Goch: Kiesindustrie kann Goch helfen

Goch : Kiesindustrie kann Goch helfen

Dietrich Kade, Sachkundiger Bürger der CDU im Sportausschuss, fordert von der Politik eine Aufgabe des Boykotts der Auskiesung. Die Klage der Stadt hält er für falsch angesichts der akuten Finanznot.

Dietrich Kade hat es satt. Wenn er den Umgang von Politik und Kiesindustrie beobachtet, bekommt er schlechte Laune. Denn: "Ich habe am 22. Mai einigen Fraktionsvorsitzenden meinen Plan vorgestellt — und seither ist nichts passiert", erläutert der Pfalzdorfer. Er ist Sachkundiger Bürger der CDU im Sportausschuss der Stadt Goch und Vorsitzender des VfB Alemannia Pfalzdorf.

Das Rechteck zeigt das umstrittene Gelände, gleich oberhalb liegt das Gut Graefenthal. Foto: PRIVAT

Unter dem Dach seines Vereins hat er an die Gocher Politik die Frage gerichtet, warum die Auskiesungsgewässer eigentlich mit Zäunen umgeben sind. "Wir brauchen keine Zäune, sondern für die Zukunft innovative Lösungen", lautet seine Antwort darauf. Und: "Das geht nur im Verbund mit der Industrie und den Politikern."

So stellte er seinen Plan eines Rad-, Wander- und Reitweges von Twisteden über Weeze nach Goch vor, der die Seenplatten beleben soll. Diese Aufwertung der Freizeitmöglichkeiten rund um die Auskiesungsgewässer würde die Stadt keinen Cent kosten — weil das in Asperden ansässige Kiesunternehmen, die gmg Goch Kies GmbH, das Projekt übernehmen würde: Vorausgesetzt die Firma dürfte nahe Gut Graefenthal / Reithalle Asperden weiter auskiesen.

Doch wie die RP berichtete, steht diesem Vorhaben der Gocher Rat kritisch gegenüber. Obwohl aus Arnsberg das Okay eingetroffen ist, wehren die Gocher sich nun mit einer Klage (auf Antrag der Grünen-Fraktion) gegen die Entscheidung zur Abgrabung. "Das ist völlig unverständlich", meint Dietrich Kade. In seinen Funktionen als CDUler und Vereins-Mann bekommt er eine ganze Menge mit — unter anderem, dass viele Vereine und Sportstätten (insbesondere auch die Pfalzdorfer Anlage) materielle Unterstützung für Instandhaltung und Co. benötigen.

"Die Stadt hat kein Geld mehr uns und anderen Vereinen zu helfen — in Zusammenarbeit mit der Industrie kämen wir weiter", erläutert er. Bloß müsse man dieser dann auch Zugeständnisse machen und sie nicht auf diese Weise aus Goch vergraulen — "ganz zu schweigen von den Gewerbesteuereinnahmen und Arbeitsplätzen auf die man verzichten würde, wenn ein solches Unternehmen abwandert", betont Kade.

Und so setzt er sich dafür ein, dass einerseits die Seenplatte Goch-Kessel für heimische Radfahrer wie auch den Fremdenverkehr freigegeben und hergerichtet wird, und andererseits dafür, dass die gmg Goch erhalten bleibt und ein Miteinander von Industrie und Politik möglich wird.

Den Aspekt des Umweltschutzes gegen weitere Auskiesung kann er nur bedingt nachvollziehen: "Dann müsste man sich auch gegen Siedlungsbau aussprechen, dadurch greift der Mensch ebenfalls in die Natur ein", sagt er. Kade fordert die Politik zum längst ausstehenden Gespräch mit der gmg auf und die bisherige Boykott-Haltung abzulegen. "Jeder beharrt auf seinen Verträgen — aber wie soll ohne Veränderung die Zukunft von Goch aussehen?"

(kare)