Kranenburger Jan Baumann setzt sich in Goch gegen Gabi Theissen durch

CDU-Parteitag Goch : CDU will Baumann als Bürgermeister

Im Kastell hatten 193 CDU-Mitglieder die Möglichkeit, ihren Wunsch-Kandidaten für die Bürgermeisterwahl in Goch zu bestimmen. Gabi Theißen unterlag dem 44-jährigen Kranenburger Jan Baumann deutlich.

So voll ist es im Gocher Kastell sonst vor allem bei Karnevalssitzungen: Alle Plätze im Saal waren besetzt, als der CDU-Stadtverbandsvorsitzende Stefan Rouenhoff die Parteifreunde zu Parteitag und Mitgliederversammlung begrüßte. Bei beiden formal getrennten Veranstaltungen ging es um ein einziges Thema: die Aufstellung des CDU-Bewerbers für das Bürgermeisteramt in Goch. Das ist am 13. September 2020 neu zu besetzen, und die Gocher CDU ist entschlossen, sich das Amt zurückzuholen. Nach dem Willen der Mehrheit soll Jan Baumann den aktuellen Rathauschef Ulrich Knickrehm ablösen.

Mit 106 zu 79 (gültigen) Stimmen hatte der 44-jährige Baumann die Kampfabstimmung gegen Gabi Theissen (65) gewonnen, nachdem sich beide zehn Minuten lang vorstellen durften. Die Gocherin mit langjähriger Erfahrung als ehrenamtliche Vize-Bürgermeisterin tat das anscheinend unbeeindruckt vom großen Auditorium. Viele hatten ihre Rede so oder sehr ähnlich schon während der fünfwöchigen „Roadshow“ durch die Ortsteile gehört, die der Stadtverband für die Kandidaten organisiert hatte. Theißen zählte die Betätigungsfelder auf, die sie zu beackern haben würde und betonte, die Wahrheit, dass eben nicht alles schnell und perfekt zu verbessern wäre, sei „den Menschen zuzumuten“. Sie verwies auf ihre Erfahrung in der Lokalpolitik und als Teamleiterin im Gocher Krankenhaus. Sie wolle einen „wertschätzenden und kooperativen Führungsstil“ im Rathaus einführen.

Es wird nicht dazu kommen – jedenfalls nicht durch Gabi Theissen. Obwohl er am Abend des Parteitags sichtlich nicht in Bestform war, reichte die Performance des Kranenburgers Jan Baumann, um 106 Gocher von sich zu überzeugen. Er betonte, auf seiner Vorstellungsrunde „viele interessante und offene  Menschen kennengelernt“ zu haben und präsentierte sich als Mann der Wirtschaft und des Rechts. 15 Jahre Fachanwalt für Insolvenz- und Handelsrecht, Erfahrung als Arbeitgeber und in den Vorständen der Kranenburger und Kreis-CDU, dazu seine relative Jugend. Mit 44 Jahren, so Baumann, könne er als Bürgermeister zehn oder auch 15 Jahre lang seine Ideen für Goch entwickeln und umsetzen.

Genau dieser Punkt dürfte viele Parteifreunde überzeugt haben, denn damit hebt sich Baumann sowohl von seiner innerparteilichen Gegenkandidatin, als auch vom Amtsinhaber ab. Wobei beim Blick in die Reihen klar wurde, dass nicht nur junge Leute den Kranenburger gewählt haben können. Hinter vorgehaltener Hand war in Goch darüber gesprochen worden, dass es wohl „alte Parteistrategen“ waren, die Gabi Theissen ins Rennen schickten, um zu zeigen, dass sie mit der (auch personellen) Neuausrichtung der Partei nicht einverstanden sind. Der Stadtverbandsvorsitzende Rouenhoff allerdings gibt sich zuversichtlich, dass sich, wie ihm führende Köpfe versichert hätten, nun alle CDU-Vertreter hinter dem gewählten Kandidaten versammeln werden. Er dankte beiden Kandidaten für ihren fairen Umgang miteinander. „Jan Baumann muss sich nun bekannt machen, seine Ideen für die Stadt darlegen und mit uns am Wahlprogramm arbeiten“, sagt der Gocher CDU-Chef und Bundestagsabgeordnete für den Kreis Kleve.

Baumann bat alle Parteifreunde, auch diejenigen, die ihn nicht gewählt haben, um eine offene und zielführende Zusammenarbeit. Zumal er, wie er schon früh angekündigt hatte, ja bald selbst Gocher werden möchte.

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