Goch-Pfalzdorf/Louisendorf: Imig-Archiv als Zentrum für die Pfälzer

Goch-Pfalzdorf/Louisendorf: Imig-Archiv als Zentrum für die Pfälzer

Das Jakob-Imig-Archiv in Louisendorf wird ausgebaut. Immer mehr Archivalien erzählen von der Geschichte der Pfälzer am Niederrhein, von der einzigarten Mundartinsel in NRW. Keller für die Archivalien, Raum für Pfälzerforscher.

Von der Wand guckt mahnend Martin Luther, überm alten Klavier hängt ein Stich der Königin der Herzen, Königin Louise von Preußen, die dem Ort den Namen gab. Auf der anderen Wand groß und bunt drei Wappen: "Die Pfälzerdörfer am Niederrhein" steht darüber. Es sind Pfalzdorf, 1741, Louisendorf 1820 und de neie Wald (Neulouisendorf) 1832. Gegründet von den preußischen Königen Friedrich der Große, von Königin Louise und schließlich von Friedrich Wilhelm III. Denn in diesem alten Haus wird die Geschichte der Pfälzer am Niederrhein verwahrt, gehegt, gepflegt, archiviert. Hier im Jakob-Imig-Archiv, das mit dem Nachlass des forschenden Pfälzers Imig, der allein rund 80 000 Abschriften aus Kirchenbüchern versammelte, in das alte Lehrerhaus in Louisendorf einzog. Das war 2005.

Jetzt muss das Archiv erweitert werden: Es kamen Nachlässe hinzu, Schenkungen, das Gocher Stadtarchiv würde gerne auch seine Pfälzerarchivalien nach Louisendorf auslagern. Es bietet sich eben an, hier ein Zentrum für Pfälzerforschung zu installieren. Gestern fiel der Startschuss für die Erweiterung, mit dem die Pfälzer ihr neues, größeres Archiv auf die Zielgerade bringen. Dank großzügiger Unterstützung durch die NRW-Stiftung und in Aussicht gestellter Förderung durch den Landschaftsverband Rheinland, dank Zuschüssen und einer Vorfinanzierung durch die Gemeinde Bedburg-Hau. 73 250 Euro sind für den Umbau des Archivs eingeplant. 30 000 Euro hat die NRW-Stiftung zugesagt, 25 000 Euro sollen beim Landschaftsverband Rheinland beantragt werden. Der Rest kommt aus Eigenmitteln und von der Gemeinde. Davon werden zwei Kellerräume als Archiv umgebaut. Das Haus wurde bereit abgegraben und trockengelegt. Der alte Kellerputz ist von der Wand gepickt, der neue Spezialputz, der Feuchtigkeit aus den Räumen heraushalten soll, wird in zwei Lagen aufgebracht. Die erste Lage sitzt bereits, erklärt Michael Mölders vom Bauamt Bedburg-Hau, der zusammen mit seinem Chef Dieter Henseler die Maßnahme betreut. Auch muss der Boden 'raus und komplett erneuert werden. Vornehmlich aus den LVR-Mitteln werden eine Klimatisierung für die Archivalien - sie müssen eben trocken lagern - und Regale angeschafft, in die die Unterlagen auffindbar sortiert werden.

Der Arbeitsplatz für Pfälzerforscher, wird in einen eigenen Raum verlegt. Der Platz werde sehr gut angenommen, sagt Ortsvorsteher Jürgen Graven. Die Imig-Stube hat so noch mehr Platz, um alte Möbel und Dinge zu zeigen, die Imig gesammelt hatte. Zusätzlich wird jetzt ein Versammlungsraum für die Louisendorfer Vereine entstehen, in dem bis zu 40 Personen Platz haben. "Wenn wir keine Tische aufstellen", sagt Josef Jörissen für die Vereinsgemeinschaft Louisendorf. Hier könne man auch endlich Besuchergruppen betreuen, die sich weiter über die Pfälzer informieren wollen, sagen Graven und Jörissen.

"Ziel der Louisendorfer ist es, das Archiv zu einem Pfälzerheim am Niederrhein auszubauen und den musealen Charakter zu stärken", konstatiert Jörissen. Dazu gehöre auch die Pflege der Pfälzer Mundart - so wie die Feuerwehr derzeit ihre Kameradschaftsabende in pfälzisch abhält. Graven hofft, dass man zum Jubiläum "275 Jahre Pfälzer am Niederrhein" auch noch ein Mundartwörterbuch vorlegen kann.

Bedburg-Haus Bürgermeister Peter Driessen lobte die Arbeit des Archivs, das auch sehr gut von den Bürgern angenommen werde: "Das ist eine bedeutende kulturelle Einrichtung für unsere Gemeinde."

(RP)
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