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Landwirt Jochen Kanders aus Uedem hat Bienenwiesen angelegt.

Naturschutz : 420 verschiedene Tierarten auf einem Fleck

Landwirt Jochen Kanders aus Uedem hat großflächige „Bienenweiden“ angelegt. So will er helfen, den Artenreichtum in der Region zu vergrößern. Das Projekt trägt Früchte. Interessierte können Patenschaften übernehmen.

Auf einem Hügel oberhalb von Uedem liegt das Paradies. Zumindest für 290 verschiedene Insektenarten, die dort ihren Lebensraum haben. Der Landwirt Jochen Kanders hat für sie eine so genannte Bienenweide angelegt. Knapp 5000 Quadratmeter ist sie groß und eine von insgesamt fünf mit einer Gesamtfläche von rund 20 Hektar. Zusätzlich hat Kanders noch Blühflächen von fast 60 Hektar Umfang. Für sein Engagement für den Erhalt der heimischen Tierwelt ist der Uedemer inzwischen mehrfach ausgezeichnet worden. 132 Menschen, darunter die ehemalige Bundesumweltministerin Barbara Hendricks, unterstützen Kanders in seinem Tun. Sie haben einen Teil der Flächen für einen gewissen Zeitraum als Paten übernommen. Doch viele der Patenschaften enden bald. Kanders sucht nun nach neuen Naturbegeisterten, die eine Patenschaft für Bienenweide-Fläche für einen Zeitraum von zwei Jahren übernehmen möchten.

Als Landwirt beschäftigte sich Kanders lange Zeit fast ausschließlich mit der „Hege und Pflege der Milchkuh“, wie er sagt. Bis 2017 war er Milchviehhalter, danach gab er die Tierhaltung komplett auf. Seitdem handelt er mit Holz, produziert Strom mit einer Mais betriebenen Biogasanlage und einer Photovoltaikanlage und baut unter anderem Getreide an. 2019 kam ihm die Idee für seine Bienenweiden. „Die Idee hab‘ ich eigentlich aus Bayern geklaut. Ein dortiger Landwirt suchte auf Ebay Kleinanzeigen Paten für seine Blühwiesen. Von der Idee war ich sofort begeistert.“

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Kanders gab einige Flächen für den Ackerbau auf, hielt fortan nicht mehr die Fruchtfolge aus Weizen, Mais, Zuckerrüben und Kartoffeln ein, sondern säte Wildblumen aus. Mehr als 60 verschiedene Sorten etwa sind es, die auf dem Hügel in Uedem wachsen. Und warum das Ganze? „Weil wir etwas tun müssen, auch wir Landwirte. Es ist wichtig, dass wir eine artenreiche heimische Flora und Fauna erhalten beziehungsweise wiedererlangen.“

Seine Wildblumen-Aussaat kam schnell zur Blüte. Die vorherrschenden Farben wechselten von Jahr zu Jahr. „2021 hatten wir sehr viel Klatschmohn und Kornblumen. Da war hier alles rot und blau. In diesem Jahr gibt es sehr viele Margariten und Färber-Hundskamille, dieses mal sieht man hier also viele Blüten in Gelb und Weiß“, sagt Kanders.

Über die große Blütenpracht freuen sich, wie es ja geplant war, unzählige Insekten, die die Bienenweiden und Blühwiesen regelmäßig anfliegen. Um die Artenvielfalt auf Kanders‘ Flächen systematisch zu erfassen, ist von Beginn an der Insektenkundler Hermann-Josef Windeln vom Naturschutzbund Nabu zu Gast. „Er ist ein wahrer Fachmann, kann 500 Bienenarten erkennen“, sagt Kanders. Seit drei Jahren kartiert Windeln die Flächen, die in Uedem und Orten in der Umgebung wie Kevelaer und Winnekendonk liegen.

Er hat bereits 290 unterschiedliche Insekten gefunden, davon 35 Bienenarten und davon wiederum sieben, die auf der Roten Liste der bedrohten Tierarten stehen“, sagt Kanders. „Als wir mit unserem Projekt begonnen haben, waren es gerade mal 90 Insektenarten“, berichtet der Uedemer. Besonders artenreich ist eine Fläche am Bleicksweg in Kevelaer. Ende Mai wurden dort 420 verschiedene Lebewesen-Arten vorgefunden. Darunter sind 40 Wespen- und Käferarten und Bienenarten (davon 21 Boden-, sieben Hohlraumbrüter und sieben Kuckucksbienen). Auch gefährdete Tiere wie der Feldhase, die Feldlerche, das Rebuhn und der Rotmilan wurden dort angetroffen.

Doch damit Kanders sein Engagement für den Artenschutz weiter finanzieren kann, ist es für ihn wichtig, dass er neue Paten findet. „Wir hatten mal 190 Paten, aktuell sind es 135, und von vielen von ihnen läuft bald die Patenschaft aus“, sagt Kanders. 50 Euro pro Jahr kostet eine Patenschaft für 100 Quadratmeter Bienenweide, der Vertrag geht über zwei Jahre.

Wer sich für eine Patenschaft interessiert oder mehr über das Projekt von Jochen Kanders erfahren möchten, sollte seine Homepage unter www.welleshof.de besuchen.