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Mühlhoff-Brand in Uedem: Der Prozess beginnt

Brandstiftung angeklagt : Mühlhoff-Brand: Prozess beginnt

Ein Großbrand erschütterte Ende 2019 den Uedemer Automobilzulieferer Mühlhoff. Die Polizei ging schnell von Brandstiftung aus, nahm im Februar einen Firmenmitarbeiter fest. Am Montag beginnt der Prozess.

Eine riesige Rauchschwade verdunkelt am Morgen des 29. Dezember 2019 den Himmel über der Boxteler Bahn in Uedem. Der Automobilzulieferer Mühlhoff, mit rund 400 Mitarbeitern einer der größten Arbeitgeber der Region, steht in Flammen. 200 Feuerwehrleute sind angerückt, kämpfen stundenlang gegen das Feuer, das aus zahlreichen Gebäuden lodert.

Der letzte Sonntag des Jahres 2019, er ist ein rabenschwarzer für das Uedemer Traditionsunternehmen, für die Mitarbeiter, für die Gemeinde. Einer der Feuerwehrmänner, die an diesem Morgen gegen die Flammen kämpfen, erleidet einen Herzinfarkt, ein anderer einen Schock. Als der Brand gelöscht ist, wird das verheerende Ausmaß der Katastrophe langsam deutlich. Die Werkshallen des Unternehmens? In weiten Teilen schwer beschädigt, ebenso wie das Verwaltungsgebäude und die Logistikhalle. Auch vier Großpressen hat es schwer erwischt.

Verantwortlich soll für den Großbrand ein damaliger Mitarbeiter des Uedemer Automobilzuliefers sein. Er ist 58 Jahre alt, kommt aus Uedem. Ab Montag steht er vor dem Klever Landgericht. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm schwere Brandstiftung vor. Er soll laut Anklage in mehreren Fertigungs- und Lagerhallen und im Verwaltungsgebäude der Firma mindestens 13 mit Kraftstoff befüllte Benzinkanister deponiert und angezündet haben. Laut Staatsanwaltschaft habe sich durch den Brand eine massive Rauchwolke mit hochgradig gesundheitsschädigenden Gasen entwickelt, die auch das Wohnhaus eines Anwohners umschlossen habe.

Dass es sich wohl um Brandstiftung handelt, kann die Polizei schon am Tag des Brandes mit ziemlicher Sicherheit sagen. Ein Brandgutachter bestätigt dies. Eine Ermittlungskommission der Kripo befasst sich wochenlang mit dem Großbrand, findet unter anderem einen Rucksack und verdächtige Kleidungsstücke am Tatort. Spuren an den Gegenständen deuten auf den Mitarbeiter hin, Zeugenaussagen erhärten den Verdacht.

Am 7. Februar erfolgt die Festnahme: Es bestehe der dringende Tatverdacht, dass der Firmenmitarbeiter das Feuer nach arbeitsrechtlichen Auseinandersetzungen vorsätzlich gelegt habe, erklären Polizei und Staatsanwaltschaft. Aufgrund der Ermittlungsergebnisse und wegen der bestehenden Fluchtgefahr vor dem Hintergrund des geschätzten Gesamtschadenvolumens von etwa 120 Millionen Euro erlässt das Amtsgericht Kleve Haftbefehl gegen den Uedemer.

Für den Strafprozess vor der zweiten großen Strafkammer des Klever Landgerichtes, der am Montag um 9 Uhr auf der Schwanenburg beginnt, sind vier Verhandlungstage angesetzt. Fünf Zeugen und ein Sachverständiger sind zum ersten Termin geladen. Der Anklagevorwurf lautet auf schwere Brandstiftung. Das Gesetz sieht hierfür eine Freiheitsstrafe nicht unter einem Jahr vor.

Das Unternehmen Mühlhoff ist nach dem Großbrand noch enger zusammengerückt, und ein beachtlicher Teil der Schäden, die das Feuer Ende 2019 anrichtete, konnte bereits behoben werden. So sind zwei der beschädigten Großpressen seit Kurzem wieder in Betrieb, auch die abgebrannte Logistikhalle steht wieder. Vieles gilt es aber für den Automobilzulieferer nach dem Großbrand noch zu bewältigen – vielleicht hilft auch der am Montag beginnende Strafprozess dabei.