Naturdenkmal Keppelner Hagelkreuz

Wegekreuze: „Gott schütze Feld und Flur“

Das Naturdenkmal Keppelner Hagelkreuz erinnert an einen schweren Sturm im Jahre 1912.

Es war der 12. Mai 1912. Ein Unwetter zog quer durch Deutschland, und die niederrheinischen Felder blieben nicht verschont. Auf der Ebene stoppte nichts den Sturm. Was auf den Feldern gerade zu wachsen begonnen hatte, wurde niedergedrückt, hilflos sahen die Menschen den Naturgewalten zu, waren in Not und Angst.

So ähnlich könnte es gewesen sein. In der Klimahistorie des Deutschen Wetterdienstes heißt es, dass an diesem Tag in Sachsen ein Tornado wütete und 20.000 Festmeter Holz umbrach. Die „Coburger Zeitung“ schreibt drei Tage später, es habe ein „Gewittersturm im ganzen niederrheinischen Industrierevier gewütet und Schäden an Häusern, Bäumen und Gärten angerichtet“. Obstbäume mit einem halben Meter Umfang seien wie „Strohhalme“ abgeknickt. In der Tornadoliste von Deutschland wird das Unwetter als Sturm unbekannter Größe aufgelistet und als Tornado-Verdacht eingestuft.

Bauer Wilhelm Fonck vom Klappekuhlshof in Uedem-Keppeln nahm dieses Unwetter zum Anlass, ein Hagelkreuz auf seinem Feld zu errichten, zum Gedenken an das Geschehen, sicher auch um Gottes Segen und Schutz zu erbitten. Es wurde am 18. Mai 1925 eingeweiht.

In den 90er Jahren musste es um ein paar hundert Meter versetzt werden. Es war baufällig geworden, der Keppelner Heimatverein kümmerte sich um eine Erneuerung. Seitdem steht es an der Klever Straße zwischen Kreisverkehr Am Lindchen und Uedem. Wer dort fährt, kann es nicht verfehlen: das Keppelner Hagelkreuz ist durch seine Größe und markante Form weithin sichtbar, prägt das Landschaftsbild und ist ein zeitloser Blickfang für alle Vorbeifahrenden. „Gott schütze Feld und Flur“ lautet die Inschrift, darüber ein Strauß mit Ähren.

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Gerhard Bückers vom Heimatverein erinnert sich noch gut an die feierliche Einweihung am 13. April 1996. Hein Ries (1929 – 2014), jahrzehntelanger sorgfältiger Dorfchronist und Ehrenmitglied des Heimatvereins, verlas damals die Urkunde.

Wie Bückers berichtet, half die Landjugend, den Platz um das Hagelkreuz herum herzurichten. Es gibt eine Bank zum Verweilen, verschiedene Büsche und Stauden wurden angepflanzt, blühende Rosen schmücken das steinerne Kreuz. Vor fünf Jahren stellte der Heimatverein ein Messingschild mit ausführlichen Informationen über die Geschichte des Hagelkreuzes auf. Gerhard Bückers übernahm vor etwa drei Jahren die Pflege des Areals. Beim Harken der kleinen Schotterfläche fiel ihm auf, dass neuerdings wieder mehr Fußspuren zu sehen sind. „Hier machen doch viele Radfahrer halt, setzen sich für einen Moment auf die Bank“, sagt er. Die Straßenbäume sind inzwischen so groß, dass sie Schatten spenden. Trotz Nähe zu der einigermaßen stark befahrenen Straße, ist es ein Ort der Ruhe.

Alljährlich findet eine Bittprozession der katholischen Kirchengemeinde zum Kreuz statt. Angesichts der Tatsache, dass sich auch in der Gegenwart die schweren Unwetter hierzulande und in der Welt häufen, regt das Kreuz zum Nachdenken an. Auf der Info-Tafel am Kreuz steht zu lesen, dass zum Beispiel im Jahre 2009 schwere Hagelstürme viele Felder in Keppeln heimsuchten und die Ernte fast vollständig vernichteten. Der letzte Satz lautet: „Diese Gedenkstätte erinnert uns daran, dass unsere Nahrung und unser Leben auch in der heutigen Zeit allein in Gottes Hand liegt.“

Kennen Sie ein Wegekreuz in Ihrer Nähe? Oder pflegen Sie es und kennen seine Geschichte? Die Redaktion freut sich über Infos: mailto:redaktion.kleve@rheinische-post.de

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