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Goch: Nähr-Engel: Förderung für Kläranlage

Goch : Nähr-Engel: Förderung für Kläranlage

Ein innovatives Vorhaben der Gocher Firma wird mit 480 000 Euro aus dem Umwelt- und Innovationsprogramm gefördert. Umweltministerin Dr. Barbara Hendricks (SPD) übergab gestern in Goch persönlich den Förderbescheid.

Als leidenschaftlichem Aquarianer ist Karl-Heinz Otto die Methode, die bald von der Firma Nähr-Engel eingesetzt wird, durchaus bekannt. "Ähnlich funktioniert das bei meinen Filtern im heimischen Aquarium auch", meinte der Gocher Bürgermeister.

Er ist begeistert, dass dieses Verfahren jetzt erstmals im großen Rahmen von einer Firma zur Abwasserreinigung eingesetzt wird. Clou der ganzen Sache ist, dass Nähr-Engel mit dem neuen Verfahren auch gleich noch Biogas produziert. Im Herbst 2015 will der führende Hersteller von Trockenkartoffel-Produkten die innovative Kläranlage in Betrieb nehmen.

"Dana" nennt sich das für den Laien recht komplizierte Verfahren. Das basiert im Grunde darauf, dass Abwasser durch einen Tank nacheinander durch getrennte sauerstoffarme (anaerob) und sauerstoffreiche (aerob) Bereiche geleitet wird. Bei der Durchströmung erfolgt der Umsatz der organischen Komponenten zu Biogas. Das Abwasser verlässt den Reaktor unten im Bodenbereich und wird noch einer Nachreinigung zugeführt. Das Biogas wird zur Verwertung entnommen.

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600 000 Kubikmeter Gas sollen so im Jahr produziert werden, 1200 Tonnen Co2 können so eingespart werden. Das sind Zahlen, die für Clive Krückemeyer von Nähr-Engel auch ganz klar die Frage beantworten, die sich das Unternehmen am Anfang stellte: Lohnt sich das überhaupt? "Wir haben das für uns eindeutig mit einem ,Ja' beantwortet, obwohl wir wissen, dass es ein langer Weg werden wird." Anton van den Boom von Nähr-Engel ergänzte: "Man muss sich Ziele setzen, dann kommt der Erfolg."

Immerhin investiert das Unternehmen 1,5 Millionen Euro in die neue Technik und hatte dazu einen Förderantrag über das Umwelt- und Innovationsprogramm des Bundes gestellt. Ein Antrag, der bewilligt wurde und dafür sorgte, dass gestern die Umweltministerin persönlich kam, um in ihrem Heimatwahlkreis einen Förderbescheid von 480 000 Euro zu übergeben. "Wir fördern mit diesem Programm Mut und Verantwortung von Unternehmen", sagte Dr. Barbara Hendricks.

Wichtig sei, dass es um Projekte gehe, die vom Reißbrett in die Umsetzung gehen. So sei es möglich, Innovationen auch in der Praxis zu nutzen. Und dabei ist auch eine Sache wichtig: "Es geht nicht darum, das Patent einer Firma zu fördern, sondern darum, dass Verfahren entwickelt werden, die dann von anderen genutzt werden können - im Sinne des Klimaschutzes", führte die Ministerin aus.

Sie spüre, dass die Menschen wollen, dass es beim Klimaschutz voran geht. Deutschland stehe hier für viele in der Pflicht. Die Bundesrepublik müsse Europa mitreißen, Europa dann die ganze Welt. "Unternehmerische Entscheidungen wie hier bei Nähr-Engel sind Schritte auf dem Weg zur Senkung des Co2-Ausstoßes", sagte die Ministerin, die aber auch appellierte, dass jeder etwas dazu beitragen könne. Nicht jede Fahrt zum Brötchenholen müsse mit dem Auto erfolgen. "Jeder kann etwas für den Klimaschutz tun, ohne dass es für ihn große Einschränkungen bedeutet."

Nähr-Engel ist auf jeden Fall ein Paradebeispiel, wie es einem Unternehmen gelungen ist, den Energieverbrauch zu senken Gemeinsam mit den Stadtwerken wird bereits ein Biomasseheizkraftwerk betrieben. Zusammen mit der neuen Kläranlage ist das Unternehmen dann ab 2015 in der Lage, 93 Prozent seiner Energie selbst und vor allem nachhaltig zu erzeugen.

Im Gespräch ist zudem, Energie von Nähr-Engel vielleicht auch für das geplante Baugebiet auf dem Kasernen-Gelände zu nutzen. Solche Überlegungen seien mit in den Bebauungsplan eingeflossen, sagte der Bürgermeister. Von diesen Plänen wüssten auch die Interessenten für Grundstücke auf dem Areal.

(RP)