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Goch: Kevelaerer Firmen suchen Lehrlinge

Goch : Kevelaerer Firmen suchen Lehrlinge

Rund eine Woche nach Beginn des Ausbildungsjahres sind viele Unternehmen in der Wallfahrtstadt noch ohne Auszubildende. Kritik an der mangelnden Qualifikation der Bewerber. Noch Chancen für junge Menschen.

Seit 14 Jahren gibt es die Aktion "Kevelaer kämpft um Ausbildungsplätze". Einst ging es darum, möglichst allen Jugendlichen zu einer Lehrstelle zu verhelfen. Mittlerweile haben sich die Verhältnisse umgedreht. Viele Unternehmen warten vergeblich auf Nachwuchskräfte. Die Agentur für Arbeit meldete vor einigen Tagen noch 373 unbesetzte Lehrstellen im Kreis Kleve. Und die Kevelaerer Initiative listet nicht weniger als 44 Chancen für Lehrstellensuchende auf, vom Hauptschulabsolventen bis zum Abiturienten.

 Zwei Arbeitgeber in Kevelaer, die noch Auszubildende suchen: Robert Scholten im Café Nederkorn und Jana Roest mit leckeren Torten an der Theke (links). Auch Jürgen (re.) und Uwe Baumann vom gleichnamigen Gartenbaubetrieb hoffen auf Nachwuchs, der im Treibhaus mithilft.
Zwei Arbeitgeber in Kevelaer, die noch Auszubildende suchen: Robert Scholten im Café Nederkorn und Jana Roest mit leckeren Torten an der Theke (links). Auch Jürgen (re.) und Uwe Baumann vom gleichnamigen Gartenbaubetrieb hoffen auf Nachwuchs, der im Treibhaus mithilft. Foto: Markus van Offern

Dabei mangelt es nicht an Interessenten. "Wir haben jedes Jahr viele Bewerbungen", berichtet Wilma Baumann, die Senior-Chefin im Kevelaerer Gartenbaubetrieb Walter Baumann & Söhne. Aus der Umgebung bis hin nach Duisburg treffen die Unterlagen ein - und offenbaren immer wieder eine schlechte Schulausbildung. "Ein vernünftiger Hauptschulabschluss ist die Mindestvoraussetzung", sagt Uwe Baumann, der mit seinem Bruder Jürgen im vergangenen Jahr den elterlichen Betrieb übernommen hat. In den vergangenen drei Jahren fanden die Baumanns keinen passenden Bewerber.

"Der Beruf Gärtner wird weitgehend unterschätzt", weiß Uwe Baumann. Der "grüne Daumen" alleine reicht nicht mehr, längst hat zum Beispiel Computertechnik Einzug gehalten. Die für den Niederrhein prägende Gartenbaubranche bietet nach Überzeugung des Kevelaerers gute Chancen mit gutem Verdienst und normalen Arbeitszeiten, gerade für Fach- und Führungskräfte. "Nur mit Hilfskräften ist das nicht zu schaffen." Baumann sucht weiter einen Azubi, auch noch für das gerade begonnene Ausbildungsjahr.

Im Café Nederkorn an Kevelaers Hauptstraße sind Lehrstellen als Konditoreifachverkäuferin und als Fachkraft Gastronomiegewerbe frei. "Es wird immer schwieriger, Leute zu finden, die das machen wollen", führt Geschäftsführer Robert Scholten die Klage auch vieler anderer Gastronomen an. Arbeit an Wochenenden sei eben nicht sehr begehrt.

Auch im Café gehen laut Scholten "jede Menge Bewerbungen" ein, doch wenn "die beste Note eine Vier" sei, wird der Ausbildungsbetrieb schon mal skeptisch. Der Geschäftsführer berichtet von Schulabgängern, die noch nicht einmal die Grundrechenarten beherrschten.

"Die Lücken in der Rechtschreibung und bei den Grundrechenarten werden in allen Schulformen immer größer", übt auch Marcus Plümpe Kritik an der Qualifikation der Berufseinsteiger. Der Kevelaerer Augenoptikermeister konnte zum zweiten Mal eine Ausbildungsstelle nicht besetzen. "Es wird jedes Jahr schwieriger", berichtet der 47-Jährige. Die wegen der geburtenschwachen Jahrgänge seit 2010 sinkenden Bewerberzahlen tun ein Übriges. "Die Fähigen können sich die Stellen aussuchen."

Dabei sei Optiker ein attraktiver Beruf. "Wir sind Handwerker in der Werkstatt, haben Kundenkontakt, setzten moderne Technik ein", wirbt der Meister um Nachwuchs.

(RP)