Evonik-Schülerwettbewerb Schüler debattieren über das Gendern

GOCH · Schüler zweier Deutsch-Leistungskurse der Gesamtschule Mittelkreis Goch nahmen auf Einladung von Rheinische Post und Evonik am Wettbewerb #mitreden teil. Es ging um geschlechtergerechte Sprache.

Pia, Robin, Sven und Adele debattierten auf hohem Niveau.

Pia, Robin, Sven und Adele debattierten auf hohem Niveau.

Foto: Markus van Offern (mvo)

Debattieren zu können, das ist etwas ganz Wichtiges. Argumente vorbringen, die des Gegenübers anhören, kontern, abwägen – das alles will gelernt sein. Karin Teetzmann, Direktorin der Gesamtschule Mittelkreis in Goch, findet es deshalb „großartig, dass es diese Veranstaltung gibt“. Was sie meint, ist der Debatten-Wettbewerb #mitreden von Rheinische Post und Evonik. Die achte Ausgabe der Reihe fand in Goch statt und  forderte die Schüler zum Austausch über das Thema  „Gendergerechte Sprache“ auf. Zwei Teams, eins Pro, eins Contra, hatten sich gut vorbereitet und machten es der Jury nicht leicht. Die bestand zum einen aus Martin Kessler, Politikchef der RP-Zentralredaktion in Düsseldorf,  Journalistenschülerin Lilli Stegner sowie  Markus König von Evonik, vor allem aber aus den Mitschülern. Alle besuchen die Jahrgangsstufe 12 und haben Deutsch als Leistungskurs.

Nicht zuletzt die Lehrerinnen Miriam Heilen und Verena Henisch dürften stolz auf Adele Schnock und Sven Brun (Team Pro) sowie auf Pia Franken und Robin Verfürth gewesen sein. Alle zeigten, was der Unterschied ist zwischen dem, was den Zuhörern mancher Bundestags-“Debatte“ zugemutet wird, und wie ein qualifiziertes Argumentieren auch klingen kann. Martin Kessler  verwies auf seinen lange zurückliegenden Philosophie-Unterricht, in dem den Schülern Thomas von Aquin vorgestellt worden war, der schon im Mittelalter erkannt hatte:  Ersteinmal schauen, worin man sich einig ist. Von diesem Punkt aus könne man dann Ungleiches feststellen und besprechen.

Die Jury mit (v.l.) Markus König, Lilli Stegner und Martin Kessler tauscht sich aus.

Die Jury mit (v.l.) Markus König, Lilli Stegner und Martin Kessler tauscht sich aus.

Foto: Markus van Offern (mvo)

Ob sie den Gelehrten jener Zeit zum Vorbild hatten oder nicht: Genau den „Trick“, dem Gegner (scheinbar) entgegen zu kommen, dann aber seine Argumente zu entkräften und selbst bessere zu liefern – das gelang Adele und Sven, dem späteren Sieger-Team, ganz ausgezeichnet. Dabei hatten sie es alles andere als leicht, denn es macht ja durchaus Spaß, sich über die Auswüchse des Genderns lustig zu machen: Weihnachtsmann und Weihnachtsfrau, vielleicht auch Weihnachtsbaum und Weihnachtsbäumin? Team B argumentierte lieber seriös gegen allzu konsequenten Gebrauch gender-gerechter Sprache. „Die deutsche Sprache ist ohnehin schon kompliziert, sie zu lernen  würde dadurch noch schwerer“, befand Pia. Ihr Mitstreiter Robin erkannte im Gendern überhaupt einen „falschen Ansatz im Kampf um Gleichberechtigung“.

Eingangs hatte Marieke Fröhlich, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Fachbereich Soziologie an der Hochschule Rhein-Waal, einen einführenden Vortrag ins Thema gehalten. Sie zeigte den Jugendlichen eine Aufnahme vom heute-journal des Tages, an dem ein Olaf Scholz sein Amt übernahm. „Die Kanzlerin ist jetzt ein Mann“, sagte Slomka zu diesem Anlass und deutete damit an, dass Sprache viel mit Gewohnheit zu tun hat: Die Jüngeren verbinden das Amt fraglos zunächst mit einer Frau, denn sie kennen ja nur eine Kanzlerin. Ebenso, wie die Mehrheit der Deutschen mit „Arzt“ oder „Dachdecker“ einen Mann verbindet, denn weiblich besetzt sind deren Stellen eher selten. Aber würde es mehr Chefärzte oder Handwerker geben, wenn ein Gender-Sternchen verwendet würde?  Und wie steht’s mit dem „generischen Maskulinum“, das mit einer scheinbar neutralen Form beide Geschlechter meint? Und was heißt schon „beide“, wo doch heute diverse sexuelle Orientierungen akzeptiert werden?

Marieke Fröhlich vom Fachbereich Soziologie der Hochschule Rhein-Waal hielt einen einführenden Vortrag.

Marieke Fröhlich vom Fachbereich Soziologie der Hochschule Rhein-Waal hielt einen einführenden Vortrag.

Foto: Markus van Offern (mvo)

Ein starkes Argument, aufs Gendern zu verzichten, steuerte Robin mit  der Aussage bei, da die meisten Regeln nur in der Schriftsprache funktionierten, werde sich eine geschlechter-neutrale Sprache im Mündlichen bestimmt nicht durchsetzen. Adele wusste jedoch auch darauf eine Antwort: „Es schadet aber nicht, es zu versuchen, und es bleibt ja in jedem Fall freiwillig! Es geht doch darum, die Ausgeschlossenen einzuschließen.“ Schön sei doch, dass fast alle im Grunde für die Gleichberechtigung seien, nur über den Weg dahin sei zu reden.

Ob auf den Urkunden, die am Ende verliehen wurde, nun Platz 1 oder 2 stand: Alle haben ihre Aufgabe sehr gut bewältigt und genossen den fairen Applaus der Mitschüler und der Gäste.

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