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Goch: In der Mini-Eisenbahn durchs Moseltal

Goch : In der Mini-Eisenbahn durchs Moseltal

Im Industriegebiet Goch-West bieten die Eisenbahnfreunde Goch-Kleve spektakuläre Zugfahrten - im Maßstab 1:87. Originalgetreu fährt die Lok mit zwölf angehängten D-Zug-Waggons in den Bahnhof der 1970er ein. Eine Kunst für sich.

Bei der Ausstellung der Eisenbahnfreunde Goch-Kleve wird schnell klar: hier ist Präzisionsarbeit gefragt. Zudem ist das Hobby Eisenbahnmodellbau anders als vielleicht erwartet etwas für Alt - und auch für Jung. Der neunjährige Simon erzählt ebenso begeistert von seiner Leidenschaft zum Nachbauen von Tieren und Landschaften wie der 79-jährige Maschinenbauer über seine erste eigene Dampflok, die er vor 43 Jahren gebaut hat.

Der Pressewart und Elektrospezialist der Eisenbahnfreunde Goch-Kleve, Georg Heinz, ist an diesem Tag ein viel gefragter Mann. Er nimmt sich den verschiedensten elektrischen und mechanischen Problemen der einzelnen Eisenbahnmodelle an. Da hört er Sätze wie: "Welches Relais brauche ich für diese Lichtschranke?" oder "Ich habe mir letztens eine gebrauchte Lok gekauft. Sie funktionierte auch zehn Minuten wunderbar, doch dann entgleiste das gute Stück zweimal. Jetzt fährt sie nicht mehr." Heinz scheint vom Fach zu sein. Nach ein paar kritischen Blicken gibt er zurück: "Die Lok muss ich komplett zerlegen, den Motor anschauen, wahrscheinlich alle Kabel durchmessen, die Kontakte prüfen. Das ist keine Sache von fünf Minuten."

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Zeit - die braucht man wohl, hat man sich einmal dem Eisenbahnmodellbau verschrieben. Das ist nichts für Kurzatmige. Hier trifft Kreativität auf handwerkliches Geschick. Ohne Geduld ist man zwischen den Mini-Weinbergen und originalgetreuen Eisenbahnmodellen fehl am Platze. Hanna, wie Simon neun Jahre alt, zeigt stolz an welcher Stelle der zwölf Meter langen Eisenbahnstrecke sie vor Kurzem Kabel gewechselt und diese mit dem Lötkolben angebracht hat. "Die Kleinen machen uns bei solchen Dingen oft was vor" berichtet Georg Heinze. "Diese Mini-Eisenbahnlandschaft, eine Leihgabe, hat ein Elfjähriger alleine aufgebaut", berichtet der erste Vorsitzende der Eisenbahnfreunde Goch-Kleve, Ulrich Düsterhöft.

Gleich nebenan finden sich nachgebaute Dampfloks, die ab 1905 im Original angefertigt wurden. Rolf Smyrnet berichtet, wie er mit den Dampfmaschinen nach dem Zweiten Weltkrieg selbst noch gefahren sei. Der bei den Eisenbahnfreunden an der Benzstraße 24 oft eingeladene Gast erzählt, wie er als gelernter Maschinenbauer selbst an der Konstruktion von Originalen gearbeitet hat. Mittlerweile widmet er sich seiner Leidenschaft im Kleinen. "An dieser Dampflok habe ich zehn Jahre gearbeitet" berichtet er. "Hier habe ich einen Postwagen dem Original im Maßstab 1:28 nachgebaut." Damals seien die Briefe durch den Schlitz direkt in den Waggon eingeworfen worden. Innen befanden sich Regale zum Sortieren. "Da gab es noch keine großen Logistikverteilzentren, wie das heute der Fall ist" sagt der 79-Jährige.

Auch bei den Eisenbahnfreunden hat sich viel verändert. Sie bestehen seit März 1980. "Früher waren Loks und Co noch in Goch und Kleve im Handel zu bekommen" berichtet Heinz Theo Nelissen, langjähriges Vereinsmitglied. Heute müsse man dafür in größere Städte fahren oder im Internet bestellen. Zudem seien die Techniken weit fortgeschritten. "Mittlerweile gibt es neben den analogen und digitalen Anlagen auch vollautomatische", berichtet Nelissen. Diese seien wegen der leichten Bedienung insbesondere für Kinder interessant.

(RP)