Landwirt Bernd Helmig schützt sein Hühnermobil

Landwirtschaft : Frische Eier aus dem Hühner-Mobil

Ein junger Uedemer Landwirt setzt auf die Produktion von Eiern. Seine Hühner hält er nicht im Käfig, sondern in einem Hühner-Mobil. Den Großteil des Tages sind die Tiere draußen.

Wer heute und vor allem künftig noch von der Landwirtschaft leben will, muss sich etwas einfallen lassen. Komplett auf „Bio“ umzusatteln und darauf zu vertrauen, dass die Verbraucher die Investition in die Umstellung honorieren, ist dem Uedemer Bernd Heimig zu ungewiss. Er wählt einen Mittelweg, produziert tierfreundlich und umweltschonend, ohne auf ein offizielles Bio-Gütesiegel abzuzielen. Heimig besitzt seit einigen Monaten ein Hühner-Mobil, einen fahrbaren Hühnerstall, der es den Tieren ermöglicht, tagsüber auf der Wiese zu picken und zu scharren und in der Nacht gemütlich im Stall auszuruhen. Ihre Eier legen die Tiere in gemütliche Nester, die mit Dinkelspelzen ausgelegt sind.

Rund 60.000 Euro hat das Hühner-Mobil gekostet, da muss der junge Landwirt, der seine Eltern noch in ihrem Schweinemastbetrieb unterstützt, eine Menge Eier verkaufen, bis die Ausgabe ausgeglichen ist.

Aber der 27-Jährige ist zuversichtlich, dass ihm das gelingt, denn die Kunden kaufen ihm die Eier der Größen M, L und XL gerne ab. Helmig hat einen Eier-Automaten in einer kleinen Selbstbedien-Hütte installiert, wo er auch (von Bekannten) handgemachte Nudeln und Kartoffeln anbietet. Es hängt auch ein schwarzes Brett an der Wand mit einigen Infos und mit Zetteln, auf denen die Kunden Anmerkungen machen oder Fragen stellen können. „Kommunikation ist wichtig. Die Leute wollen sich - genau wie ich - ernst genommen fühlen. Ich finde es gut, dass sich immer mehr Verbraucher dafür interessieren, woher ihre Lebensmittel kommen.“

In seinem Fall kommen die Eier von der Wiese gegenüber seinem Hof. Nahe der Hohen Mühle, am Uedemerfelder Weg, liegt der Bauernhof, auf dem Heimig groß geworden ist und wo es auch ein paar Hühner gibt. „Die leben gemeinsam mit ein paar Ziegen, Gänsen und Alpakas in Papas Streichelzoo.“

Eier in für den Verkauf interessanter Größenordnung sind da nicht zu erwarten - in seinem Hühnermobil jedoch sammelt der Uedemer jeden Morgen mehr als 300 Stück ein. „In den Stall passen 350 Tiere, und wenn man ihnen regelmäßig Licht zukommen lässt, dann legen sie jeden Tag ein Ei - auch im Winter.“ Dazu hat das Hühner-Mobil einige Schubladen-ähnliche Wannen, die als Nester fungieren. Gefüllt sind sie mit natürlichem, weichen Einstreu, den die Tiere offenkundig schätzen. Heimig fischt jeden Morgen hunderte Eier heraus und sortiert sie in stapelbare Behälter. Zum nahe gelegenen Hof transportiert er sie mit seinem Quad. Der Gepäckträger ist eigens gefedert, damit die Eier die Fahrt wohlbehalten überstehen.Täglich um zehn Uhr öffnen sich die Tore des Hühner-Mobils, durch die die Tiere auf die Wiese gelangen. Dort dürfen sie, bis es dunkel wird, Gras picken und kratzen. Und gelegentlich Nandus verscheuchen, wenn die ihnen zu nahe kommen. Die Nandus, bislang längst nicht ausgewachsene Laufvögel, hat Bernd Heimig nämlich angeschafft, um die Habichte von seinen Hühnern fern zu halten. „Als wir sie noch nicht hatten, hat uns der Raubvogel mehrere Hühner geholt. Eines hat er sogar im Stall gerissen - das wollte ich nicht mehr mit ansehen.“ Gegen den Fuchs, der ebenfalls gerne Ausschau nach geflügelten Opfern hält, hilft ein Zaun, aber der Habicht hat im Prinzip freie Bahn. Die vergleichsweise großen Nandus jedoch sind ihm nicht geheuer. So lange die in der Nähe der Hühner stehen oder laufen, traut sich der Raubvogel nicht näher heran.