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Goch: Petrusheim bringt Menschen zusammen

Goch : Petrusheim bringt Menschen zusammen

Der Basar der Nichtsesshaften-Einrichtung in Weeze-Baal ist seit vielen Jahren ein Magnet für die zahlreichen Besucher. Sie schätzen die Holzarbeiten, die gute Küche und den Kontakt zu den Bewohnern der Einrichtung.

Im Petrusheim ist die ärmste Sau einmal im Jahr der Hauptgewinn. Dass es sich dabei nicht etwa um eine flapsige Formulierung, sondern die buchstäbliche Wahrheit handelt, liegt am Basar, den die Einrichtung für hilfebedürftige Menschen ohne Heimat immer zum Ende des Jahres veranstaltet. Und zu den vielen Angeboten, die am Basar-Tag regelmäßig rund 2000 Menschen in den sonst eher beschaulichen Weezer Ortsteil Baal locken, gehört eben auch jenes Borstenvieh, das traditionell bei der Tombola verlost wird. So mampfte das Prachtexemplar auch diesmal mitten im Geschehen sein Futter und ließ sich weder vom Trubel, noch vom eigenen absehbaren Schicksal irritieren.

Dabei ist die Art des Hauptpreises treffend, denn wer sich einmal unter den Besuchern umhörte, bekam auf die Frage, was sie mit dem Petrusheim in erster Linie verbinden, mit deutlicher Mehrheit diese oder ähnlich lautende Antworten: "Wir sind Kunden der Metzgerei hier und haben beim letzten Einkauf den Flyer zum Basar gesehen. Da dachten wir uns, wir kommen mal her und sehen uns das an", so Christa und Horst Schwerdfeger, die extra aus Kleve hergekommen waren.

Beate Jussen, Geschäftsführerin des Petrusheims, weiß um den guten Ruf der hauseigenen Fleischprodukte: "Unsere Metzgerei ist ohne Zweifel ein Magnet, und das auch unabhängig vom Basar. Da ist immer was los", so Jussen. Doch auch darüber hinaus hat das Haus, in dem etwa 230 Bewohner in den Bereichen Altenheim oder Wohnungslosen- beziehungsweise Eingliederungshilfe leben, einiges zu bieten. Denn beim Basar stehen die Bewohner und das, was sie das Jahr über mit den Mitarbeitern erarbeitet haben, sei es künstlerisch oder handwerklich, im Mittelpunkt.

Wie zum Beispiel die Tiffany-Arbeiten eines Bewohners, die selbst gebastelten Lampions, der in diesem Jahr Premiere feiernde Büchermarkt oder die Ergebnisse der Arbeit in der Holzwerkstatt. "Fantastic", entfuhr es hier einem englischsprachigen Damenduo vor Holz-Krippen, Holz-Schuhausziehern und Holz-Schaukelmotorrad. Cathy Plönes und Natasha Brenner, echte Briten aus Geldern, waren sichtlich beeindruckt: "Es ist toll zu sehen, wie den Menschen hier geholfen wird und was dabei heraus kommt", so die beiden Gäste. Und im Weggehen: "Wir werden auf jeden Fall etwas kaufen!"

Zu denen, die nicht nur vorbereitet hatten, sondern während des Basars dafür sorgten, dass jene Bewohner, die nicht mehr so mobil sind, etwas von dem Höhepunkt des Jahres und dem Andrang mitbekamen, gehörte Melanie Weck vom Sozialdienst: "Es ist wichtig, dass die Bewohner in Kontakt mit den Besuchern kommen. So werden Vorurteile abgebaut, und alle sind durchs Geschehen miteinander verbunden." Und auch Chefin Jussen, seit drei Jahren im Amt, sieht genau hier, bei der "Öffnung des Hauses", das Ziel der Veranstaltung. Übrigens hat auch der Neubau des Altenheims nicht zuletzt das Ziel, das Petrusheim nach draußen zu öffnen.

Von Jussen stammt auch die Idee des "Wunschbaums". Dabei hängen die Bewohner, die meist über wenig Geld verfügen, ihre Weihnachtswünsche (im Wert von etwa 15 Euro) an einen Tannenbaum. Die Besucher können sich einen Zettel mitnehmen und später ein Päckchen abgeben. Kleine Geschenke, die den Bewohnern an Heiligabend große Freude bereiten.

(RP)