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Goch-Pfalzdorf: Kapelle zum Dank für persönliches Glück

Goch-Pfalzdorf : Kapelle zum Dank für persönliches Glück

Am Gocher Berg in Pfalzdorf kann morgen gefeiert werden. Der private Kirchbau des Ehepaars Artz ist abgeschlossen, das moderne Gebäude an der Pfalzdorfer Straße trägt auch schon einen Namen: Christus-König-Kapelle.

Etwa sechs Jahre liegt der Baustart zurück, und jetzt ist klar, dass das außergewöhnliche Projekt gelungen ist: Helene und Heinz Artz werden am morgigen Samstag, 9. Juni, in der eigenen Kapelle ihre Diamantene Hochzeit feiern. 60 Jahre nach der Eheschließung ist das Pfalzdorfer Paar glücklich über seine drei Kinder, fünf Enkel und sechs Urenkel und will seine Dankbarkeit dem gegenüber ausdrücken, der für das gelungene Leben in letzter Konsequenz verantwortlich ist, wie Heinz Artz findet. Eine große Familie, die zusammenhält, durch viel Arbeit erworbener Wohlstand, von dem durchaus auch die Allgemeinheit profitieren soll: das waren die Gründe für den Bauherrn, ein ganz besonderes Vorhaben umzusetzen. Während immer mehr Kirchen aufgegeben werden, wollte er ein neues Gotteshaus errichten. Das steht nun an der Pfalzdorfer Straße/Ecke Erikenweg und trägt bereits einen Namen: Christus-König-Kapelle - in Anlehnung an die Klever Kirche, über deren Umwidmung zurzeit debattiert wird.

Was immer aus der Klever Christus-König-Kirche wird: In Goch gibt es jetzt eine gleichnamige Kapelle, die nur noch auf ihre Weihe wartet. Foto: gottfried Evers

Heinz Artz ist 82, seine Frau 84 Jahre alt. Beide haben ihr Leben lang unermüdlich gearbeitet. Er 40 Jahre lang in der Klever Schuhfabrik Elefanten, "nebenbei" baute er sich selbst und später den Kindern Häuser, seine Frau betrieb ein Schuhgeschäft. Anfang der 90-er Jahre verlagerte die Familie ihren Lebensmittelpunkt nach Pfalzdorf, denn dort wurde ein großes Grundstück mit Gewerbeimmobilie versteigert. Wie geschaffen für ein Wohnhaus und eine Idee, die sich seit langem in Heinz Artz festgesetzt hatte: "Ich wollte eine Jugendherberge bauen, aber leider wurde mit dies nicht genehmigt. Statt dessen kam mir die Idee mit der Kapelle, und da gab's weniger Bedenken."

Mit drei Kindern, fünf Enkeln und sechs Urenkeln werden Helene und Heinz Artz am Samstag in der eigenen Kapelle an der Pfalzdorfer Straße/Ecke Erikenweg ihre Diamanthochzeit feiern. Foto: Evers

Derselbe Architekt, der dem Neu-Pfalzdorfer geholfen hatte, seine profanen Immobilien (umzu)bauen, plante nun eine Kirche. Mit einer Fläche von 15 mal 15 Metern und einer Höhe von zwölf Metern ist am "Gocher Berg" ein Gotteshaus entstanden, das etwa 100 Besuchern Platz bieten wird. Auf knallbunten Stühlen, die in diesen Tagen erstmals aufgestellt werden. Das Gebäude ist modern und basiert auf einem Stahlskelett; die weiteren Arbeiten samt Innenausbau hat der Senior weitgehend selbst erledigt. Also die Holzdecke in zwölf Meter Höhe eingebaut, den Estrich gegossen, die Klinker verfugt, alle Wände gestrichen. Erst in den vergangenen Monaten kamen einige Handwerksbetriebe aus der Umgebung dazu, damit der Termin, den sich Artz gesetzt hatte, auch eingehalten werden konnte: der 9. Juni 2018, das Datum der Diamanthochzeit. Oft hat seine Frau in den vergangenen Jahren mit bangen Blicken ihren Mann in fleckiger Arbeitshose auf der hohen Leiter balancieren sehen, umgeben von Farbeimern und diversem Handwerkszeug.

Die Kapelle verfügt über zwei Emporen (eine soll irgendwann die Orgel aufnehmen), einen Altar, den die Schönstatt-Schwestern abgegeben haben, und ein großes Kreuz aus Eichenholz. "Eines Tage lag ein Foto mit einem Brief vor der Tür, in dem uns ein bis dahin Fremder fragte, ob wir für unsere Kapelle noch ein Kruzifiz bräuchten. ,Ich suche ein neues Zuhause' stand unter dem Bild von dem Kreuz. Wir haben es uns angesehen und waren begeistert", erzählt Helene Artz. Manches andere kaufte das Ehepaar schon vor Jahren "auf Halde" - vorrangig beim Trödler, etwa einen Marienaltar und das Taufbecken. Das wird am 9. Juni gleich zu großen Ehren kommen, denn die Feier nutzt die Familie zugleich für die Taufe der jüngsten Urenkel (von denen einer streng genommen ein Ur-Urenkel ist). Spenden wird das Sakrament Pater Dan Anzorge, ein Steyler Missionar, der früher in Goch tätig war und dessen Afrika-Projekte die Familie bis heute unterstützt. "Er wird den Gottesdienst in einer Kapelle feiern, die allerdings noch nicht geweiht ist", berichtet der Erbauer. Ob ein Bischof des Bistums Münster die Sache übernehmen wird, steht noch nicht fest. "Unter der Hand hat man uns zugetragen, dass Münster von Kirchen-Neubauten gar nicht so begeistert ist, wie es ja genügend Gotteshäuser gibt, die leer stehen", sagt Artz. Wobei ihn gleich wieder der Gedanke an die Klever Christus-König-Kirche traurig macht. "Dort bin ich geboren worden und dort versteckten wir uns im Krieg, als die Bomben fielen. Nun braucht sie niemand mehr, scheint's."

Öffentliche Gottesdienste dürfen in der noch ungeweihten Pfalzdorfer Kapelle nicht begangen werden, entsprechend ist auch die Feier am Samstag rein privat (und wird mit der familiären Festgemeinde auch voll sein). Für die Zukunft wünscht sich der noch keinesfalls müde Rentner allerdings viele Anlässe, Christen beider Konfessionen am Gocher Berg zusammenzurufen: zu Hochzeiten, Taufen, Beerdigungen. Im Untergeschoss des hoffentlich bald sakralen Gebäudes ist Platz zum Feiern. Eine Theke und Toiletten für die Gäste sind schon eingebaut, draußen gibt's reichlich Parkraum. Weil ihr Mann Heinz ein Widder ist und entsprechend stur, wird er in seiner Entschlossenheit, bald die Weihe der Christus-König-Kapelle zu erleben, sicher nicht nachlassen, ist Helene Artz überzeugt. Kinder und Enkel haben die Eltern nach Kräften unterstützt, für den letzten Schritt, den liturgischen Akt der Kirchweihe, ist nun die Hilfe eines Bischofs nötig.

(RP)