Goch: Krebskranker: kein Geld fürs richtige Essen

Goch: Krebskranker: kein Geld fürs richtige Essen

Sauer ist sie, stocksauer. Dr. Marianne Horn-Bosbach, Hausärztin in Goch, wollte für einen schwer krebskranken Patienten etwas erreichen – und scheiterte.

Sauer ist sie, stocksauer. Dr. Marianne Horn-Bosbach, Hausärztin in Goch, wollte für einen schwer krebskranken Patienten etwas erreichen — und scheiterte.

Die Medizinerin am Dienstag zur Redaktion: "Mein Patient hat auch von einem Kollegen aus dem Krankenhaus bescheinigt bekommen, dass er an einer akuten Tumorerkrankung leidet. Daher braucht er nun die richtige Ernährung: viel Proteine, viel Vitamine, also viel frisches Obst und Gemüse, viel Fleisch. Aber das kann er sich als Hartz-IV-Empfänger nicht leisten."

Also habe er einen Antrag auf "Ernährungskostenmehrbedarf" gestellt. Der sei nun abgelehnt worden, "nach fünf Wochen Bearbeitungszeit", so Dr. Horn-Bosbach. Beim Versuch zu vermitteln, sei sie gescheitert. "Man berief sich nur auf den Amtsarzt, und der Patient habe noch nicht genug abgenommen." Nicht genug? 30 Pfund habe er in der letzten Zeit verloren, so Marianne Horn-Bosbach am Dienstag. "Aber als Gegenargument wurde tatsächlich angeführt, man müsse ja auch den Body-Mass-Index zugrundelegen, und der sei bei meinem Patienten hoch.

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Zu hoch." Nun gehe es aber gar nicht um Über- oder Untergewicht, sondern um die richtige Ernährung für einen schwer kranken Menschen. Die Entscheidung über die Ablehnung kam letztlich vom Kreisgesundheitsamt.

Für den Beschluss habe die Stadt den Amtsarzt zu Rate gezogen, so Dr. Horn-Bosbach — übrigens das übliche Verfahren, weil sie selber ja keinen Arzt beschäftigt. "Und er hat dann entschieden, besagter BMI sei entscheidend, darum stehe meinem Patienten keine erhöhte Leistung zu." Jetzt müsse der Mann den Klageweg beschreiten. "Und das dauert Monate."

(RP/jul)