Kessel: Das „Haus am See“ wird zum Kunstraum

Haus am See : „Haus am See“ wird zum Kunstraum

Zwei Tage lang zeigten Ingrid Karsten (Malerei) und Paul Goossens (Ästhetische Formen) ihre Werke im neuen Veranstaltungsort in Kessel. Die Ausstellung fand große Beachtung durch mehrere hundert Besucher.

Das erst kürzlich renovierte ehemalige Ausflugslokal „ter Kelling“ – heute: „Haus am See“ – in Kessel wurde am vergangenen Wochenende zum Kunstraum. Rund 80 Werke der Gocher Malerin Ingrid Karsten und zwölf Holzskulpturen des ebenfalls in Goch beheimateten Künstlers Paul Goossens waren dort auf 900 Quadratmetern zu sehen.

Schon bei der Eröffnung durch die stellvertretende Bürgermeisterin der Stadt Goch, Gabi Theissen, waren rund 150 Gäste gekommen. Wie Ingrid und Klaus Karsten berichteten, riss der Besucherstrom zwei Tage lang nicht ab. Das Interesse an den Bildern und Skulpturen war groß. Beide Künstler waren stets anwesend und in regem Gespräch mit den Besuchern. Das „Haus am See“ mit großzügigem Raum, vielen Fenstern und der neu gestalteten Außenanlage mit Blick auf den See bot die passende Atmosphäre. „Wir freuen uns sehr über diesen besonderen Ort, der hervorragend zu unserer Veranstaltung passt“, so Klaus Karsten.

Die ausgestellten Werke von Ingrid Karsten zeigten ein breites Spektrum ihrer Arbeit. Abstrakte „Landschaften“ in Grau, Weiß und Schwarz fesselten den Blick des Betrachters. Organisch wirkende Strukturen ergeben sich durch den Einsatz verschiedener Materialien, wie Marmormehl und Moorlauge. Drei oder vier Werke mit ähnlicher Thematik waren jeweils nebeneinander zu sehen.

Die großen Räume machten es möglich, gerade die großformatigen Werke auch von Weitem wirken zu lassen. Karsten malt auch gegenständlich, zum Beispiel Frauenporträts mit ernst blickenden Augen. Zwei schemenhafte „Geisterschiffe“ tauchen auf in einer großflächigen Komposition aus Grau und Weiß. Zu sehen war auch eine Reihe von Aktmotiven. Fast auf allen sind zwei Menschen, meist nur angedeutet mit einfachen Linien inmitten eines Farbenspiels. Nach wie vor sind alle Werke ohne Titel. „Der Betrachter soll die Freiheit haben und schauen ohne Vorgaben“, sagt Karsten. Oft sei sie überrascht, was andere in ihren Bildern entdecken.

Paul Goossens hingegen benennt alle seine Skulpturen. „Leichtigkeit“ heißen drei schmale Pfähle, die eine Art „offene“ Gemeinschaft miteinander zu haben scheinen. In ihrer Mitte „schweben“ Bretter, in Wirklichkeit sind sie verzapft und folgen einer klar durchdachten Statik. Goossens arbeitet zum Beispiel mit alten Weidepfählen, gibt ihnen neue Form und Bestimmung, glättet sorgfältig die erodierten und rauen Oberflächen. Der Maserung vom Eichenholz spürt er nach mit sanften, abgerundeten Durchbrüchen. Ihn fasziniert die Würfelform. „Selbstbildnis“ nennt er einen Würfel, der nicht mehr ganz als solcher zu erkennen ist. Größere Einkerbungen stören seine Symmetrie. „Das ist nicht etwa mein Selbstporträt, sondern jeder Betrachter kann sich selbst darin sehen. Die Einkerbungen sind die Einschnitte, die man im Laufe des Lebens erlebt, und die uns prägen. Trotzdem ist der Würfel schön, er spiegelt unser Leben“, erklärt Goossens. Er fertigte den Würfel aus sechs einzelnen Stücken, die man noch erkennen kann. „Das sind die Generationen vor uns, die wir in uns tragen.“

Neben den zwölf ausgestellten Skulpturen waren noch weitere zehn auf Schwarz-Weiß-Fotografien zu sehen. Die Fotos machte der Gocher Fotokünstler Theo Drießen, der hier besonders auch die Schattenwirkung der verschiedenen Formen wirkungsvoll zur Geltung gebracht hat.