Goch: Korea trifft Karneval

Goch : Korea trifft Karneval

Der Verband der Koreaner in Kleve feiert am Samstag das koreanische Neujahrsfest. Für die Mitglieder ein wichtiger Anlass zur Pflege heimatlicher Bräuche und Traditionen. Die RP besuchte die Vorsitzende Hakja Schemuth in Pfalzdorf.

goch-Pfalzdorf Wer das Haus von Familie Schemuth in Pfalzdorf sieht, dem stechen sofort die unzähligen Holzmasken ins Auge, die an der Außenfassade angebracht sind. Am Fahnenmast hängt über den Deutschlandfarben die Flagge der Republik Korea – wohl die einzige weit und breit. Auch die Inneneinrichtung ist für den Niederrhein eher ungewöhnlich: Neben CD-Ständern und Bücherregalen finden sich Holztrommeln und Papiergeflechte.

Hakja Schemuth verließ vor fast 40 Jahren ihre Heimatstadt Seoul, um hierzulande als Krankenschwester zu arbeiten. Als ihr Mann, ein Medizinstudent, den sie in Deutschland kennenlernte, eine eigene Praxis in Weeze eröffnete, zogen die beiden nach Pfalzdorf. Bei einem gemeinsamen Abend mit Freunden im eigenen Wohnzimmer kam vor 22 Jahren die Idee, einen koreanischen Verband für den Klever Raum zu gründen. Rund 25 südkoreanische Familien aus Emmerich, Rees, Kleve, Goch und dem gesamten Kreis sind mittlerweile Mitglied.

Gelungene Integration

Der Verband ist ein Paradebeispiel für gelungene Integration. Die Mitglieder leben teilweise schon viele Jahrzehnte in Deutschland, beherrschen die deutsche Sprache und kennen die Kultur. Gleichzeitig kümmern sie sich um ihre eigene. "Wir sind Multi-Kulti – wir passen uns an und leben hier ohne Probleme. Gleichzeitig behalten und pflegen wir aber auch unsere eigenen Traditionen", sagt Hakja Schemuth.

Zu den wichtigsten Feiertagen gehört das Neujahrsfest, das in Südkorea an drei aufeinander folgenden Tagen gefeiert wird und sich nicht nach dem westlichen, sondern nach dem Mondkalender richtet. Der koreanische Neujahrstag, "Seollal" genannt, ist dieses Jahr am 3. Februar gewesen und läutete des Jahr des Hasen ein. Auch die Mitglieder feiern den Jahreswechsel traditionell mit einem großen Fest, aus organisatorischen Gründen aber erst am kommenden Samstag, 19. Januar, im St.-Antonius-Pfarrheim in Hau. Für die Mitglieder ist der nachträgliche Feiertag auch deshalb wichtig, weil er ein Stück koreanische Heimat im weit entfernten Deutschland bietet. Vom Essen, das die Mitglieder vorher selbst zubereiten, über die Trommelmusik bis hin zum Karaoke und zu Gesellschaftsspielen – alles ist koreanisch, erinnert an die eigenen Wurzeln.

Die Verbandsmitglieder pflegen und erhalten ihre koreanische Kultur und Tradition – doch Deutschland ist für sie ebenfalls zur Heimat geworden. Und so wird am Samstag auch ein Stück deutsche Tradition Einzug in das Fest halten: Gochs Prinzenpaar, Marcus I. und Anna I., will dem Verband mitsamt Garde, Orchester und Anhang einen Besuch abstatten. Koreanischer Feiertag trifft niederrheinischen Karneval – dass sich fremdländische und hiesige Traditionen nicht gegenseitig ausschließen müssen, dafür ist der Verband der Koreaner ein starkes Vorbild.

(RP)