Im Fünf-Ringe-Haus das alte Goch bewundern

Tag des Denkmals : Fünf-Ringe-Haus zeigt das alte Goch

Am Tag des Denkmals und den folgenden Sonntagen lädt der Heimatverein zu einer Ausstellung der Sammlung von Peter Neikes ein. Zu sehen sind Fotos seit den 20er Jahren und Erinnerungen an die Zeit der analogen Fotografie.

 Bei einer Stadt, die zu 98 Prozent am Boden lag, als der Krieg zu Ende war, ist es kein Wunder, dass heute nicht mehr allzu viel daran erinnert, wie schön Goch einst war.  Straßenzüge voller beeindruckender Bürgerhäuser, meist „holländisch“ anmutend, lassen diejenigen, die sich an jene Zeit noch erinnern können, wehmütig seufzen. In einigen Büchern sind Fotos aus den 20-er und 30-er Jahren erhalten, und viele davon und darüber hinaus besitzt Peter Neikes, der seine Sammlung am Tag des offenen Denkmals und in den Wochen darauf zeigen möchte. Der Heimatverein Goch hat mit dem Fotografen gemeinsam eine Ausstellung organisiert, die im Haus Zu den Fünf Ringen zu sehen sind. Präsentiert werden alte Ansichten Gochs, die von Peter Koerver stammen, und jüngere, die Peter Neikes gemacht hat. Willkommen sind Besucher am Sonntag, 9. September, von 11 bis 17 Uhr sowie an den Folgesonntagen von 14 bis 17 Uhr. Zum letzten Mal ist die Ausstellung am 3. Oktober geöffnet. Neben den Fotos werden sich Liebhaber der guten alten analogen Fotografie an den Kameras und sonstiger Fototechnik erfreuen, die Neikes zusätzlich ausstellt.

Der Mann, der das Fotostudio von Peter Koerver übernommen hatte und jahrzehntelang die privaten Fotos der Gocher entwickelte, hat in seinem Besitz Holzplatten-Kameras, Polaroid- und Fach-Kameras, dazu Objektive, Rollfilme, Cassetten, eine Labor-Uhr und Platten aus Glas und Metall. Natürlich kann er auch erklären, wie all diese Dinge funktionierten und Beispiele dessen zeigen, was damit alles möglich war.  Gäste ohne technischen Verstand werden sich vermutlich intensiver in die Fotos vertiefen. Eine ganze Reihe alter Motive hat Neikes neben mehr oder weniger aktuelle Fotos gehängt, die aus der jeweils gleichen Perspektive den heutigen Zustand einer Örtlichkeit wiedergeben. In Büchern, die der Heimatverein auslegt, sind auch zahlreiche Fotos aus den traurigsten Jahren des vergangenen Jahrhunderts zu sehen. Eine Stadt, die von Bomben komplett zerstört war. Bei einigen Fotos gelingt es selbst Gocher Urgesteinen kaum, zu identifizieren, was einst anstelle dieses Schutthaufens stand. Es sei denn, es war das Elternhaus, wie im Fall von Willi Vaegs‘ (durch  Brand) jetzt zum zweiten Mal zerstörten Anwesen, Mathieu Vaegs alte Schmiede. Gochs Altbürgermeister wicht sich jetzt noch über die Augen, wenn er daran denkt, wie viele Nachbarn bei den Luftangriffen gegen Ende des Krieges ums Leben kamen.

Prächtige Kirchen vor der Zerstörung. Foto: Anja Settnik, Repro
Am Ende des Kriegs lag die Goche Innenstadt am Boden. Foto: Anja Settnik, Repro
Das einstige Kaiserliche Postamt. Foto: Anja Settnik, Repro

Auch ein Suchbild zeigt die Ausstellung – die Männer können nicht sagen, ob das Motiv, das Lkw vor einer Tierfutter-Fabrik zeigt, überhaupt aus Goch stammt.  Hingegen ist die Mühle, die im damals noch ungebändigten Niers-Wasser tatsächlich „sauste“, fraglos die Gocher Susmühle. Und was heute die Nierswelle ist, war früher der Schwanenteich und noch früher die Pferdetränke, wohin die Fuhrleute ihre Arbeitstiere führten. Das alte Beykirch-Haus ist zu sehen, das Wohnhaus der Familie van den Bosch, heute Rathaus, das alte Krankenhaus, die Villa  Schlüpers, das Terörde-Haus, diverse Hotels, deren gute Namen damals weit über die Stadt hinaus hallten. „Das Hotel Rademacher war nicht nur in Goch das erste Haus am Platze, sondern am ganzen Niederrhein“, sagt Theo Aymans. Überhaupt sind sich Vaegs, Günther van Cuick und ihre Mitstreiter einig, dass ihre Heimatstadt bis zu  den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs eine der wesentlichen Ansiedlungen in der Rheinprovinz war. Die Optik des „Kaiserlichen Postamts“, der feinen Gastronomie-Adressen und der stolzen Handwerksbetriebe scheint diese Wertung zu unterstützen. Der Alt-Bürgermeister verteidigt die aus heutiger Sicht zahlreichen Bausünden früherer Jahrzehnte: „Was sollte man denn machen, die Leute brauchten Wohnungen, Geld war kaum da.“  Die Männer sind froh darüber, dass jetzt immerhin mancher Bauherr versucht, den geringen historischen Bestand in der Stadt zu sichern und wiederzubeleben. So, wie sie es auch für das zentrale Fünf-Ringe-Haus erhoffen, dessen Sanierung noch ansteht. Erste grobe Pläne zur Entwicklung des mittelalterlichen Hauses sind in der Ausstellung ebenfalls zu sehen.

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