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Mutter-Kind-Kurheim Goch auch während der Pandemie in Betrieb

Marianne-van-den-Bosch-Haus in Goch : Per Schnelltest zum Mutter-Kind-Glück

Auch in der Corona-Zeit gibt es im Gocher Marianne-van-den-Bosch-Haus Mutter-Kind-Kuren. Denn eine Auszeit ist wichtig, wissen Fachleute.

(RP) Gruppenkuren für Mutter und Kind – können die wie in anderen Zeiten auch während der Pandemie gelingen? Das Marianne van den Bosch Haus zeigt, wie es gehen kann: gut organisiert, mit viel Engagement und Gespür für das Machbare. Das Gocher Haus bietet damit derzeit deutschlandweit die einzigen Kuren für Mütter mit Kleinstkindern an, heißt es aus der Pressestelle des Karl-Leisner-Klinikums, zu dem die Einrichtung gehört.

Es ist farbiger geworden in den Räumen des Marianne-van-den-Bosch-Hauses. An den Türen finden sich Schilder mit roten, blauen, gelben oder grünen Männchen. Die Waschbecken sind farbig markiert. Und die Kinder, die ebenfalls farbige Bändchen tragen, haben schnell gelernt, wer wohin gehört.

Der neue „Farbcode“ ist nur eine der zahlreichen Maßnahmen, mit denen Kurhaus-Leiterin Katrin Hell und ihr Team das möglich gemacht haben, was zwischenzeitlich fast unmöglich schien: Die Einrichtung, die zwischenzeitlich geschlossen war, bietet nun trotz der Corona-Pandemie wieder Mutter-Kind-Kuren an. „Wir sind derzeit die einzige Einrichtung in Deutschland, die Kuren für Mütter mit Kleinstkindern durchführt“, so Katrin Hell. Jeweils drei Wochen sind 28 Mütter mit ihren Kindern in dem Kurhaus am Stadtrand von Goch, um ihren Akku wieder aufzuladen.

Das gelingt. „Wir leben auf einer Insel der Glückseligkeit“, sagt Claudia Müller, die mit ihren beiden Töchtern Bella Marie (4) und Lilian Valeria (2) bereits zwei Wochen im Marianne van den Bosch Haus verbracht hat. Sie verbringt viel Zeit mit ihren Kindern, gemeinsam wird gebastelt, gespielt und geschwommen – und wenn die Töchter im von Gabi Mele geleiteten Kinderland sind, hat Claudia Müller auch Zeit für sich selbst, für Gespräche mit Therapeuten oder mit anderen Müttern.

Aber eben nur in ihrer Farbgruppe. Die Kurgäste sind aufgeteilt in vier Gruppen, die sich nicht durchmischen. „Das Farbkonzept ist für uns ein enormer organisatorischer Mehraufwand“, sagt Katrin Hell. Alle Mitarbeiter machen Überstunden, es gibt mehr Personal im Bereich der Hauswirtschaft. Zum aktuellen Hygienekonzept der Einrichtung gehört, dass das Essensbüffet ausgesetzt wurde, dass mehr Einzelanwendungen als sonst gegeben werden und dass im Kurhaus eine FFP2-Schutzmaske getragen wird. Das Konzept haben die Mitarbeiter des Kurhauses in enger Zusammenarbeit der Abteilung für Hygiene und Infektionsprävention des Katholischen Karl-Leisner-Klinikums und mit dem Gesundheitsamt des Kreises Kleve erarbeitet.

So musste auch die Anreise der Mütter und Kinder komplett neu organisiert werden. Früher kamen alle Mütter im Laufe eines Tages, dann wurden Führungen durchs Haus gemacht. In großen Gruppen. Jetzt fahren die Mütter mit dem Auto bis zum Parkplatz vor der Tür. Dort werden sie von einem Mitarbeiter in Empfang genommen, der erstmal einen Corona-Schnelltest macht. Bis zum Ergebnis – das dauert eine Viertelstunde – bleiben Mütter und Kinder im Auto.

Die Wartezeit wird mit einem kleinen Lunchpaket verkürzt. Außerdem kriegen die Kinder ein Pixi-Büchlein, das ihnen die Sicherheitsvorkehrungen rund um die Pandemie bunt illustriert näher bringt. Auf der ersten Seite sollen die Kinder ein Bild vom „klitzekleinen unsichtbaren Minimonstervirus“ durchstreichen, „damit wir alle gesund bleiben“. Das Buch hilft den Müttern, ihre Kinder spielerisch auf Regeln und Alltag im Marianne-van-den-Bosch-Haus vorzubereiten, es ist komplett in Eigenregie entstanden.

Das Kurheim soll eine Corona-freie Blase sein, in die das Virus nicht vordringt. Und wenn doch, müssten nur die Kontaktpersonen aus der jeweiligen Farbgruppe den Aufenthalt abbrechen – die anderen könnten bleiben. Doch kann man sich überhaupt entspannen, wenn die Schutzvorschriften einen dauernd daran erinnern, dass eine unsichtbare Gefahr lauert? Die Mütter sagen, dass es möglich ist: „Alles ist sehr schön und liebevoll organisiert – und wenn man einmal husten muss, ist sofort ein Arzt da“, berichtet Carina Schäfer, die mit ihren beiden Töchtern Emma (4) und Paula (2) in Goch ist. Und auch die Kinder nehmen die Bedrohung nicht wahr, obwohl beispielsweise vor dem Zugang zum Kinderland die Temperatur gemessen wird. „Alle Gäste sind sehr pflichtbewusst“, so Katrin Hell. Gemeinsam arbeiten Mütter und Beschäftigte daran, das Risiko so klein wie möglich zu halten.