Inklusion soll an zwei Schulen in Goch gebündelt werden

Gemeinsames Lernen : Inklusion: Ja, aber nur ein bisschen

Gemeinsames Lernen bedeutete mal das selbstverständliche Miteinander von unterschiedlich begabten Schülern. Inzwischen bezieht es auch behinderte Kinder mit ein. Und das bringt Probleme für die Gesamtschule Mittelkreis.

Die Stellungnahme der Gesamtschule hatte bereits schriftlich vorgelegen, jetzt gibt es dazu die Unterstützung des Schulträgers: Die Gesamtschule Mittelkreis in Goch soll keine Schule des Gemeinsamen Lernens werden. Das hat der Schulausschuss des Zweckverbands beschlossen. Trotz der mahnenden Worte der Vertreterin der Bezirksregierung, Angelika Frücht, überwog bei den Ausschussmitgliedern die Sorge, zu viele behinderte Kinder könnten die Qualität der Schule nachhaltig schädigen. Obwohl man natürlich die Inklusion grundsätzlich sehr unterstütze. Bürgermeister Ulrich Knickrehm versicherte sogar, der Ansicht zu sein, ein funktionierendes Miteinander von behinderten und nicht-behinderten Schülern adele eine Schule geradezu. Als Verbandsvorsteher des Zweckverbands empfahl er dennoch, die Gesamtschule nicht noch weiter in die Pflicht zu nehmen.

Die Landesregierung möchte die Inklusion in allen Kommunen an einigen dafür besonders geeigneten Schulen zusammenführen. Damit Sonderpädagogen dort in hinreichender Stundenzahl anwesend sein können, weil die Infrastruktur dann besser anzupassen ist, damit sich die „anderen“ Kinder nicht als Exoten fühlen müssen. Die Hauptschule Goch wurde als solcher Lernort bereits ausgewählt und wird, wie der Bürgermeister ankündigte, mit Sicherheit zur Verfügung stehen – das hat Schulleiter Norbert Arntz auch schon zugesagt. Die Gesamtschule sollte nach dem Willen der Bezirksregierung der zweite Ort gemeinsamen Lernens in Goch sein, doch Schulleitung und Schulkonferenz lehnen dies ab.

„Über die fraglos umzusetzende gesellschaftliche Aufgabe, Behinderte zu integrieren, geht es hier nicht“, stellte Knickrehm fest. Nur darum, ob die Gesamtschule bezüglich ihrer sächlichen und persönlichen Ausstattung dafür geeignet ist. Laut Direktorin Karin Teetzmann fehlen schon jetzt Extraräume, um Förderkinder gelegentlich aus der Klasse zu nehmen und in Kleingruppen zu unterrichten. Noch mehr behinderte Kinder würden das Problem dringlicher machen. Und Knickrehm fürchtet aus Erfahrung, dass die übrigen Verbandskommunen, die inzwischen zum Teil eigene Gesamtschulen unterhalten, sich an den nötigen Investitionen nicht werden beteiligen wollen.

Das zweite Argument, das die Schule vorbringt, ist die Sorge, dass die Oberstufe auf Sicht zu wenig Schüler für das nötige Kurssystem haben wird. Wenn nämlich im Durchschnitt der Eingangsklassen drei Förderkinder eingeschult werden, müssen die Klassengrößen etwas reduziert werden. Und unterm Strich „fehlen“ dann am Ende stärkere Schüler, die das Abitur anstreben. Differenzierung im Kurssystem würde mit nur 40 bis 60 Schülern, von denen Knickrehm sprach, geradezu unmöglich. In Folge der von den behinderten Kindern „blockierten“ Plätze könnten pro Jahr noch mehr Kinder als heute nicht aufgenommen werden. Wo sollten die dann hin? Nach Kevelaer oder Kleve geschickt werden?

Zum Schuljahresbeginn 2019/2020 wäre ein Anbau mehrerer Räume an die Gesamtschule ohnehin nicht mehr möglich, bis zum kommenden Jahr könne man ja neu überlegen. Den Vorschlag Teetzmanns, statt ihrer Schule doch die Realschule als Ort Gemeinsamen Lernens festzulegen, kam bei Angelika Frücht übrigens nicht gut an. Auf Anfrage der RP versicherte sie: „Ich habe nicht die Absicht, die Leni-Valk-Realschule dauerhaft als Schule des Gemeinsamen Lernens einzurichten.“ Wie bisher werde die Gesamtschule (und die übrigen weiterführenden Gocher Schulen ebenso) auch weiterhin Förderkinder aufnehmen, auch wenn sie formal nicht Schule des gemeinsamen Lernens sei. Frücht: „Derzeit prüfe ich gemeinsam mit Dominik Feyen (Schulamt Kleve) mögliche Optionen, um allen Kindern mit sonderpädagogischem Unterstützungsbedarf wohnortnah einen Platz im Gemeinsamen Lernen anzubieten.“ Dem Vernehmen nach sind in diesem Sommer 18 Kinder auf die fünften Klassen in Goch zu verteilen.

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