Neuer Schulleiter am Gocher Förderzentrum

Bildung : Neuer Leiter für Astrid-Lindgren-Schule

Konrektor Stephan Schultze hat nun wieder einen Chef, mit dem er das Leitungs-Team der Gocher Förderschule bildet. Thomas Hegmann war lange Jahre beim Neukirchener Erziehungsverein beschäftigt.  

Noch vor einigen Jahren klang es so, als wolle die Politik die Förderschulen am liebsten alle abschaffen. Schließlich war die „Inklusion“ entdeckt worden, die Idee, alle Kinder gemeinsam lernen zu lassen. Zugrunde liegt dem Ideal die UN-Behindertenrechtskonvention, die verlangt, dass kein Mensch in seiner Entwicklung benachteiligt wird, vielmehr sollen alle einen gleichberechtigten Zugang zu Bildung haben.

Das ist ein guter Gedanke, findet im Prinzip wohl jeder Pädagoge, doch hängt das Gelingen der Inklusion ganz maßgeblich von den viel zitierten Rahmenbedingungen ab. „Das gemeinsame Lernen hat ganz viel mit Geld zu tun. Es gibt viel zu wenig Lehrer, um an Regelschulen allen Kindern gerecht zu werden. Deshalb ist es absolut nötig und von vielen Eltern gewollt, daneben eine ausreichende Anzahl Förderschulen zu behalten“, sagt Thomas Hegmann. Er ist der neue Schulleiter der Gocher Astrid-Lindgren-Schule, die lange von Konrektor Stephan Schultze alleine geführt wurde.

Thomas Hegmann ist (natürlich) gelernter Sonderpädagoge, studierte (auch Sport) in Köln, lebt mit Frau und zwei Kindern in Xanten. Zuständig ist er nun nicht nur für den Schul-Standort Goch, sondern auch für zwei intensiv-pädagogische Gruppen. Denn die frühere Virginia-Satir-Schule in Kevelaer und Weeze gehört heute zum Förderzentrum des Mittelkreises, das von Schülern aus Goch, Uedem, Weeze, Bedburg-Hau und Kalkar besucht wird. Kleve/Emmerich und die Gelderlandschule im Süden sind die weiteren Schulen für Kinder mit Unterstützungsbedarf im Kreis. „Wir haben hier eine gute, differenzierte Schullandschaft“, sagt der Mann aus dem Kreis Wesel, der positiv überrascht davon sei, wie viel im Nachbarkreis für benachteiligte Kinder getan wird. „Viele Schulen wurden geschlossen, zum Glück ist inzwischen aber die Mindestgrößenverordnung aufgehoben worden, so dass auch kleinere Einheiten wieder eine Chance haben, erhalten zu bleiben.“

Hegmann und Schultze können gut verstehen, dass Eltern grundsätzlich den Wunsch haben, ihr Kind auf eine Schule zu bekommen, an der es einen möglichst hochwertigen Schulabschluss machen kann. „Normal“ zu sein scheint erst einmal erstrebenswert. „Aber wenn das Kind erst einmal bei uns ist, erkennen Eltern schnell die Möglichkeiten: kleine Klassen, mehr Zeit, genügend Förderlehrer. Es gibt tatsächlich inzwischen einen deutlichen Trend zurück zum Förderzentrum.“ Zumal ja auch der Hauptschulabschluss nach Klasse neun erreichbar ist.

Außerdem sind die Astrid-Lindgren-Schule und ähnliche Einrichtungen keine Einbahnstraßen: Jederzeit kann ein Kind, wenn die Eltern dies wünschen, auf eine Regelschule wechseln. Diejenigen Schüler, die den Förderschwerpunkt „Sprache“ haben, werden ohnehin „zielgleich“ unterrichtet, streben also einen normalen Schulabschluss an.

Viele von ihnen schaffen nach einigen Jahren intensiver Förderung auch den Sprung an eine weiterführende Schule. Aber auch die lernbehinderten Jugendlichen schaffen es immer wieder, auf dem ersten Arbeitsmarkt unterzukommen. Zumal ihnen der aktuelle Beschäftigungsstand entgegenkommt. „Abgespeckte“ Berufsausbildungen mit einem reduzierten Theorie-Anteil können auch von Förderschülern oft bewältigt werden. Eine Förderung durch die Arbeitsagentur macht es auch für manchen Arbeitgeber attraktiver, beeinträchtigte junge Leute einzustellen. Wichtig sei, Eltern frühzeitig über die Möglichkeiten für ihr Kind zu informieren, deshalb finde eine enge Zusammenarbeit mit Kitas und Grundschulen statt. Nicht nur Schüler mit anerkanntem Förderbedarf besuchen einen der Standorte der Astrid-Lindgren-Schule. Im angeschlossenen „U-Turn-Projekt“ finden sich Schulmüde aller Schulformen wieder. „Wir haben auch Gymnasiasten, die plötzlich keine Leistung mehr bringen, weil sie unter Schulangst leiden oder gemobbt werden“, berichtet Schultze. Angstfrei zu lernen und zu spüren, dass es an dieser Schule zuallererst um sie geht - das sei vielleicht das Wichtigste am Gocher Förderzentrum.  

Derzeit wird dort übrigens das Foyer der Schule renoviert. Licht und freundlich soll es werden, damit sich jeder, der eintritt, sofort wohlfühlt.

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