Goch: Linsenmaier verlässt die Gaesdonck

Goch: Linsenmaier verlässt die Gaesdonck

Nach vierzig Jahren als Lehrkraft am Collegium Augustinianum Gaesdonck geht Jürgen Linsenmaier in den Ruhestand. Seit 2011 leitete er die Geschicke des bischöflichen Gymnasiums als Direktor. Bei der Verabschiedung gab es Tränen.

Das Paket Taschentücher konnte er gut gebrauchen. Die Kolleginnen und Kollegen hatten es ihm gegeben, wohlweislich, "für den Fall, dass ich mehr weinen muss, als sie", sagt Gaesdonck-Direktor Jürgen Linsenmaier. Er konnte sie gut gebrauchen - denn bei der offiziellen Verabschiedung des Direktors in der Aula des Collegium Augustinianum Gaesdonck ließ er seinen Emotionen freien Lauf. Vierzig Jahre im Dienste der Gaesdonck, vierzig Jahre vom Referendar bis zum Schulleiter - Linsenmaier hat seine gesamte Lehrerlaufbahn an der Gaesdonck erlebt. 40 Jahre Erinnerungen, die während der feierlichen Verabschiedung das ein oder andere Taschentuch forderten.

Als Referendar stellte sich Linsenmaier im Mai 1975 am Collegium Augustinianum Gaesdonck vor, 574 Internatsschüler hatte das bischöfliche Gymnasium damals. "Heute ist das eine unvorstellbare Zahl. Das kriegten sie gar nicht mehr genehmigt", so der gebürtige Kranenburger, der in Rindern aufwuchs und in Köln studierte. Physik unterrichtete er überwiegend, aber auch Erdkunde und Mathematik lehrte er an der Gaesdonck.

An zahlreichen Schulprojekten hat sich der Lehrer beteiligt, so an einem Wahlpflichtprogramm, das die Gaesdonck Anfang der 90er Jahre durchführte, "lange bevor im Land über eine zweite Fremdsprache ab der sechsten Klasse gesprochen wurde", so Linsenmaier. Die Gaesdonck-Schüler hatten in der sechsten Klasse die Möglichkeit, zwischen einer zweiten Fremdsprache und dem Bereich "Natur und Umwelt" zu wählen. Wer sich für letzteres entschied, der hatte gute Chancen, bei Jürgen Linsenmaier zu landen, der den Lehrplan zusammen mit seinen Kollegen aus der Biologie und Chemie gestaltete. "Praktisch orientiert" sollte der Unterricht sein, "die Schüler sollten naturwissenschaftlich handgreiflich werden, das geht nur in einer kleinen Gruppe", sagt der 65-Jährige. "Die personelle Situation ist damals an der Gaesdonck sehr gut gewesen, deswegen hatten wir die Möglichkeit, das anzubieten," erinnert sich Linsenmaier. "Heute sind Wahlmöglichkeiten üblich, aber damals gab es das noch nicht im großen Stil."

Auch den Siegeszug des Computers erlebte Linsenmaier, dessen Dienstzeit offiziell am 31. Juli endet. Er stand der neuen Technik von Anfang an aufgeschlossen gegenüber, schaffte früh einen Rechner der Marke Vobis für seine Arbeit an der Gaesdonck an. "Ich habe damals einen Megabyte Zusatzspeicher für den Computer gekauft. Ich stand in Duisburg Schlange und musste 258 DM dafür bezahlen. Da kann man sich ja vorstellen, wie teuer der PC war", erinnert sich der scheidende Schuldirektor.

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Trotzdem zeigte sich schnell der Nutzen dieser Investition: "Mit dem Computer konnte man zum Beispiel das Trägheitsmoment einer Kugel berechnen. Da hätten Sie handschriftlich - selbst mit einem Taschenrechner, der ja auch nicht gerade billig war - Wochen für gebraucht. Am PC ging das damals in zehn Minuten. Das waren ganz neue Welten", so der 65-Jährige, der den Computer auch früh nutzte, um Zeugnisse zu erstellen und gar um ein auf die Gaesdonck zugeschnittenes Schulverwaltungsprogramm zu programmieren.

Von 1994 bis 2000 war Linsenmaier Jahrgangsstufenleiter, ab 2000 stellvertretender Schulleiter, 2011 wurde er dann zum Direktor ernannt. In den vierzig Jahren am Internat erlebte er die Öffnung der Schule für Mädchen und für externe, also nicht im Internat lebende Schüler. Die sechsten Klassen unterrichtete er seit seiner Zeit als stellvertretender Leiter in Physik, "um sie alle kennenzulernen", wie er sagt. Gaesdonck ist für Linsenmaier eine Herzensangelegenheit - vierzig Jahre lang, bis heute. Das merkt man, wenn er vom Engagement der Schüler und Lehrer schwärmt, etwa bei der Vorbereitung eines Schul-Musicals oder bei der Planung seiner Abschiedsfeier. "Es ist das große Engagement über den Unterricht hinaus, das die Gaesdonck ausmacht und das durch die räumlichen Möglichkeiten der Schule beflügelt wird", sagt der scheidende Direktor, der in Rindern lebt. Auch wenn er nun in den Ruhestand geht - der Gaesdonck will er weiter erhalten bleiben: "Ich habe schon angedroht, dass ich bald die Ehemaligendatei pflegen und aktualisieren will", sagt er - ehrenamtlich, in seiner Freizeit. Und auch beim Umbau der naturwissenschaftlichen Lehrräume, in denen er so viele Jahre unterrichtet hat, will er helfen.

Das Kapitel Gaesdonck ist für Jürgen Linsenmaier nach vierzig Jahren noch lange nicht abgeschlossen, und die Schülerinnen und Schüler werden ihren beliebten ehemaligen Direktor, dem sie eine so herzliche und einmalige Verabschiedung in der Aula bereiteten, auch in Zukunft noch auf dem Schulgelände des Internats begrüßen können.

(RP)
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