre bald in den Dienst zurück. Beim zweiten Drittel gelten die Folgen als langwierig, oft müssen die Kollegen zum Innendienst. Das letzte Drittel leide fortwährend und sei lange therapiebedürftig.

(RP)