Ideen gesucht für die Arbeit im künftigen evangelischen Gemeindehaus

Stadtentwicklung : Pfarrerin lädt ein zum „Quartierspalaver“

Die Evangelische Kirchengemeinde Goch bietet eine Info-Veranstaltung an. Am Donnerstag, 9. Mai, geht es um Ideen für das künftige Begegnungshaus am Marktplatz. Die Fertigstellung des Baus ist für Ende 2020 geplant.

Die Tage des alten Gemeindehauses am Gocher Marktplatz sind gezählt. Wann genau die Abrissbagger kommen, können die Bauherren noch nicht sagen, und vermutlich werden sie auch mit zwiespältigen Gefühlen an die Sache heran gehen. Klar ist aber: Noch in diesem Jahr werden sich die Gemeindeglieder von dem altvertrauten Gebäude verabschieden müssen. Die evangelische Kirchengemeinde baut ein neues Zentrum zwischen ihrem Gotteshaus und dem Rathaus. Die 90-prozentige Förderung durch Bund und Land ist bewilligt, aus der Planung wird schon bald die konkrete Umsetzung, berichteten im Pressegespräch Pfarrerin Rahel Schaller und Presbyter Helmut Rother.

Dass es ein städtebaulich ansprechender Neubau werden soll steht außer frage, schließlich lässt sich kein prominenterer, zentralerer Ort denken. Die Kalkarer Architekten Ader & Kleemann haben den Entwurf, der als Sieger aus einem Wettbewerb hervorging, schon 2017 vorgestellt. Mit der Bewilligung der Finanzierung aus dem Fördertopf „Soziale Integration im Quartier“ wurde aus der Idee eine konkrete Planung, die nun umgesetzt wird. Helmut Rother, Mitglied des Kirchenvorstands, erklärte, dass bald die Ausschreibungen raus gingen und man im vierten Quartal mit dem Abriss rechne. Die städtische Genehmigung dazu liege schon vor.

Das Projekt wird viel öffentliche Aufmerksamkeit erfahren, denn es ist eine „Operation am offenen Herzen“, wie Rother betont. Das Haus aus den 60-er Jahren ist unmittelbar an die evangelische Kirche und an das Rathaus angebaut. Und es steht dicht an der Steinstraße, die von Fußgängern, Rad- und Autofahrern beim Rundkurs durch Goch benötigt wird. Doch um Fragen des Verkehrsflusses und der Sicherheit ging’s jetzt nicht, sondern um Inhaltliches. Was soll alles im neuen Begegnungszentrum passieren? Schon jetzt treffen sich im Gemeindehaus viele Gruppen, vermutlich werden es noch deutlich mehr werden. Gesprochen werden soll darüber am Donnerstag, 9. Mai, ab 18 Uhr im alten Gemeindehaus Markt 4; jeder Interessierte ist eingeladen zum „Quartierspalaver“.

Wobei „Palaver“ nicht als oberflächliches Gequatsche zu verstehen sei, sondern als Möglichkeit, bei einer Versammlung frei und offen zu debattieren, so die Einladenden. Und der Begriff „Quartier“ ist ja hinlänglich bekannt: Menschen, die in einem Stadtviertel wohnen, sollen sich zueinander gehörig fühlen und auch das eine oder andere miteinander unternehmen. Mehr als bisher will sich das Haus auch anderen Gruppen öffnen - die müssen übrigens auch nicht evangelisch sein. Das ist Teil des Konzepts, das wiederum Grundlage für die Finanzierungszusage ist. 1,7 Millionen Euro von Bund und Land sind bewilligt, mit 2,1 Millionen Euro will der Bauherr auskommen.

Warum überhaupt ein Neubau, wo doch das bisherige Gemeindehaus gar nicht so alt ist? „Es stammt aus den frühen 1960-er Jahren, und natürlich haben wir zuerst überlegt, ob nicht eine Sanierung ausreichen würde“, berichtet die Pfarrerin. „Aber das Gebäude ist nicht barrierefrei, unpraktisch geschnitten, energetisch eine Katastrophe - das lohnt sich einfach nicht.“ Im neuen Haus sollen auch körperlich Beeinträchtigte ohne Hilfe zurecht kommen, der große Mehrzweckraum wird unten sein, die Jugend bekommt ihren Rückzugsort unterm Dach. Außerdem wird es einen direkten Zugang vom Begegnungszentrum zur Kirche geben.

Mit der Veranstaltung am 9. Mai sollen alle Bürger die Möglichkeit haben, das Projekt kennen zu lernen, sie sind aber auch eingeladen, eigene Ideen einzubringen. Jutta Stratmann, Fachberaterin für Sozialplanung und Bürgerengagement, wird moderieren. Weitere Einladungen zum Austausch werden folgen.

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