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Kirchengemeinde verkauft die Gocher Westkirche

Kirchenverkauf : Evangelische Kirchengemeinde gibt die Gocher Westkirche auf

In der jüngsten Gemeindeversammlung hat Pfarrer Armin Rosen das neue Gebäudekonzept vorgestellt. Demnach wird die Ostkirche Pfalzdorfs Hauptkirche, die Westkirche an einen privaten Investor verkauft. Das Pfälzerheim wird abgerissen.

Als Pfarrer Armin Rosen Anfang 2011 die evangelische Kirchengemeinde Pfalzdorf-Nierswalde übernahm, sprach er von einer „verheißungsvollen Aufgabe“. Am Wochenende hatte der Vorsitzende des Presbyteriums mit der Bekanntgabe des neuen Gebäudekonzeptes jedoch eine eher unangenehme Aufgabe zu erledigen. Denn den Gemeindegliedern und allen anderen Ortsbewohnern stehen einige Änderungen bevor: Die Ostkirche wird Hauptkirche in Pfalzdorf, die Westkirche verkauft, das Pfälzerheim abgerissen, ein neues Gemeindehaus gebaut und die evangelische öffentliche Bücherei mit der katholischen Bücherei St. Martinus in der Hauptschule Pfalzdorf zusammengeführt. Und der Turm der Nierswalder Kirche wird für die Errichtung eines Funkmastes der Telekom vermietet.

Vor drei Jahren hatte das Presbyterium Projekt- und Arbeitsgruppen eingerichtet, die sich mit der Finanzlage und möglichen Lösungen beschäftigen sollten. Hintergrund war, dass die Evangelische Gemeinde Pfalzdorf-Nierswalde mit unter anderem drei Kirchen einen im Kirchenkreis einzigartig großen Gebäudebestand besaß und für die Unterhaltung zuletzt Rücklagen in Höhe von jährlich 30.000 Euro in Anspruch nehmen musste. Schon Pfarrer Rosens Vorgänger Marc Ditthardt hatte Kirchengebäude veräußern müssen, um Kosten einzusparen. Nun geht das Presbyterium diesen Weg also konsequent weiter.

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„Man kann über die Entscheidungen natürlich traurig sein, das verstehe ich sehr gut“, sagte Stefan Schmelting, beim Kirchenkreis zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit und einer der Teilnehmer der Gemeindeversammlung am vergangenen Sonntag. „Aber die Reaktionen waren dennoch überwiegend positiv“, so Schmelting weiter. Gerade den jüngeren Gemeindegliedern sei „die Zukunftsfähigkeit der Kirche wichtig“. Auch wenn bei so manchem, beispielsweise Brautpaaren, die in der Westkirche getraut worden seien, „schon Emotionen an dem Gebäude hängen“, so Schmelting. Dennoch habe man sich dazu entschieden, das Gebäude an private Interessenten zu verkaufen, „welche für die eigene Familie in dieser Kirche ein privates Wohnprojekt realisieren möchten“. Bevor hier der Kaufvertrag unterschrieben wird, beginnen aber wohl die Arbeiten an der neuen Hauptkirche. Schmelting: „Die Westkirche ist die größere, die Ostkirche die schönere Kirche“. Und damit das so bleibt, wird in absehbarer Zeit deren Außenfassade erneuert, die Leichenhalle abgerissen, eine Toilette eingerichtet und eine Kochgelegenheit sowie eine Heizung eingeplant. Dafür, dass der Innenraum bereits neuwertig sei, dankte Pfarrer Rosen noch am Sonntag dem Förderverein.

Für alle Maßnahmen gelte, so Schmelting weiter, dass „noch keine Bagger rollen“. Derzeit befinde man sich mit allem im Planungsstadium. Wie auch in Sachen Pfälzerheim-Abriss. Dort soll die gesamte Fläche, die auch den kleinen Park und den Spielplatz beinhaltet, komplett überplant werden, um Platz für ein „in der Fläche reduziertes und energetisch optimiertes neues evengelisches Gemeindehaus“ zu schaffen. Den künftigen Treffpunkt der Gemeinde in Pfalzdorf. Wo das evangelische Gemeindebüro untergebracht wird, ist noch nicht geklärt, ebenso unsicher ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt, ob die evangelische öffentliche Bücherei und die Bücherei der katholischen Kirchengemeinde St. Martinus in der ehemaligen Hauptschule Pfalzdorf – so der Wunsch des Presbyteriums – zusammengelegt werden. Hierzu hieß es von Schmelting, dass „die Verhandlungen laufen“.

Ein weiteres Thema der Gemeindeversammlung am Sonntag war der Friedhof, für den eine neue Gebührensatzung erarbeitet wird. Auch hier sollen, wie schon für die städtischen Einrichtungen zuletzt beschlossen, zusätzliche Grab- und Bestattungsformen zugelassen werden.