1. NRW
  2. Städte
  3. Goch

Keppeln: Männer vom Totenhügel feiern beim Rosenmontagszug ein Jubiläum

Karneval 2020 : 50 Jahre Wagenbau: „Männer vom Totenhügel“ feiern Jubiläum

Die „Männer vom Totenhügel“ feierten an Rosenmontag ein besonderes Jubiläum: Seit einem halben Jahrhundert ist die Wagenbaugruppe in Keppeln aktiv. Unser RP-Reporter begleitete die Jecken beim Karnevalsumzug in ihrem goldenen Jubiläumswagen.

Der Himmel ist bewölkt, kalter Wind zieht über das Feld und es nieselt: Nicht die optimalen Voraussetzungen für einen Karnevalsumzug. Doch die Jecken lassen sich ihren Spaß nicht verderben. Und erst recht nicht die „Männer vom Totenhügel“, die Keppelner Wagenbaugruppe, die dieses Jahr ihr „Goldenes Jubiläum“ feiert. Jene Gruppe mit der Zugnummer zwölf, deren 19 Mann starke Besetzung jetzt ihre Positionen auf dem in Gold gehaltenen und mit einer großen roten Krone geschmückten Wagen besetzen.

Für Gerd Kannenberg wird es wohl der letzte Rosenmontagsumzug mit der Baugruppe sein. „Irgendwann muss ich aufhören“, sagt der 70-Jährige, der, ebenso wie Heinz-Theo Hunzelar, zum 48. Mal beim Umzug dabei ist und zu den ältesten der Gruppe gehört. Der Nachwuchs steht allerdings bereit: Der Wahl-Keppelner Daniel ist zum ersten Mal als „Mann vom Totenhügel“ beim Rosenmontagszug dabei. Im vergangenen Jahr ist der 29-Jährige in das Gebiet der alten Bauernschaft gezogen. Denn nur wer am Totenhügel wohnt, dort geboren ist oder sonst eine direkte Verbindung dorthin hat, darf bei der Gruppe mitmachen. Beziehungsweise: „Wenn du da wohnst, musst du bei uns mitmachen“, scherzen die Jecken lachend.

Dann gehen die Vorbereitungen weiter: Jeder sucht sich einen Platz an der Brüstung, füllt Kamelle in kleine Fächer, die wie Blumenkästen an der Wagenwand hängen, und singt dabei fröhlich die Karnevalshits, die aus den Lautsprecherboxen dröhnen. Die Blicke auf die Uhr mehren sich. Gleich geht es los, die Stimmung ist ausgelassen. Endlich setzt sich der Zug in Bewegung, die Männer hüpfen und tanzen vor Vorfreude. Daniel Hunzelar – in der dritten Generation „Mann vom Totenhügel“ – erklärt nochmal die Regeln: „Wer laut Helau ruft, kriegt auch etwas. Und am Ende, wollen wir nichts mehr übrig haben.“

Das beherzigen die Jecken natürlich: Mit vollen Händen greifen sie in die Haufen an Süßigkeiten. Werfen sie in die Arme der Zugbesucher – Babys, Kinder, Jugendliche, Erwachsene und Senioren; verkleidet als Clowns, Punks, Dinosaurier, Sonnenblume und die ein oder andere Kultfigur wie Micky Maus oder die Panzerknacker. Neben Schokoriegeln, Kaubonbons und Chips, verteilen die Jecken mit ihren goldenen Hüten und Krawatten ebenso Topfblumen und – für die, die alt genug sind – auch Mal einen „Kurzen“. Unterwegs treffen die Jecken immer wieder gute Bekannte – den Nachbarn, den besten Freund oder die Frau – und bescheren ihnen eine besonders große Wurfladung.

Die meisten jecken Zuschauer bestaunen den Rosenmontagszug am Platz vor der St. Jodokus Kirche, wo auch die Moderation erfolgt. Hier wird jeder Wagen mit einem dreifachen Helau in Empfang genommen und kurz vorgestellt. Das Jubiläum der „Männer vom Totenhügel“ wird selbstredend in den Vordergrund gerückt. „Ihr glänzt ja richtig“, sagt die Moderatorin und verweist auf die goldene Glitzerfolie, die den gesamten Jubiläumswagen ziert und die, noch vor der großen Krone am Ende und dem sich drehenden Schild am Anfang des Wagens, „das Aufwendigste“ des zweimonatigen Wagenbaus waren, so Daniel Hunzelar.

Beim Rosenmontagszug in Keppeln wurde bereits an einem der ersten Wagen auf das 50-jährige Bestehen der „Männer vom Totenhügel“ hingewiesen. Foto: Evers, Gottfried (eve)

Bei der Reithalle Thoenes wendet der Zug. Die Jecken haben eine kurze Verschnaufpause, können den Wagen etwas aufräumen und neu sortieren. Dann geht es aber schon weiter: Wieder über die Dorfstraße, vorbei am Kirchplatz. „Jetzt müssen wir alles loswerden“, erklärt Hunzelar. In einem Endspurt verteilen die Männer alles, was an Wurfmaterial noch in den Eimern zu holen ist.

Der Zug verlässt das Dorf über die Rosenstraße, wird langsamer. Die „Männer vom Totenhügel“ räumen den Wagen notdürftig auf. Richtig abgebaut wird erst am Dienstag. Denn am Nachmittag wird weitergefeiert: Die Queekespiere laden zur Party vor und in der Dorfschule ein.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Das war der Rosenmontagszug 2020 in Keppeln