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Nach Großbrand bei Mühlhoff: Die Produktion ist wieder angelaufen

Nach Großbrand bei Mühlhoff : Mühlhoff: Aufbau ist ein Mammutprojekt

Vor zwei Wochen wurde der Uedemer Automobilzulieferer Mühlhoff von einem Großbrand erschüttert. Die Produktion ist teils wieder angelaufen. Geschäftsführer Markus Wermers führte uns übers Areal. Er sorgt sich vor neuem Feuer.

Die ersten Maschinen gingen am Montagmorgen, 6 Uhr, wieder in Betrieb. Die Ergebnisse sind vor Ort sichtbar: Mitarbeiter beladen einen Lkw mit Rohteilen für einen großen Automobilhersteller aus Süddeutschland. Arbeitete man vor dem Brand im 18-Stunden-Schichtbetrieb, wird nun rund um die Uhr gewerkelt. Und nicht nur das: Den ganzen Januar über hat Mühlhoff erfolgreich einen Antrag auf Wochenendarbeit gestellt. Man sei bemüht, diesen auszuweiten. Die Entscheidung liegt bei der Bezirksregierung. Geschäftsführer Markus Wermers betont: „Wir wissen den Betriebsrat und die IG Metall bei dem Vorhaben auf unserer Seite.“ Die gesamte Belegschaft habe er noch nicht zurückgerufen, schließlich seien die meisten Großpressen noch außer Betrieb. Er sei bemüht, keine „Zwei-Klassen-Gesellschaft“ entstehen zu lassen. „Ich glaube aber, dass die meisten derer, die noch nicht zurückgerufen wurden, das eher als Pech empfinden, weil sie nicht mitanpacken können“, sagt Wermers.

Beim Uedemer Automobilzulieferer Mühlhoff bietet sich dieser Tage ein skurriles Bild: Zwar liegt die Produktion nach dem Großbrand vor zwei Wochen weiterhin zu großen Teilen lahm. Wohl selten aber waren so viele Arbeiter auf dem Gelände unterwegs wie aktuell. Den Schätzungen von Wermers nach sind es allein 500 von Fremdfirmen, die mit Aufräumarbeiten beschäftigt sind. Hinzu kommen mehrere hundert Angestellte von Mühlhoff selbst. Durch die hektische Betriebsamkeit hindurch führte Wermers am Dienstagvormittag die Presse und Bürgermeister Rainer Weber. „Das eine Zahnrad greift in einer Art und Weise ins andere, wie ich es nicht für möglich gehalten hätte“, sagt Wermers. Dabei gibt’s eine Menge zu tun: Die Produktion und der Ausbildungsbetrieb laufen weiter, die Verwaltung richtet sich provisorisch wieder ein, die Brandschadensanierung ist noch längst nicht abgeschlossen. Auch wie hoch die Schadenssumme ist, scheint ungewiss. Wermers zu Folge liege diese allerdings vermutlich im hohen zweistelligen Millionenbereich, zudem sagt er: „Jeder Tag, an dem die Produktion eingeschränkt läuft, kostet Geld.“

Bürgermeister Rainer Weber (l.) hilft Mühlhoff-Geschäftsführer Markus Wermers derzeit bei bürokratischen Vorgängen. Foto: Evers, Gottfried (eve)

Noch scheint bei einigen Pressen unklar, wie hoch der Zerstörungsgrad ist. „Experten sagen, dass die Maschinen in Ordnung sind, wenn noch Farbe drauf ist. Das ist hier der Fall. Allerdings wurde gezielt Brand in den Schaltschränken der Pressen gelegt. Das ist, als würde man in ihr Herz stoßen“, erklärt Wermers. Diese Tatsache nährt die Vermutung, dass sich die Brandstifter auf dem Gelände auskannten. In sozialen Netzwerken hatte bereits kurz nach dem Brand das Gerücht die Runde gemacht, Mitarbeiter oder zumindest Ehemalige könnten für den Großbrand gesorgt haben. „Mit solchen Mutmaßungen befasse ich mich nicht“, sagt Wermers. Allerdings habe man einen Rund-um-die-Uhr-Sicherheitsdienst beauftragt. Das Ziel: erneutes Feuer verhindern. „Nicht, dass der oder die Täter auf die Idee kommen, dass das Werk noch nicht vervollständigt ist“, sagt der Geschäftsführer. Wermers stellt klar, dass bei Mühlhoff keine Entlassungen gedroht hätten: „Ich bin vor zweieinhalb Monaten mit der klaren Direktive hier hergekommen, den Standort weiterzuentwickeln und zu wachsen.“ Nun gelte es, als Betrieb zusammenzuhalten. Das gelinge bemerkenswert gut. „Wir arbeiten alle ganz dicht beieinander. Die Familie Mühlhoff steht zusammen“, sagt Markus Wermers.