Uedem/Bedburg-Hau/Kalkar: Mit der 3D-Brille das Klima retten

Uedem/Bedburg-Hau/Kalkar : Mit der 3D-Brille das Klima retten

Uedem, Weeze und weitere Kommunen beteiligen sich an einem Umweltschutz-Projekt des Kreises Kleve.

Die Sache mit dem Eisbären erschreckte Josy dann doch ziemlich. "Ich hab' spontan geschrien", sagt die 16-Jährige. Der Riesenzottel wirkte einfach zu echt. Neben dem Gänsehaut-Moment aus der Arktis blieben Josy zwei Erfahrungen aus dem gut vier Minuten langen Ausflug in die virtuelle Realität in Erinnerung: "Eisbären sind gar nicht so weiß, wie man glaubt." Und: "Wer einmal mitten in einem schmelzenden Gletscher stand, weiß aus eigener Erfahrung, was der Klimawandel bedeutet."

Dieses Fazit lässt Siegfried Wolff von der Abteilung Jugend des Kreises Kleve schmunzeln. Denn auf solche Effekte hatte er gehofft: "Moderne Computertechnik wie die Virtuelle Realität kann einen großen pädagogischen Nutzen haben. Vorausgesetzt, sie wird richtig eingesetzt." Und weil er mit Dirk Ketelaers, dem Vorsitzenden der Arbeiterwohlfahrt in Rheurdt einen Partner fand, den man nicht lange überzeugen musste, entstand daraus das gemeinsame Projekt "Digitalisierung - Virtual Reality". Kooperationspartner sind die Kommunen Kalkar, Wachtendonk, Bedburg-Hau, Straelen, Uedem, Rees und Weeze.

Computertechnik soll die Lebenswelt der 13 bis 18-Jährigen erweitern. Und ihnen dabei helfen, ein Thema mit allen Sinnen zu erfassen. Dazu ist im AWO-Bahnhof erst einmal aufgebaut, was in jedem Büro steht: Bildschirm, Tastatur, Maus und ein schwarzer Computerkasten unter dem Tisch. In Verbindung mit zwei Lasern, die den Raum abtasten und einer großen, schwarzen VR-Brille mit Kopfhörern wird daraus eine derzeit rund 2500 Euro teure Technik, die per Mausklick den Ausflug in ferne Welten ermöglicht.

"Es gibt zum Beispiel ein Programm, mit dem Jugendliche die Dinosaurier in ihrer natürlichen Umgebung besuchen können", berichtet Wolff. Nur einen Klick weiter startet die Apollo 11-Rakete zum Mond. Die entsprechenden Bücher werden durch die Computertechnik nicht überflüssig. Aber sie sind nur ein kleiner Schritt im Leben der Jugendlichen. Dirk Ketelaers verweist auf pädagogische Untersuchungen, wonach Erfahrungen, an denen alle Sinne beteiligt waren, beeindruckender sind und länger im Gedächtnis haften bleiben als klassischer Lesestoff.

"Ich musste mich allerdings erst an die Brille gewöhnen", sagt Alexandra (16), die in Rheurdt zu den ersten gehörte, die im AWO-Bahnhof auf eine Arktis-Expedition ging. Die Anfänger durften zu ihrer eigenen Sicherheit auf einem Bürostuhl sitzenbleiben. Dennoch war die eigene, die echte Welt nach wenigen Sekunden vergessen. "Ich glaubte sogar, dass ich den Wind auf der Haut spüre", berichtete Sarah, die sich als Dritte der Schülerinnen-Clique die übergroße Brille überstreifte und die Start-Taste drückte.

Die Rheurdter AWO-Bahnhofs-Chefin Sabrina Kleinen hat eigens einen Trainerinnen-Kurs absolviert, um ihre jugendliche Gäste bei den Ausflügen in die virtuelle Realität anleiten zu können. Einige Menschen vertragen die VR-Brille nicht. Ihnen würde nach kurzer Zeit schlecht. So etwas sollte Sabrina Kleinen erkennen, bevor die nächste Expedition startet.

Das Projekt soll künftig ausgeweitet werden.

(RP)