Lesung für Familien in Gocher Stadtbücherei

Bildung : Kinderbuch-Klassiker gekonnt vorgelesen

Der Herr von Ribbeck ist eine berühmte Ballade von Theodor Fontane – in der Gocher Stadtbücherei gab es dazu eine Lesung für Familien. Die generationsübergreifende Premiere mit Hans-Christian Hartung war ein Erfolg.

Wer vor 30 oder mehr Jahren in die Schule ging, dürfte es gelesen haben. Musste vermutlich eine Klassenarbeit dazu schreiben – Gedichtinterpretation. Die Kinder und Erwachsenen, die der Einladung des Bücherei-Teams in die Gocher Bibliothek folgten, brauchten hingegen keine Leistungsüberprüfung zu befürchten, sie durften genießen. Im Angebot war – erstmals für Familien, nicht nur für den Nachwuchs - die Novelle „Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland“ von Theodor Fontane. Hans-Christian Hartung las es dem jungen und auch reiferen Auditorium im gemütlichen Nebenraum der Bücherei vor. Die hübschen Gemälde des Bilderbuchs warf er mittels Projektor auf eine Leinwand, so dass beinahe ein Kino-Erlebnis entstand.

Der Vorlese-Pate, der seit sieben Jahren Freude daran hat, dem Lese-Nachwuchs durch Vorlesen Bücher ans Herz zu legen, freute sich, ein wenig Bildung vermitteln zu können. Ein paar Daten zu dem berühmten Dichter und Romanautor gehörten dazu, (fast) wie in der Schule gab’s für die Älteren sogar ein kleines Handout. Wenn schon klassische Literatur, dann darf ja ruhig auch einiges Wissenswerte hängen bleiben. Zumal sich Fontanes Geburtstag in diesem Jahr zum 200. Mal jährt und dieses Ereignis Anlass für viele Veranstaltungen ist.

„Theodor Fontane wurde 1819 in Neuruppin geboren und starb 1898 in Berlin. Er stammt aus dem Havelland, das zu Brandenburg gehört – dort komme auch ich her“, erzählte der Vorleser seinen Gästen. Die Gedichte und Novellen Fontanes liebe er sehr, und „das allerschönste Gedicht“, das vom Herrn Ribbeck, ganz besonders.

Wir erinnern uns: Es ging um einen Birnbaum. Darum, dass er für die Menschen, die Kinder vor allem, lange Jahre zu ihrer Lebenswirklichkeit gehörte. Und darum, dass so ein schöner, segensreicher Baum, von dem freigiebig Früchte gespendet werden, nicht einfach durch Bosheit oder Unwissenheit zu zerstören ist, denn das Gute setzt sich am Ende meist durch. Der Herr von Ribbecke war zwar wohlhabend, aber ein mitfühelnder Mensch, einer, der gerne etwas für die Armen tat. Er ahnte, dass sein charakterlich weniger gelungener Sohn sein Werk nicht fortsetzen würde, und sorgte vor.

Die Kinder samt Müttern und Omas lauschten der Geschichte in Reimform, nahmen den selten gehörten Sprachrhythmus auf und lernten dabei noch einige plattdeutsche Worte. Denn die Ballade ist zum Teil in der Mundart des Havellandes geschrieben. „Schöne alte Worte“ erklärte Hartung seinen Zuhörern, ferner Begriffe, die zwar überall im deutschen Sprachraum gelten, heutigen Kindern aber fremd geworden sind: „Kirchhof“ zum Beispiel, „denn nur noch auf den Dörfern gibt es den Friedhof gleich bei der Kirche“, weiß Hartung.

Die Kinder hörten jedenfalls mucksmäuschenstill zu und werden vermutlich bald wiederkommen, um sich etwas vorlesen zu lassen. Denn der pensionierte Hochschullehrer Rainer Rudolf aus Münster, der heute in Siebengewald lebt, hat immer wieder Besprechungsexemplare von Büchern, die er gerne der Bücherei zur Verfügung stellt. Damit auf lange Sicht möglichst viele Menschen Freude am Buch und am Lesen entwickeln.

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