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Goch/Kleve: Lange Haftstrafe wegen Drogenhandels

Goch/Kleve : Lange Haftstrafe wegen Drogenhandels

Die 2. Große Strafkammer am Landgericht in Kleve hat einen 48 Jahre alten Niederländer zu einer sechseinhalbjährigen Freiheitsstrafe verurteilt. Der Mann hatte laut Urteil in einem Haus in Nierswalde eine Cannabis-Plantage angelegt.

Der 48-jährige Niederländer, der vor der 2. Großen Strafkammer des Klever Landgerichtes auf der Schwanenburg wegen des Handels mit Drogen angeklagt war, blieb seiner Linie bis zum Urteilsspruch treu: Von der Cannabis-Plantage, die sich laut den Ermittlungsergebnissen der Polizei mindestens zwischen September 2012 bis Juni 2013 in einem alleinstehenden und wegen umgebender Hecken schlecht einsehbaren Einfamilienhaus in Nierswalde befunden hatte, will der Angeklagte nichts gewusst haben - obwohl er Mieter des Hauses war. Die Drogen-Plantage müsse erst nach seinem Auszug angelegt worden sein, sagte er.

Das Gericht glaubte den Beteuerungen des Angeklagten jedoch nicht. Die Strafkammer verurteilte den Niederländer zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren und sechs Monaten. Die Verteidigerin hatte einen Freispruch verlangt. Mit ihrem Urteil verhängten Richter van Gemmeren und Richterin Höntzsch eine noch härtere Strafe als die Staatsanwaltschaft sie gefordert hatte. Die Anklagevertretung hatte in ihrem Plädoyer fünf Jahre Haft für den 48-Jährigen beantragt.

Die Strafkammer ging laut Richter Gerhard van Gemmeren in ihrem Urteil aus mehreren Gründen über dieses Strafmaß hinaus. Nach Meinung der Richter habe den nachgewiesenen Taten eine erhebliche kriminelle Energie zugrundegelegen. Zudem seien in dem Einfamilienhaus durch die Anlage der Drogen-Plantage erhebliche Schäden verursacht worden. Durch den Verkauf der Drogen sei zudem ein hoher "Gewinn" erzielt worden.

Aufgefallen war der Drogenanbau in dem Haus in Nierswalde erst, als sich die Besitzerin des Gebäudes im Sommer des vergangenen Jahres mit Hilfe eines Schlüsseldienstes Zutritt verschafft hatte. Der nun verurteilte Niederländer hatte sich zu diesem Zeitpunkt schon aus dem Staub gemacht, nachdem er zuvor bereits einige Mietbeträge schuldig geblieben war. Beim Betreten des Gebäudes bot sich der Vermieterin ein für sie erschreckendes Bild: Wände waren herausgebrochen, Lüftungsrohre offen verlegt, Fenster abgeklebt, zahlreiche Blumentöpfe lagen in der Wohnung, überall türmten sich Haufen von Pflanz-Erde. Die Eigentümerin des Hauses alarmierte die Polizei.

Die Kriminalbeamten erkannten in Nierswalde rasch, was sie vor sich hatten: die Überreste einer Cannabis-Plantage. In der Wohnung stellten die Ermittler zudem Rechnungen zu Lampenkäufen sicher - Cannabispflanzen brauchen viel Licht, damit sie gedeihen. Auch einige vertrocknete Pflanzenreste entdeckten die Kriminalpolizisten.

Weitere Ermittlungen ergaben, dass in der Eigentumswohnung mindestens 1000 Pflanzen "gepflegt" worden waren. Damit konnten - so erklärte ein Gutachter der Strafkammer - pro Ernte jeweils 25 Kilogramm geerntet werden. Drogenhändler hätten damit einen Verkaufserlös von etwa 85 000 Euro erzielen können.

Ermittler und Staatsanwalt kamen zudem zu dem Schluss, dass der nun verurteilte 48 Jahre alte Niederländer, der im Reinigungsgewerbe und als selbstständig arbeitender Masseur sein Geld verdient haben will, nicht alleine den Drogenanbau und -verkauf betrieben habe. Ein Hinweis darauf, dass der Angeklagte Komplizen hatte, ist beispielsweise die Tatsache, dass zur Unterzeichnung des Mietvertrages für das Einfamilienhaus in Nierswalde drei Männer erschienen waren. Bei einem von ihnen handelt es sich um einen weiteren Niederländer. Dieser wurde nach Angaben von Richter Gerhard van Gemmeren im Vorfeld des Prozesses auch vernommen. Zum Prozess jedoch erschien der Mann nicht in Kleve. "Der ist wohl in den Niederlanden. An den kommen wir nicht ran", meint Gerhard van Gemmeren.

Auch der nun verurteilte 48-Jährige wird vorerst keine Gelegenheit mehr haben, sich mit seinem mutmaßlichen Komplizen zu treffen. Der Haftbefehl gegen den Niederländer blieb weiter wirksam. Nach dem Urteil brachten Justizbeamte den Mann gleich in eine Zelle in der Justizvollzugsanstalt Kleve.

(RP)