Im Collegium Augustinianum Gaesdonck immer mehr Internatsschüler

Gaesdonck : Die Gaesdonck liegt im Trend

Die Zahl der Internatsschüler im bischöflichen Gymnasium steigt deutlich an: Drei von ihnen erzählen vom Alltag und den Unterschieden zu anderen Schulen. Im „Primanerbau“ sind jetzt Mädchen eingezogen.

(pbm/cb). „Hier entlang!” – der 17-jährige Gereon geht mit schnellen Schritten voran, durch lange Gänge mit hohen Fenstern, durch verwinkelte Treppenhäuser und über knarzende Holzböden. Er kennt sich aus auf der Gaesdonck, wie das „Bischöfliche Internatsgymnasium Collegium Augustinianum Gaesdonck“ in Goch am Niederrhein kurz genannt wird. Seit vier Jahren lebt der junge Mann, der ursprünglich aus Aachen kommt, nun schon hier. Gereon sei „ein alter Hase“, sagt Direktor Dr. Markus Oberdörster lachend.

Ganz anders Coco und Lennert, beide 16 Jahre alt und aus Düsseldorf. Kaum zwei Wochen ist es her, seit sie Internatsschüler geworden sind. Damit sind sie zwei von 85 Mädchen und Jungen, die sich für das Leben und Lernen am Internat entschieden haben. Das sind deutlich mehr, als in den vergangenen Jahren. Während in den vergangenen beiden Jahrzehnten viele Internate zumindest in Deutschland schließen mussten, liegen sie jetzt, ähnlich den Privatschulen, offensichtlich wieder im Trend. Auf der Gaesdonck konnten in diesem Jahr sogar zusätzliche Räumlichkeiten neu belegt werden. So sind in den traditionellen „Primanerbau“ jetzt zum ersten Mal in der 170-jährigen Geschichte des Internats Mädchen eingezogen. Dort wohnen nun die Oberstufenschülerinnen im Mädchenhaus „Aquila“.

In diesem Trakt kennt auch Coco sich schon aus, schließlich wohnt sie in einem der hellen, freundlichen Zimmer. Ein eigenes Waschbecken hat sie, Schränke, einen Schreibtisch am Fenster – „hier haben alle Einzelzimmer, Ausnahmen gibt es höchstens auf ausdrücklichen Wunsch bei den jüngsten Schülern“, erklärt Oberdörster. Coco hat ihr Zimmer gemütlich eingerichtet, aus Fotorahmen lächeln ihr Freunde und Familie entgegen. Die 16-Jährige hat sich kurzfristig entschieden, an den Niederrhein zu ziehen. „Ich bin gerade mit der Realschule fertig und möchte ein gutes Abitur machen. Darauf kann ich mich hier konzentrieren“, sagt sie.

Lennert nickt. „In meiner alten Schule gab es immer wieder Unterrichtsausfälle und eine hohe Fluktuation bei den Lehrern. Das ist hier ganz anders, es gibt viel mehr und bessere Angebote“, sagte er. Ihm sei in den vergangenen Monaten bewusst geworden, dass das Abitur eine wichtige Rolle im Leben spielt: „Ich möchte später in der Wirtschaft gehen, da sind hier auf der Gaesdonck einfach gute Möglichkeiten gegeben.“ Bei aller Begeisterung gibt er aber lachend zu: „Anfangs hatte ich schon ein bisschen Bammel. Als wir durch Goch gefahren sind und irgendwann nur noch Wiesen und Felder kamen, habe ich mich schon gefragt, wo denn da noch eine Schule kommen soll.“

Gedanken, die Gereon kennt. „Das ist am Anfang ganz normal, man bekommt so viele neue Eindrücke. Aber hier findet man schnell Anschluss und die anderen Schüler unterstützen einen“, weiß er aus Erfahrung. Auch er schätzt das Leben auf der Gaesdonck. „Hier darf ich gute Leistungen bringen, ohne direkt als Streber zu gelten. Das war auf meiner alten Schule ganz anders“, erinnert er sich und muss lachen. Natürlich sei es auch an der Gaesdonck so, dass man in der Klausurenphase manchmal weniger Lust habe, in die Schule zu gehen. „Aber wenn ich höre, wie es auf einigen anderen Schulen abläuft ­– das gefällt mir nicht“, betont er.

Alle drei Schüler sind sich übrigens einig, dass sie sich nicht „abgeschoben“ fühlen, weil sie im Internat leben. Im Gegenteil haben sie die Entscheidung mit ihren Familien gemeinsam getroffen, um sich in Ruhe und gezielt auf ihre Zukunft vorbereiten zu können, wie sie versichern. Für Coco spielte es bei der Wahl des Internats auch eine wichtige Rolle, dass die Gaesdonck ein katholisches Haus ist. „Natürlich ist es mir wichtig, ein gutes Abi zu machen, aber hier werden auch die Werte vermittelt, nach denen ich leben will“, betont sie. Damit kann sich auch Lennert identifizieren, der zwar selbst evangelisch ist, sich im katholischen Internatsleben aber gut zurecht findet. „Auf meiner alten Schule spielte Religion gar keine Rolle. Hier werden zwar die christlichen Werte vermittelt, aber auch nicht übertrieben. Ich finde das positiv, denn man merkt, wie gut es einem eigentlich geht.“

Nach dem Rundgang verschwinden die drei Schüler wieder in einer der Gänge der Gaesdonck. Die Mittagszeit ist um und es stehen Gruppenangebote und danach die Studierzeit auf dem Stundenplan, in der die Hausaufgaben gemacht werden – gegebenenfalls unterstützt durch die Fachlehrer. „An die Taktung muss man sich schon gewöhnen“, gibt Lennert im Gehen grinsend zu, „aber es gibt ja auch noch genug Freizeit, um sich zu erholen.“

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