Lokalpolitik 25-Jähriger will SPD in Schwung bringen

Kalkar · Sein Amtsvorgänger hatte es in Kalkar nur ein halbes Jahr ausgehalten, Kai-Uwe-Ekers sprang zunächst einmal nur kommissarisch ein. Aber inzwischen ist er ordentlich gewählter Vorsitzender der Kalkarer Sozialdemokraten.

 Der neue  SPD-Vorsitzende von Kalkar Kai-Uwe Elkers war zunächst kommissarisch im Amt, ist jetzt aber gewählt worden.

Der neue  SPD-Vorsitzende von Kalkar Kai-Uwe Elkers war zunächst kommissarisch im Amt, ist jetzt aber gewählt worden.

Foto: Markus van Offern (mvo)

Einige Wochen vor der Europawahl hatte Dirk Schoemakers, der die Funktion erst seit März 2018 inne hatte, den Genossen mitgeteilt, den Vorsitz der SPD Kalkar wieder abgeben zu wollen. Er habe sogar vor, aus der Partei auszutreten – aus bundes- und europapolitischen Gründen. Nicht der geeignete Zeitpunkt, damit an die Öffentlichkeit zu treten, befand der verbleibende Vorstand. Nachdem Schoemakers am 12. April Nägel mit Köpfen machte, stellte sich Kai-Uwe Ekers, bis dahin Schriftführer des Ortsvereins, zur Verfügung. Mit der Zusage, auch längerfristig SPD-Chef in Kalkar bleiben zu wollen, wenn die Mitglieder dies so wünschten. Am 24. Juli wählten sie den erst 25-jährigen Ekers tatsächlich zum Vorsitzenden. Und der ist entschlossen, zu retten, was zu retten ist.

„Ich habe den Parteifreunden auf der Versammlung gesagt: ,Es gibt zwei Möglichkeiten. Entweder, wir reißen uns zusammen, verbessern unsere Kommunikation untereinander und werden ein Team, oder die SPD Kalkar ist am Ende.’ Wir waren uns einig, dass die SPD es wert ist, ihr eine weitere Chance zu geben, aber dass wir auch etwas dafür tun müssen.“ Kai-Uwe Ekers ist immerhin seit 2012 Parteimitglied und gehört seit 2018 auch dem Unterbezirks-Vorstand an. Tatsächlich ist der 25-Jährige im aktuellen Vorstand des Ortsvereins bereits der Dienstälteste. Nur Walter Schwaja, als Fraktionsvorsitzender beratend, aber eben nicht gewählt im Vorstand, ist schon länger dabei.

Nicht gerade die einfachste Zeit hat sich Erkes ausgesucht, um seine Partei wieder in Schwung zu bringen. Die Nachrichten aus Berlin, insbesondere die zähflüssige Vorsitzenden-Suche, ärgern viele Mitglieder. „Ich will auf keinen Fall Olaf Scholz, dann hätte auch gleich Nahles Vorsitzende bleiben können“, sagt der Kalkarer. Nach seiner Ansicht müsse die Partei möglichst schnell raus aus der großen Koaltion. Und gerne dürfe sie ein Stück nach links rutschen. „Wir müssen unser Profil wieder zu erkennen geben: Arbeitnehmerrechte stärken, die Gewerkschaften hören, soziale Themen beackern. Dafür würden wir vielleicht wieder gewählt, für eine Groko bestimmt nicht.“

Kai-Uwe Ekers startete seine Parteilaufbahn als 17-Jähriger bei den Jusos. Frank Thon hatte ihn geworben und ihn bald überzeugt. „Politik hatte mich früh interessiert, und weil ich mit der Kirche nichts zu tun habe, wäre die CDU für mich nicht in Frage gekommen. Die Grünen gefielen mir ganz gut, aber Umwelt als einziges Thema war es irgendwie auch nicht.“ Gut findet er derzeit aber die „Fridays für Future“-Bewegung. „Es ist richtig, dass junge Leute wieder für ihre Interessen auf die Straße gehen.“

Dass Erkes bei den Jusos schnell zum Vorsitzenden aufstieg, hatte sicherlich etwas mit seiner Beredsamkeit zu tun, aber auch mit einem ganz pragmatischen Thema: „Ich war vor Ort, denn ich musste ja nicht zum Studieren weg.“ Ekers ist nämlich Handwerker, nach der Hauptschule machte er eine Ausbildung zum Dachdecker, ein Beruf, der ihm bis heute Spaß macht. Wobei er mit dieser Berufswahl in den vergangenen Monaten ab und zu gehadert haben dürfte: Der junge Mann fiel vom Dach, brach sich mehrfach und kompliziert zwei Wirbel. „Zum Glück sind die Operationen gut verlaufen, jetzt nach einem halben Jahr kann ich wieder arbeiten.“ Und hat Energie genug, um die Sache „SPD“ anzugehen. Ob die Kalkarer Sozialdemokraten übrigens einen eigenen Kandidaten aufstellen oder Britta Schulz, falls sie wieder antritt, bei der Kommunalwahl unterstützen, stehe noch nicht fest. „Ich hoffe bloß, dass wir nicht wieder fünf Bürgermeisterkandidaten haben wie beim letzten Mal“, sagt Erkes. „Das war Mist.“

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