Ilka Suiten stellt in der evangelischen Kirche am Markt in Goch aus

Goch : Kränze für die saubere Welt aus Plastik

In der evangelischen Kirche am Gocher Markt beginnt am Sonntag eine Ausstellung mit Werken der Künstlerin Ilka Sulten.

Die Kränze sind bunt, grellbunt, mit vielen pinkfarbenen Blüten, funkelnden Lichtern, glitzernden Blättern. Bei näherem Hinsehen macht der Betrachter befremdliche Entdeckungen: die leere Plastikverpackung eines Waschmittels, eine schwarze Spielzeugpistole, eine Quietsche-Ente, und an Schnüren hängt Kriegsspielzeug herab. „Sieben Kränze für die Welt“ drapieren Kinderspielzeug und Plastikteile des Alltags, setzen sich auseinander mit dem Umgang des Menschen mit Natur und Schöpfung und mit dem, was die Welt von heute zum Beispiel Kindern zumutet. Sie sind Teil einer Ausstellung der in Goch lebenden Künstlerin Ilka Sulten. Am kommenden Sonntag wird sie gleich nach dem 11 Uhr Gottesdienst eröffnet. Der Titel der Ausstellung lautet „Das 1x1 der sauberen Windschutzscheibe – PVC4qPEpqu“ und muss erklärt werden: „Als ich in den 90er Jahren an der Kunsthochschule in Arnheim studierte, pendelte ich mit dem Auto zwischen Köln und Arnheim. Meine Windschutzscheibe war immer voller Insekten“, berichtet Ilka Sulten. Nun aber, nach einer längeren Autofahrt, bliebe die Scheibe ganz sauber. „Das ist eine furchtbare Tatsache. Eine saubere Windschutzscheibe ist bequem, und das nehmen wir so hin. Gleichzeitig nehmen wir das Artensterben hin“, so die Künstlerin. Der zweite Teil des Titels verweise auf die Form eines Scan-Codes. Alles und jeder habe heute eine Nummerierung, auch darauf wolle sie aufmerksam machen, ein bisschen mit Augenzwinkern.

Die Arbeitsgemeinschaft Kunst und Kirche der evangelischen Kirchengemeinde Goch veranstaltet in Abständen Kunstausstellungen im Kirchenraum. „Das Thema Umgang mit Natur und Schöpfung fanden wir sehr passend“, sagt Pfarrerin Rahel Schaller. Moderne Kunst im Kirchenraum schaffe immer wieder neue Perspektiven. „Bei Betrachtung der Kränze fällt zuerst der „schöne“ Eindruck auf, dann sieht man die erschreckenden Details. Wenn wir das Schöne nicht bewahren, wechseln wir zum Hässlichen“, erklärt Gabriele Gondek vom Arbeitskreis Kunst und Kirche. Pfarrer Albrecht Mewes wird am Sonntag auch in seiner Predigt Bezug darauf nehmen. „Schöpfung ist mein Lieblingsthema“, sagt er. Und er erinnert an einen Ausspruch des österreichischem Autors und Kulturphilosophen Egon Friedell: „Früher war der Mensch das natürliche Produkt der Umwelt, heute ist die Umwelt das künstliche Produkt des Menschen.“

Ilka Sulten, die neben ihrer künstlerischen Ausbildung übrigens auch ein Diplom in Kräuterkunde besitzt, hat sich intensiv mit Wildkräutern beschäftigt. Immer wieder tauchen in ihren Werken  naturgetreu gefertigter Löwenzahn, Spitzwegerich, Greiskraut und andere Kräuter auf. Auch in der aktuellen Ausstellung ist gleich neben dem Altar die Installation eines geräumigen Kräuterbeetes zu sehen. In der Erde liegen neben den Kräutern einige Keramikscherben, die zeichenhaft auf das Zerbrechen natürlicher Ökosysteme verweisen sollen. Besonders beschäftigt die Künstlerin, wie es den Kindern geht. Im Eingangsbereich der Kirche hat sie daher an zentralem Ort eine Reihe von Zeichnungen mit dem Titel „Die Lichtbringer – Wir sind kein Freizeitunternehmen“ platziert.

Die Bilder zeigen Kleinkinder in unterschiedlichen Spielsituationen, alle tragen ein Vogelhaus auf dem Kopf. „Kinder sind heutzutage von der unübersehbaren Struktur der Welt überfordert“, findet Sulten. Die Digitalisierung schaffe einen Gegensatz zur Natur. Die unkaputtbare Plastikwelt blockiere sie in der Entwicklung ihrer Fantasie. „Kinder tragen schwer, aber sie lächeln“, sagt die Künstlerin.

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