Landwirtschaft Erntedank in Zeiten der Klimadebatte

Uedem · Vielschichtiger als in anderen Jahren fielen diesmal die Wortbeiträge zum Erntedankfrühstück der Kreisbauernschaft aus. Josef Peters warnte vor Klimahysterie, Bürgermeister Rainer Weber mahnte, auch die besorgten Bürger zu hören.

 Wilhelm Hellmanns, Vorsitzender der Kreisbauernschaft Geldern, begrüßte die Gäste in der Dorfschule Keppeln.

Wilhelm Hellmanns, Vorsitzender der Kreisbauernschaft Geldern, begrüßte die Gäste in der Dorfschule Keppeln.

Foto: Markus van Offern (mvo)

  Das Buffet des neuen Pächter-Paares Kalscheur gab’s erst im Anschluss an die Vorträge, deshalb konnten sich die Redner beim Erntedankfrühstück der Kreisbauernschaften der Aufmerksamkeit der Gäste sicher sein. Zumal es die Wortbeiträge diesmal mehr als in anderen Jahren in sich hatten: Die Klimadebatte und die öffentliche Aufmerksamkeit auf Greta Thunberg und ihre Unterstützer sorgte für eine vielseitige Betrachtung des komplexen Themas. Während etwa Josef Peters als Vorsitzender der Kreisbauernschaft Kleve monierte, die Landwirte würden von der Öffentlichkeit an den Pranger gestellt und für alle Umweltprobleme verantwortlich gemacht, forderte Uedems Bürgermeister Rainer Weber, die Sorgen der Mitmenschen ernst zu nehmen. Die Keppelner Bürgerbegegnungsstätte „Alte Schule“ war zum Erntedankfrühstück gut besetzt.

Die Begrüßung der Berufskollegen und zahlreicher Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Verwaltung übernahm der Vorsitzende der Kreisbauernschaft Geldern, Wilhelm Hellmanns. Erntedank sei immer wieder ein Anlass, sich „Gedanken über unser tägliches Brot und die Erzeugung von Lebensmitteln“ zu machen. Der gute Besuch der Veranstaltung zeige, dass den Mitmenschen die Landwirtschaft im Kreis Kleve nicht gleichgültig sei. 

Wenn diese Mitbürger auch nicht in allen Fragen einer Meinung mit den Bauern sind, wie Bürgermeister Rainer Weber, selbst auf einem Hof aufgewachsen, ansprach. „Bei allem Dank an die Natur sollten wir nichts schön reden“, empfahl er. Die Sorgen und Nöte der Landwirte kämen bei den Menschen einfach nicht an, weil sie sie schlicht nicht mit bekämen. Deshalb werde sicher auch manche „Umweltleistung“ hiesiger Bauern nicht erkannt. Kein Wunder, dass da mancher Landwirt resigniere. Richtig sei aber, die Probleme jetzt gemeinsam anzugehen.“

Hubertina Croonenbroek, stellvertretende Landrätin, dankte allen Kräften, die in der Land- und Ernährungswirtschaft dafür sorgten, dass es bei uns jederzeit genügend qualitativ hochwertige Nahrungsmittel gebe. Und man möge doch bitte auch immer im Kopf haben, dass der Niederrhein vor allem deshalb eine beliebte Urlaubs-, Ausflugs- und Zuzugsregion sei, weil „unsere Landwirtschaft“ für die schöne Kulturlandschaft sorge. Einen Extra-Beifall erbat und bekam Hubertina Croonenbroek für all die Aktiven, die für schöne Erfolge beim Dorfwettbewerb gesorgt hätten.

Die Rede von Josef Peters, dem Vorsitzenden der Kreisbauernschaft im Norden, war wie gewohnt etwas zünftiger als die Beiträge anderer Kollegen. Denn Peters ist Lobbyist, vertritt die Interessen seines Berufsstands mit Vehemenz. Ideologen unter den Naturschützern haben bei ihm keine Chance, und mehrfach betonte der Klever, man sei auf den Rat von NGOs (Nichtregierungsorganisationen) wahrlich nicht angewiesen. Denn die Landwirte in der Region seien sich ihrer Verantwortung absolut bewusst, der Nachwuchs werde gut ausgebildet und bringe viele Ideen ein, die auch der Umwelt zugute kämen. „Jeden Morgen aus dem Fenster gucken und lauschen, woher der Wind weht, hilft uns nicht weiter“, sagte Peters mit Blick auf die Politik, die sich seiner Ansicht nach viel zu sehr vor den Karren selbsternannter Weltverbesserer spannen lasse.

Die steigende Auflagenflut, überzogene Bürokratie, Dumpingpreise fürs Essen und eine unfaire Handelspolitik belasteten den Berufsstand immens. Obwohl sich die Landwirte an die Nitrat-Richtlinie hielten, Gewässer schützten und vernünftige Maßnahmen zum Natur- und Umweltschutz unterstützten, stünden sie ständig unter Beschuss. Und müssten mit immer weniger Fläche zurechtkommen. An die Uedemer gewandt beklagte er in diesem Zusammenhang die Planung zur B9neu, die Kalkar an die Autobahn 57 anbinden soll und zwölf Kilometer wertvolle Landschaft verschlingen werde.

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