Neuer Betreiber für den traditionsreichen Kalkarer Beginenhof gefunden

Kalkar : Neustart am Beginenhof Kalkar

Ein neuer Pächter übernimmt den traditionsreichen Beginenhof in der Kesselstraße. Der bisherige Betreiber der dortigen Gastronomie verlässt die Stadt, der „Neue“ will gutes Essen mit Musik und anderer Kultur kombinieren.

Das Haus ist „eines der größten und schönsten mittelalterlichen Patrizierhäuser am unteren Niederrhein“, heißt es auf der Internetseite des Eigentümers, des Sozialwerks Kalkar. Wer jemals darin war, und das sind viele Menschen aus Kalkar und Umgebung, weiß um die besondere kunsthistorische Bedeutung und aufwändige Ausgestaltung. n Die hohen Räume sind mit Wand und Deckenmalereien geschmückt, große Kamine schaffen eine einzigartige Atmosphäre. Wo im Mittelalter adlige Frauen ein fast mönchisches Leben führten, hatte in den vergangenen Jahren Peter Kersten gut gekocht, einen Menü-Service und zeitweise einen Mittagstisch betrieben. Doch der Mann hat gekündigt, er will einen neuen beruflichen Weg einschlagen. Zum Glück hat das Sozialwerk einen Nachfolger gefunden.

Er heißt Theo de Vries und lebt in Kalkar. Aufmerksame Besucher des Nikolausmarktes hatten am Käsestand schon Handzettel entdeckt, die die Neuigkeit preisgaben: Der Gastronom und Musiker ist der neue Pächter des schönen Hauses und hat vor, es wieder zu einer gesuchten Adresse zu machen. Ein wenig anders als bisher dürfte es werden, denn der Niederländer de Vries ist leidenschaftlicher Klavierspieler und Sänger. So nennt er sein Konzept „Gastro Kulto“, womit er darauf hinweist, dass sich dort gutes Essen und Trinken mit Kultur vertragen soll. Was früher auch schon funktionierte, als noch Bilder ausgestellt wurden. Damit ist künftig allerdings Schluss, sagt de Vries. Die Kunstakademie, die im Beginenhof versuchte, Hobbymaler für Kurse zu begeistern,  führt ihr Engagement nicht fort. Reiner Schmidt, der mit Hermann Bottenbruch im Verein „Art and Culture Exchange“ zusammenarbeitet, bedauerte dies im RP-Gespräch. Ohnehin sind nicht alle Räume im alten Haus wirklich nutzbar. Aus Brandschutzgründen ist die obere Etage mit dem prächtigen Wand- und Deckenschmuck nur bedingt für die Öffentlichkeit zugänglich.

Umso mehr freut sich der Vorstand des Sozialwerks um Willi Krebbers darüber, mitteilen zu können, dass gleich zu Jahresbeginn ein neuer Pächter zur Verfügung steht. Laut Krebbers will er den beliebten Mittagstisch wiederbeleben und am Wochenende Essenszeiten für die ganze Familie schaffen. „Frischer Wind in alten Mauern“ lautet das Versprechen, an dem sich Theo de Vries messen lassen will.

 Laut Sozialwerk hat der in Kalkar lebende Niederländer „internationale Erfahrung in Gastronomie, Hotellerie und Theater und wolle verschiedene Dienstleistungen in dem  historischen Haus in der Kesselstraße anbieten.

 25 Jahre lang spielte der Entertainer Theo de Vries mit seiner Jazz-Band  auf Privatfeiern, Firmenveranstaltungen und Jazzkonzerten. Vor 15 Jahren verließ das Ehepaar die kühle Heimat und wagte einen Neubeginn im Süden:  2003 ging’s ins spanische Málaga. Dort betrieb Theo de Vries ein Restaurant mit Musik, in dem regelmäßig kleine Livekonzerte gegeben wurden. Außerdem unterhielt er mit seiner Band die Gäste in vielen Hotels.

Es wurde kein dauerhafter Ausstieg –  2009 kehrte die Familie zurück, allerdings nicht in die Niederlande, sondern nach Kalkar.

Die Musik begleitet Theo de Vries weiter, einen Namen gemacht hater sich zudem mit eigenen  Käsekreationen, die er übers Internet, auf Märkten und über Händler verkauft. Vermutlich werden sich sowohl Käse als auch mediterrane Spezialitäten auf der Speisenkarte wiederfinden.