Goch: Mit Hilfe zurück in den Arbeitsmarkt

Goch : Mit Hilfe zurück in den Arbeitsmarkt

Die Stadt Goch stimmt derzeit intern ab, ob auch sie mit "Work First" beginnt. In der Nachbargemeinde Kevelaer sollen mit dem Projekt ab Frühjahr Hartz-IV-Empfänger durch spezielle Coaches fit für den Arbeitsmarkt gemacht werden.

Langzeitarbeitslosigkeit ist ein Riesenproblem – nicht nur für die Betroffenen, sondern auch für die öffentlichen Finanzen. Die Stadt Kevelaer will dem Thema nun mit einem Projekt begegnen, das Hartz-IV-Bezieher möglichst schnell wieder in Arbeit bringen möchte.

Bei "Work First" geht es um die grundsätzliche Überlegung, dass, wer arbeitsfähig ist und Transferleistungen erhält, rasch wieder sein eigenes Geld verdienen sollte. Die Idee ist schon vor einigen Jahren als Modellprojekt in anderen Regionen gelaufen. Offenbar so erfolgreich, dass die Stadt jetzt die dazu benötigten Coaches einstellt. Marc Buchholz, Sozialdezernent vor Ort, bestätigte, dass Einstellungsgespräche mit qualifizierten Bewerbern geführt würden.

Angedacht sei eine Art geleitete Selbsthilfegruppe: Die Coaches – von ihrer Ausbildung Sozialarbeiter, Pädagogen oder Arbeitsvermittler – werden sich laut Buchholz etwa zwei Monate lang wöchentlich dreimal für drei Stunden mit einer Gruppe zusammensetzen und versuchen, die Probleme konkret anzugehen. Die Kandidaten sollen sich auch gegenseitig unterstützen oder zur Selbstreflexion anregen. Finanziert werden soll das ganze durch den Bund, abgerechnet wird über den Kreis Kleve. Für die Gemeinde fallen also keine zusätzlichen Kosten an.

Auch die Stadt Goch ist mit dem Projekt der Nachbar-Kommune vertraut, beschäftigt sich bereits seit einiger Zeit mit ähnlichen Projekten. "Wir sind in der Planung und stimmen derzeit intern ab, in welcher Form wir etwas ähnliches realisieren können", sagt Stadtsprecher Torsten Matenaers. Denn auch in der Weberstadt ist das Thema Langzeitarbeitslosigkeit ein großes – und ein wachsendes. "Im Januar 2014 waren in Goch insgesamt 631 Menschen gemeldet, die in den Bereich von SGB II fallen", sagt Michael Niel von der zuständigen Arbeitsagentur Wesel. Das sind die Menschen, von denen man als Langzeitarbeitslose oder Hartz-IV-Empfänger spricht. "Die Zahlen sind gestiegen. Es handelt sich um 19 mehr als noch im Dezember, um 67 mehr als im Vorjahresmonat", erklärt Niel. Insgesamt zählt die Stadt Goch 1171 Arbeitslose.

In einschlägigen Internetforen formulieren Hartz-IV-Betroffene schon ihre Bedenken wegen der Pläne. Sie fürchten einen "erzwungenen Arbeitseinsatz" und gekürzte Bezüge, wenn jemand ein Arbeitsangebot nicht annehme. Von Arbeitszwang und Repressalien bei fehlender Mitwirkung der Hartz-IV-Bezieher möchte man bei der Gemeinde aber nicht sprechen. "Wir sehen ,Work First' als ein Hilfsinstrument. Es geht nicht um Druck, sondern darum, dass die Teilnehmer einen Mehrwert darin erkennen, sich um Arbeit zu bemühen", erklärt Sozialdezernent Marc Buchholz.

Der Kreis Kleve als Optionskommune regelt das Thema Hartz IV in Eigenregie; die einzelnen Kommunen seien näher dran an den Arbeitslosen und potenziellen Arbeitgebern, als es andere Träger wären, so die Überzeugung. Wie und ob das Projekt auch in Goch umgesetzt wird, bleibt abzuwarten.

(lukra)