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Irish Travellers wollen am Niederrhein heiraten

Goch : Irish Travellers wollen am Niederrhein heiraten

Die irischen Landarbeiter sind wieder da. Montag sollen sie den Platz an der Hüls verlassen haben, fordert die Stadt.

In der Region gehört es fast schon zum August dazu: Dann reisen regelmäßig die irischen Landfahrer an. Wie unverhofft die Iren mit ihren Wohnanhängern in einer Stadt auftauchen, hat die Verwaltung in Kevelaer jetzt erlebt. Das Ordnungsamt hatte extra noch bei der Polizei nachgefragt, ob es Anzeichen für Irish Travellers gebe. Die Polizei hatte keinerlei Erkenntnisse - und doch waren einen Tag später plötzlich die Iren da. Freitagnachmittag tauchten sie mit ihren Wagen auf und stellten sich auf den Parkplatz an der Hüls. Dort campieren sie seitdem. Mit fast 50 Gespannen ist die Gruppe ungewöhnlich groß. Eigentlich darf ein Wohnwagen nur 24 Stunden auf einem öffentlichen Parkplatz stehen. Die Stadt ist bemüht, das Problem im Einvernehmen zu lösen.

Gestern waren Bürgermeister Dominik Pichler und Heinz-Josef Theunissen vom Ordnungsamt zum Gespräch bei den irischen Landfahrern. "Sie waren sehr höflich und zugänglich, wir haben ihnen aber deutlich gemacht, dass sie bis Montag den Platz verlassen haben müssen", berichtet der Bürgermeister. Die nächsten Tage wolle die Stadt abwarten, weil die Irish Travellers gleich drei Hochzeiten in Kevelaer angemeldet haben. An drei aufeinander folgenden Tagen werden sich irische Paare in St. Marien das Ja-Wort geben. Kaplan Christoph Schwerhoff wird die Trauungen vornehmen. Die Landfahrer seien als Iren sehr katholisch geprägt, Kevelaer sei für sie ein spiritueller Ort. Daher hätten die künftigen Eheleute auch den Wunsch, hier zu heiraten. Ein Paar habe sich zudem in Kevelaer kennen gelernt. "Ich habe mehrfach mit den Iren telefoniert, sie waren sehr höflich und freundlich", sagt der Kaplan, für den es die ersten Trauungen von irischen Landfahrern sind. Den Gottesdienst wird er auf Englisch halten. Die Irish Travellers kommen traditionell um den 15. August (Mariä Himmelfahrt) in die Region. Die Fahrt nach Kevelaer ist für viele auch eine Art Wallfahrt. Sie werden landläufig "Tinker" genannt. Sie selbst empfinden diesen Begriff aber als diskriminierend.

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Sie sind irische Landarbeiter, die dann auch Dachdecker- und Teerarbeiten anbieten. Vielfach gibt es Probleme, weil nachts laute Musik gehört wird oder junge Iren mit quietschenden Reifen durch die Straßen fahren. "Sicher ist das alles nicht schön, aber wir haben hier so richtig keine Handhabe", sagt der Bürgermeister. Wenn man sie wegschicke, suchten sich die Reisenden ein anderes Gelände. Das Problem werde so nur verlagert. Man wolle eine Lösung suchen, wo die Irish Travellers bis Mariä Himmelfahrt in Kevelaer bleiben können. Klar sei aber, dass die Stadt den Parkplatz ab Montag brauche, weil in der kommenden Woche die Tamilenwallfahrt ansteht. "Wenn keine Alternative gefunden wird, müssen die irischen Landfahrer am Montag gehen und dann eben in einer Woche zu Mariä Himmelfahrt wiederkommen", sagt Pichler.

Polizeisprecher Michael Ermers erläutert, dass man die Irish Travellers im Auge habe. Die Polizei fahre regelmäßig Streife.

(zel)