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Markt in Goch: Martens hat geschlossen – die Commerzbank geht

Gocher Markt : Martens zu – Commerzbank geht

Das traditionsreiche Café hat aufgegeben, die Eigentümer hoffen, einen neuen Pächter zu finden. Gegenüber verlässt die Commerzbank ihren angestammten Platz. Dort wäre eine weitere Gastronomie ein idealer Nachfolger.

In diesen Tagen ist Herbstkirmes in Goch, verbunden mit allerlei Leben. Von gelegentlichen Volksfesten abgesehen wird die Situation in der Gocher 1a-Lage Marktplatz aber immer schwieriger. Seit kurzem hat das Café Martens geschlossen, die Bäckerei Horst Hemke auf der Ecke zur Mühlenstraße ist schon länger zu, in wenigen Wochen wird die Commerzbank die Stadt verlassen. Weitere Ladenlokale werden unter Wert oder nur provisorisch genutzt. Der Gocher Markt hat ein Problem, das über die Frage, wie sehr dort geparkt werden sollte, weit hinaus geht.

Insbesondere im Wahlkampf kommt das Thema immer wieder gerne auf: Goch hat einen im Prinzip schönen Marktplatz, der übriges gerade erst durch den Neubau des Begegnungshauses M 4 zwischen evangelischer Kirche und Rathaus enorm gewonnen hat. Das Fünf-Ringe-Haus wird endlich saniert und dürfte zu einem echten Highlight des Marktes werden. Historische Bausubstanz und gute Architektur an einer Seite des quadratischen Platzes machen aber die Missstände an den anderen Seiten nicht wett.

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Traurig über die Entwicklung sind nicht nur Bürger, die gerne mal Kaffee und Kuchen im traditionsreichen Stadt-Café (seit 1908) genossen, sondern natürlich auch die Inhaber. Hildegard Martens bedauert sehr, gezwungen gewesen zu sein, einen Zettel in die Tür zu hängen, auf dem geschrieben steht: „Covid 19 und die fehlende Unterstützung der öffentlichen Hand hat dazu geführt, dass unser Pächter das Café Martens aufgeben musste.“ Das Jahr 2020 sei noch zu verkraften gewesen. 2021 aber, als zwar verkauft werden durfte, die Tische aber ungenutzt bleiben mussten, sei zu viel gewesen. Gastronomen hätten selten größere Rücklagen. Rainer und Hildegard Martens hoffen sehr, einen neuen Betreiber zu finden, ahnen aber, dass das nicht leicht sein wird.

Schon vor Monaten hatte die Zentrale der Commerzbank mitgeteilt, sich in absehbarer Zeit von einer Reihe Niederlassungen zu trennen. Mit dabei: Goch, das ohnehin keinen Schalterbetrieb mehr hat, aber gut genutzte SB-Automaten. Inzwischen gibt es ein konkretes Datum: Am 16. November ist Schluss, die Kunden seien darüber per Anschreiben informiert worden. Begründet wird der Schritt mit einer Änderung der Filialstruktur, die an den Bedürfnissen der Kunden orientiert sei – der Großteil der Bankgeschäfte werde bei der Commerzbank inzwischen online erledigt. Persönliche Beratung gebe es weiterhin in der Filiale Kleve, kostenlose Barauszahlung sei weiter zum Beispiel über den Cash-Group-Partner Deutsche Bank in Goch möglich.

Verwaltet wird das Haus, das einer auswärtigen Eigentümerin gehört, von der Gocher Immobilienverwaltung Janssen. „Wir haben noch keinen Vermarktungsauftrag“, sagt Philipp Janssen, und aufgrund des bestehenden Vertrags gebe es da auch keine Eile. Er gibt aber zu, dass ein längerfristiger Leerstand in niemandes Interesse wäre. Dass es dazu kommt, glaubt er nicht: „In der Lage finden wir schon einen Nachmieter. Wenn sich jemand dafür interessiert, darf er sich gerne melden.“

Skeptisch ist der Unternehmer, was die Idee angeht, diese Seite des Marktes zu einer Gastro-Meile auszubauen. Weil eine Bank-Filiale eben sehr aufwendig umzubauen und einzurichten wäre, um dort eine Gaststätte ansiedeln zu können. Immerhin gibt es dort schon das „König am Markt“, das Eiscafé San Remo und auf der Ecke die Steak-Brothers. Eine schöne Vorstellung, das Angebot auszuweiten, insbesondere, wenn der Marktplatz tatsächlich einmal mehr als ein Parkplatz würde, nämlich ein Ort mit hoher Aufenthaltsqualität für Bürger und Besucher der Stadt.

Der Location treu bleiben möchte unbedingt Andreas Koch, der Betreiber einer der beiden der Allianz-Vertretungen am Markt. Er hat als Nachbarn noch den Imbiss „Marktzicht“, ansonsten aber wird es einsam auf „seiner“ Markt-Seite. Es muss etwas passieren am Markt, findet er. Er will sein Geschäft schließlich in einer „1a“-Lage“ betreiben.