Neuseeland in Goch hat Bauwert von 300 Millionen Euro 

Goch : Neu-See-Land: Bauwert von 300 Mio. Euro

Volles Haus beim Unternehmerabend der Kreis-Wirtschaftsförderung in der Viller Mühle. Die Gäste erfuhren, dass Goch größtes Baugebiet sehr gut voran geht. Und dass ein bekannter Gocher Unternehmer neu baut.

Das eigentliche Motto des Unternehmerabends der Kreis-Wirtschaftsförderung lautete „Wohnungsbau in Goch: Bedarfe Flächen Programm“. Doch Gochs Bürgermeister Ulrich Knickrehm schlug in der Viller Mühle eine andere Überschrift für den Abend vor: „Wohnungsnot in einer Landkommune“. Denn Goch habe mittlerweile ähnliche Probleme wie Ballungsräume: „Nicht-top-Verdiener und Flüchtlinge mit Bleibestatus haben ein großes Interesse an kleinen Wohnungen in unserer Stadt. Aber die gibt es zu wenig“, so Knickrehm. Aktuell würden 38 Wohneinheiten für diese Zielgruppe benötigt. Allerdings: „Es gibt wenig Investoren für diesen sozial sensiblen Bereich. Auch, weil finanzielle Anreize fehlen“, sagte der Bürgermeister. Er betonte: „Städte dürfen nicht auf Investoren warten. Wenn alles nichts hilft, müssen wir das als Kommune oder mit unseren Gesellschaften selbst in die Hand nehmen.“

So groß wie nie bei den vorangegangenen neun Unternehmerabenden war das Interesse; der große Saal der Viller Mühle war mit rund 160 Gästen sehr gut gefüllt. Kreis-Wirtschaftsförderer Hans-Josef Kuypers stellte als Gastgeber vor allem positiven Aspekte beim Thema „bauen in Goch“ heraus: „Goch darf sich glücklich schätzen, dass hier sowohl bei Wohnbauflächen als auch Gewerbeflächen viele Wünsche erfüllt werden können – das ist im Kreisgebiet längst nicht überall so“, sagte er.

Wolfgang Jansen, Geschäftsführer der Go! – Die Gocher Stadtentwicklungsgesellschaft, hatte Zahlen im Gepäck, die verdeutlichen, dass in Goch auch viel voran geht. So habe seine Gesellschaft in 15 Jahren Flächen in einer Größenordnung von insgesamt 44 Hektar vermarktet. Beim mit Abstand größtem Projekt in der Weberstadt, dem Baugebiet Neu-See-Land, sehe es sehr gut aus. Nachdem Teil C vom Stadtrat gerade rechtskräftig gemacht worden war, seien jetzt alle 60 Grundstücke blockiert. „Für jedes gibt es mindestens einen Kunden“, sagte Jansen. Beeindruckend das finanzielle Volumen des Gesamtprojekts: „Der Bauwert im Neuseeland beträgt 300 Millionen Euro“, betonte Jansen. Das dürften auch die Bauunternehmer aus der Region mit Interesse verfolgen. Ebenfalls interessant: Ein Unternehmer aus Goch, der im Bereich Logistik tätig ist, will seine Firma erweitern. Dafür hat er ein 130.000 Quadratmeter großes Grundstück im Gewerbepark Goch/Weeze angefragt. Der Vertragsentwurf liegt zurzeit beim Notar, so Jansen. Es heißt, dass dadurch viele Arbeitsplätze geschaffen werden. Entwicklungspotenzial für Wohnbau sieht Jansen hier: im Quartier Hevelingstraße/Klever Straße/Waterkuhlstraße, im Quartier Bahnhofstraße/Brückenstraße/Wiesenstraße/Feldstraße, im Umfeld der Liebfrauenkirche, bei den „Belgierhäusern“ an der Melatenstraße, auf dem Gelände des TC Rot-Weiss, im Bahnhofsumfeld und auf dem Gelände von Aldi.

Stephan Kunz von der NRW.BANK, Marius Hermsen von der Volksbank an der Niers und André Verhoeven von der Verbandssparkasse Goch-Kevelaer-Weeze waren sich in der Interview-Runde mit Moderatorin Andrea Franken einig: Die Chancen, an Wohneigentum zu kommen, sind, vor allem dank günstiger Kredite, so gut wie nie.

Die Podiumsgäste des Abends, vereint mit Moderatorin Andrea Franken und Heinz Bömler (Mitte). Foto: Evers, Gottfried (eve)

Gefragt, was seine Wünsche sind, antwortete Markus Coenen vom gleichnamigen Ingenieurbüro, er hoffe, dass Genehmigungsverfahren schneller und die Bearbeitungszeiten von Bauanträgen im Kreis Kleve kürzer werden. Wirtschaftsförderer Kuypers wünscht sich, dass die Kommunen jungen Menschen aus ihrem Beritt eine Möglichkeit geben, günstig an Grundstücke zu kommen und so in der Region zu bleiben. Bürgermeister Knickrehm nannte als Ziel, ein Wohnumfeld zu schaffen, in dem sich die Menschen wohlfühlen, mit einem großen Angebot an Gastronomie, Ärzten und funktionierendem Nahverkehr. Wolfgang Janßen forderte: „Es muss ein Ruck durch Goch gehen. Investoren sollten tätig werden und private Eigentümer bereit sein, Flächen abzugeben.“

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