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Mühlhoff-Prozess Kleve: Angeklagter muss viereinhalb Jahre in Haft

Uedem : Angeklagter muss viereinhalb Jahre in Haft

Urteil im Mühlhoff-Prozess gesprochen. Die beiden Verteider hatten auf Freispruch plädiiert. Der Brand hatte einen Sachschaden in Millionenhöhe verursacht.

Wegen vorsätzlicher Brandstiftung ist der 58-jährige Angeklagte im Prozess um den Brand beim Uedemer Automobilzulieferer Mühlhoff am Montagabend schuldig gesprochen worden. Die zweite große Strafkammer des Klever Landgerichts verurteilte den ehemaligen Mitarbeiter der Firma zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren und sechs Monaten.

Die Klever Staatsanwaltschaft hatte gar siebeneinhalb Jahre für die vorsätzliche Brandstiftung beantragt. Der Angeklagte habe „den größtmöglichen wirtschaftlichen Schaden“ für die Firma Mühlhoff verursachen wollen, mit der er wegen des Themas Arbeitsschutz Differenzen hatte, so der Anklagevertreter. Für die Täterschaft spräche vor allem der am Tatort gefundene Rucksack mit Kleidungsstücken des 58-Jährigen, so der Staatsanwalt. Die Ehefrau des Angeklagten habe vor Gericht eine „bewusste Falschaussage“ getätigt, um ihrem Mann ein Alibi zu verschaffen.

Freispruch hatten die beiden Verteidiger des 58-jährigen Angeklagten beantragt. Der im Verwaltungsgebäude gefundene Rucksack sei eine „Trugspur“ gewesen – dort platziert, um den Verdacht gezielt auf ihren Mandanten zu lenken. Dabei habe dieser trotz Auseinandersetzungen mit dem Arbeitgeber kein Motiv gehabt: „Er hat immer den Rechtsweg beschritten. Er ist immer mit Erfolg aus den Prozessen vor dem Arbeitsgericht gegangen, hat nie verloren.  Warum hätte er nicht wieder diesen Weg beschreiten sollen?“, so die Verteidigerin. 

Zudem wies die Verteidigung im Plädoyer darauf hin, dass an den Gegenständen im Rucksack teils gemischte DNA-Spuren festgestellt wurden – Spuren also auch von mehreren anderen Personen neben dem Angeklagten. An den Benzinkanistern, die ebenfalls am Tatort gefunden wurden, habe man zudem gar keine DNA-Spuren ihres Mandanten festgestellt. Der Angeklagte selbst bezeichnete den Brand bei Mühlhoff in seinem letzten Wort als Katastrophe. „Es ist gut zu hören, dass der Betrieb sich wieder aufbaut“, so der 58-Jährige. Dann brach er in Tränen aus und sagte: „Ich habe das nicht getan!“

Nach langer Beratung kam die Kammer dennoch zu dem Schluss, dass der Angeklagte verantwortlich sei. Motiv seien seine Arbeitssicherheitsbemühungen gewesen und mehrere Abfuhren, die er dafür von Vorgesetzten bekam. „Der Angeklagte hat nicht nur ein Motiv, er hat auch umfangreiche Vorbereitungen getroffen“, sagte der Vorsitzende.

So stellten die Ermittler fest, dass der Angeklagte in den Tagen vor der Tat intensiv auf Google Maps unterwegs war und das Gelände der Firma in Beschau nahm.