Wilfried Bosch Und Johannes Janhsen: Idee der Genossenschaft ist in Geldern top-aktuell

Wilfried Bosch Und Johannes Janhsen : Idee der Genossenschaft ist in Geldern top-aktuell

Zum 200. Geburtstag von Friedrich Wilhelm Raiffeisen wollen Volksbank an der Niers und Rheinische Post in den nächsten Wochen in einer Serie beleuchten, wie es heute um die genossenschaftliche Idee in der Region aussieht.

Goch In diesem Jahr wird der 200. Geburtstag von Friedrich Wilhelm Raiffeisen gefeiert - und damit die Idee der Genossenschaften. Wie es heute um die genossenschaftliche Idee in der Region aussieht, wollen wir in den nächsten Wochen gemeinsam mit der Volksbank an der Niers in einer Serie beleuchten. Zum Auftakt unterhielten wir uns mit den Mitgliedern des Vorstands der Volksbank, Wilfried Bosch und Johannes Janhsen.

Wann haben Sie zum ersten Mal ganz persönlich von Raiffeisen gehört oder mit einer Genossenschaft zu tun gehabt?

Johannes Janhsen Schon als Kind. Ich komme aus einem landwirtschaftlichen Betrieb. Da musste ich schon früh zur Molkerei fahren, um Käse zu holen, aber auch gleich zur benachbarten Spar- und Darlehnskasse, der heutigen Volksbank, um die Bankgeschäfte zu erledigen.

Wilfried Bosch Bei uns in Sevelen gab es auch eine Molkerei und die Warengenossenschaft. Da habe ich zum ersten Mal das Zeichen gesehen. Und ich war als Kind begeisterter Sparer und bin in der Sparwoche immer gern zur Volksbank gegangen. Da war das Zeichen auch auf der Spardose.

Und wann haben Sie sich intensiver mit Raiffeisen befasst?

Bosch Vor meinem ersten Bewerbungsgespräch. Bevor ich mich bei der Volksbank Geldern vorstellen durfte, habe ich über Raiffeisen recherchiert.

Wie lebendig ist denn Raiffeisens Idee heute noch?

Janhsen Auch wenn sich in 200 Jahren viel geändert hat, ist der Wert, in einer Gemeinschaft wirtschaftlich tätig zu sein, weiterhin aktuell. Die Idee basiert auf Vertrauen. Man macht Geschäfte mit Eigentümern aus der Region. Und das gilt für die Volksbank. Wir sind unseren regionalen Mitgliedern verpflichtet.

Bosch Beiderseitiges Vertrauen ist der Grundstein für eine nachhaltige faire Zusammenarbeit. Gerade deshalb möchten wir die Hausbank unserer Kunden sein: Um nicht nur ein Produkt zu verkaufen, sondern gemeinsam zu schauen, was wichtig und richtig ist. Deshalb würden unsere Mitarbeiter - überspitzt gesagt - niemals einer älteren Dame irgendwelche Zertifikate anbieten, weil der Vertrieb das gerade fordert. Das würden unsere Mitarbeiter gar nicht übers Herz bringen. Und genau das ist gut so.

Janhsen Entscheidend ist dabei auch die regionale Komponente. Wir leben in unserem Geschäftsgebiet mit unseren Mitgliedern und Kunden. Wir sind ein Teil des gesellschaftlichen Lebens - und zwar dauerhaft.

Wie spiegelt sich das im Alltag wider?

Bosch Bei uns gibt es zum Beispiel zwei Brauchtumstage. Nicht als zusätzliche Urlaubstage, sondern wirklich, um das Brauchtum zu leben und zu fördern. Das ist sehr wichtig für die Gesellschaft, genauso wie ehrenamtliches Engagement. Auch das fördern wir. Wenn sich unsere Mitarbeiter im Ehrenamt engagieren, wissen sie, dass die Volksbank sie unterstützt.

Janhsen Das zeigt auch die Idee der Sicherungseinrichtung für unsere Banken.

Bosch Genau. Das System haben wir freiwillig eingeführt, lange bevor es eine gesetzliche Einlagensicherung gab.

Janhsen Und wir haben die Institutssicherung, das heißt, sollte eine Bank Schwierigkeiten bekommen, wird diese insgesamt gestützt - nicht nur die Einlagen sind gesichert. Das zeigt deutlich, wie wir Genossenschaftsbanken ticken.

Wer sind denn ihre Mitglieder?

Bosch Es sind über 51.150 Menschen aus der Region - aus jeder Altersgruppe vom Neugeborenen bis zum Senior, Privatkunden und Unternehmer.

Janhsen Naturgemäß ist die Anzahl der Privatkunden höher. Aber wir können sagen, dass so gut wie jeder Unternehmer, der mit uns arbeitet, auch unser Mitglied, also Eigentümer, ist. Und fast alle kommen aus der Region, es gibt nur Einzelfälle, wo jemand weggezogen ist, aber trotzdem Mitglied bleibt.

Bosch Wichtig ist auch, dass nicht die Rendite der entscheidende Grund ist. Es gibt eine große Identifikation mit der Bank im Sinne von: Das ist unsere Bank.

Die Mitglieder wirken auch mit?

Janhsen In diesem Herbst sind sie alle wieder aufgerufen, ihre Vertreter zu wählen. Diese 520 Menschen entscheiden über die Geschicke der Bank mit - jeweils einer pro 100 Mitglieder.

Und dann gibt es einmal im Jahr die Vertreterversammlung?

Janhsen Nicht nur. Wir setzen stark auf Regionaltagungen. Bei diesen vier Veranstaltungen jeweils im Frühjahr kommen wir mit den Mitgliedern ins Gespräch. Uns als Vorstand sind Ideen und Anregungen wie auch Kritik ganz wichtig. Wir suchen den Austausch mit unseren Mitgliedern.

Bosch Auch außerhalb der Konferenzen sind wir jederzeit für unsere Mitglieder erreichbar.

Gibt es in diesem Jubiläumsjahr besondere Aktionen oder Schwerpunkte?

Janhsen Die Mitgliedschaft steht besonders im Fokus. Wir schauen nach vorn, denn ich sehe für Genossenschaftsbanken eine gute Zukunft.

Bosch Aus unserer Belegschaft kommt das Projekt Mehrwert Mitgliedschaft. So werden Fragebögen auf den Regionaltagungen verteilt, in denen es unter anderem um die Motive für die Mitgliedschaft gehen. Wir laden Interessierte ein, an einem Workshop zur Weiterentwicklung der Mitgliedschaft teilzunehmen. Und natürlich stehen wir immer parat, wenn es in unserer Region darum geht, neue Genossenschaften zu gründen.

DIRK MÖWIUS FÜHRTE DAS INTERVIEW

(RP)
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