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Juniorwahl an der Gocher Realschule kurz vor der Europawahl

Realschule : Gocher Realschüler wählen für Europa

Im Rahmen der Juniorwahl-Initiative versammelten sich 200 Schüler der Leni-Valk-Realschule zu einer Europawahl-Simulation. Ergebnis „wie im wirklichen Leben“ am Sonntagabend.

Würden Neunt- und Zehntklässler der Leni-Valk-Realschule Goch in Österreich leben, hätten einige von ihnen jetzt schon die Möglichkeit, an der Europawahl 2019 teilzunehmen. Da das Mitwirken in Deutschland allerdings die Vollendung des 18. Lebensjahres voraussetzt, müssen sich die meisten noch ein paar Jahre gedulden, bis ihnen beim nächsten Mal dieses Grundrecht zusteht. Um einigen besonders Ungeduldigen die Wartezeit zu erleichtern, vor allem aber wohl, um Schülerinnen und Schüler in ganz Deutschland für das Thema Wahlen zu sensibilisieren, hat der überparteiliche Berliner Verein Kumulus das Konzept der Juniorwahl auf die Beine gestellt.

Neben zahlreichen weiteren Projekten zur „Demokratieförderung“, wie auf der offiziellen Internetseite geschrieben steht, wird bereits seit 1999 die sogenannte Juniorwahl angeboten. Im Rahmen von Landtags- oder Bundestagswahlen, aber eben auch bei der Europawahl wird eine Vielzahl von Schulen in Deutschland dabei unterstützt, eine realitätsnahe Wahlsimulation durchzuführen.

In diesem Jahr ist auch die Leni-Valk-Realschule in Goch unter den 2760 Teilnehmern. Wie bereits bei der „Bundestags-Juniorwahl“ in 2017 ist Politiklehrerin S. Cvetreznik Initiatorin des Projekts. „Im Zuge der Vorbereitung, mit der wir bereits im Februar begonnen haben, haben wir die Institutionen, Gesetze und Freiheiten der EU in Gruppen erarbeitet“, erklärt sie. Viele Schüler seien sich der Freiheiten, die ihnen die EU im Alltag bietet, gar nicht richtig bewusst. Sei es beispielsweise das mittlerweile kostenlose Daten-Roaming oder auch die Möglichkeit, ohne Grenzkontrolle in die Niederlande zu fahren. „Im weiteren Verlauf ging es dann um die einzelnen Parteien. Wir haben Werbespots und Plakate analysiert.“ Schulleiterin Veronika Bergmann, die Cvetreznik bei der Durchführung der Initiative freie Hand ließ, kann der Aktion nur Positives abgewinnen. „Heutzutage gibt es viel zu viele Haushalte, in denen den Kindern das Thema Politik nicht nahe gebracht wird. Durch diese Kampagne wollen wir den Schülern ein politisches Verantwortungsbewusstsein beibringen“, so Bergmann. Politikverdrossenheit entgegenzuwirken und sie zu mündigen Bürgern zu erziehen, sei Teil des Bildungsauftrags.

Und so kam es, dass unmittelbar vor der Wahl wie auch in der Realität Wahlhelfer bestimmt wurden, die dafür sorgten, dass es in dem im Streitschlichter-Raum hergerichteten Wahllokal an nichts fehlte. Ihre Aufgabe war es auch, die Stimmen zu zählen, ehe Cvetreznik diese zum Veranstalter nach Berlin weiterleiten konnte. Sogar eine Verschwiegenheitserklärung wurde zu diesem Zweck unterschrieben. Trotz all dieser Professionalität sollte man zwar meinen, manch einer könnte auf den Gedanken kommen, der Sache nicht mit dem nötigen Ernst zu begegnen, doch Schüler Michel Frooleyks sieht das anders. „Auch die, die im Vorfeld Witze darüber gemacht haben, werden das Ganze spätestens, wenn sie in der Wahlkabine stehen, ernst nehmen.“ Er selbst möchte sich in Zukunft auch politisch engagieren und sieht in der Aktion eine Möglichkeit, zu sehen, wohin die Tendenz geht. Mitschülerin Sibella Sezek fühlt sich nun auf zukünftige Wahlen bestens vorbereitet. „Die Juniorwahl bietet eine gute Chance, zu erfahren, was in ein paar Jahren auf dich zukommt. Ich würde mich auch gerne mehr engagieren, das ist ein Thema, das uns alle angeht“, sagt sie.

Das Ergebnis der deutschlandweit rund 650.000 Stimmen ist am Sonntagabend auf www.juniorwahl.de zu finden.