Paddeltour auf der Niers in Goch

Freizeittipp : Einmal „Jan an de Fähr bis Kessel“

„Paddeln auf der Niers“ ist für manche Clubs eine fröhliche Alternative zum üblichen Freizeitprogramm. Man kann’s aber auch beschaulicher angehen. Die Entscheidung fällt auf zweieinhalb Stunden Ruhe und Naturbetrachtung.

Ab und zu hat der Wetterbericht recht. Obwohl es in der vergangenen Woche nicht sehr schön war am Niederrhein, gab es einen Tag, der eindeutig dem Sommer zuzurechnen war: Sie erinnern sich, der Mittwoch war’s. Temperaturen um die 30 Grad waren angekündigt, und die gab es auch, wenn auch etwas später als vermutet. Die Idee: endlich mal wieder Paddeln. Vor Jahren betrieb die Autorin dieses Hobby mit Begeisterung und war auf manchem europäischen Fluss unterwegs. Auch auf der Niers natürlich, die liegt schließlich vor der Tür und führt Wasser, was im Vergleich zu manchem sommerlichen Rinnsal schon mal gut ist. Kein wildes zwar, die Landschaft ist nicht gerade überwältigend, aber auch die heimische Umgebung hat ihren Reiz. Erst recht, wenn sich dadurch ein paar Stunden Schreibtisch durch Sonne und Luft ersetzen lassen.

Paddel-Anbieter gibt es reichlich. Zwischen Wachtendonk im Süden und Kessel sind es diverse Kleinunternehmen, die sich auf die Freizeiterwartungen der Menschen aus der Region eingestellt haben. So wie Freizeit Schwarz aus Weeze. Die Familie lebt eigentlich vom Reifenhandel, der Bootsverleih ist Nebenerwerb. Von der kurzen Schnuppertour bis zum Ganztagsausflug sind viele Strecken im Programm. Die RP wählte den Klassiker „Jan an de Fähr bis Kessel“. Vom Kalbecker Forst geht es in dreieinhalb Stunden bis zum Zielort, der kurz vor der niederländischen Grenze liegt und wo eine Krautfanganlage dem Vergnügen ein jähes Ende bereiten würde, wenn man nicht zuvor ausstiege.

Knie- bis hüfttief ist das Wasser des Flüsschens derzeit, da braucht auch ein eher kleiner Mensch, wenn er denn schwimmen kann, keine Rettungsweste. In die Wertetonne kommen Handy, Kleidung zum Wechseln, Sonnencreme, Butterbrot und Trinkflasche, und dann geht’s los. Hilfe beim Einsteigen ist nicht nötig, wir paddeln los. Dem Drang, die Handkurbelfähre vor der Gaststätte „Jan an de Fähr“ zu bedienen und wie die Kinder ein paarmal überzusetzen, widerstehen wir. Immerhin sollen bis Mittag 13 Kilometer bewältigt sein.

Noch ist es trüb, und das erste Stück entlang des Nierswanderwegs ist vom Wasser aus nicht allzu spannend. Viel mehr als die Uferbegrünung sehen wir auf der schnurgeraden Strecke durch die Felder nicht. Das klare Wasser erlaubt Blicke bis auf den Grund, wir freuen uns an Enten, Fischreihern, blauen Libellen, deutlich weniger an den Bremsen, die nicht nur weidende Pferde und Rinder ärgern. Die ersten Brücken tauchen auf, die wir leicht zuordnen können: erst die am Papa-Klein-Wanderweg, dann die am Gocher Ostring, die Eisenbahnbrücke, die ganz schön marode wirkt. Die Nierswelle wirkt ohne Sonne vom Wasser aus weniger ansprechend als vom Ufer aus. Da betrachten wir uns gerne die schönen neuen Häuser am Gartenweg oder machen uns unsere Gedanken über andere Neubauprojekte in Sichtweite.

Der Stadtpark ist schnell durchfahren, sehr schmal ist die Niers in dieser Insellage. Wir sehen die Susmühle, die Maria-Magdalena-Kirche, das Tertiarinnenkloster und bestaunen einige schöne Villen, die es auch in Goch durchaus gibt. Danach ist nur noch Natur: Wieder Enten, Bremsen, Libellen, dazu treffen wir auf die einzigen anderen Bootsleute an diesem Vormittag: Ein junges Team von Sozialarbeitern hat viel Freude an seinem Betriebsausflug per Schlauchboot. Stefan Smetten und seine Mitarbeiter achten ebenso wie wir darauf, die Ufer nicht zu beschädigen und die Tiere nicht zu stören. Aber so schnell wie wir sind sie längst nicht.

Paddeln auf der Niers. Foto: Anja Settnik
Am Schluss wird das Boot ans Ufer gezogen. Zuvor traf die Ausflüglerin noch eine nette Gruppe auf Betriebsausflug. Foto: Anja Settnik

Weil die Sonne inzwischen raus ist, werfen die hohen Bäume an den steilen Böschungen ihre Schatten aufs Wasser, Dschungelatmosphäre kommt auf. Davon zehren wir auf den Kilometern bis Kessel, die sich ziehen, denn in diesem Bereich ist wieder Niederrhein pur angesagt: Wiesen und Felder. Die Kesseler St.-Stephanus-Kirche gerät in den Blick, gleich ist der Ausstieg erreicht. Schade.