Goch-Kessel: Historisches und Kurioses in der Viller Mühle

Goch-Kessel : Historisches und Kurioses in der Viller Mühle

Die "Bunkerempore" ist eine Terrasse auf dem Dach eines alten Betonbunkers. Man kann auf Klappstühlen in der Sonne sitzen und die Zeit vergessen, rundherum funkelt bunte Glasdeko, in den Mauerritzen wächst der Löwenzahn. Wohin man schaut, sieht man längst vergangene Ladenschilder oder Gegenstände, die heute keiner mehr benutzt.

Das Alte und Vergangene zum Leben zu erwecken beherrscht er mit Bravour, seit fast 25 Jahren. Heinz Bömler, Hausherr der Viller Mühle, einer Öl- und Getreidemühle aus dem Jahre 1870, hat aus dem Gebäudeensemble in Hassum eine weithin bekannte Kuriositätensammlung gemacht. Durch das Jahr finden viele Veranstaltungen statt, die man als Gruppe buchen kann, darunter "Die Ware Wahnsinn", "historischer Jahrmarkt" oder die "Zeitreise", die Heinz Bömler mit seiner unverwechselbaren Redekunst umzusetzen weiß.

Traditionell zu Pfingsten ist das Gelände für Einzelbesucher geöffnet, man kann sich in Ruhe umschauen und auch Führungen mitmachen, zum Beispiel mit Tochter Elke Bömler die größte Blechspielzeugsammlung Deutschlands besichtigen. "Früher waren die Spielzeuge einfach liebevoller gemacht", sagt sie. Zwischen 350 und 400 Exponate hat die Sammlung und führt die Besucher in eine Welt der Nostalgie und Erinnerung.

Besonders stolz sind die Bömlers auf die alten Märchenkarten. "Die sind wie große gerollte Landkarten. Damit hat man früher Kindern Märchen erzählt", berichtet Elke Bömler. Und Märchen sind immer Thema auf der Viller Mühle. Im September treffen sich dort regelmäßig professionelle Märchenerzähler und verzaubern nicht nur die kleinen Gäste. Auch am Pfingstwochenende gab es zum Beispiel das "Rumpelstilzchen" als Puppenspiel mit Andreas Blaschke im Sacklager.

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Auch Heinz Bömler selbst führte die Pfingstgäste durch seinen historischen Jahrmarkt. "Die Nichtigkeit der Wichtigkeit" ist Teil seiner Philosophie und immer wieder blitzt der Schalk auf, wenn er charmant seine Hinterlist offenbart: "Ihr wisst ja, ich bin geldgierig. Aber heute habt ihr Glück. Ihr dürft gratis durch das Glückstor gehen."

Viele Hundert Besucher kamen, um für ein paar Stunden in die Vergangenheit einzutauchen, aber auch um dem "wahnsinnigen Puppenspieler" zu lauschen, der immer einen interessanten Ratschlag hat: "Wenn Sie einem Experten begegnen, rennen Sie um Ihr Leben. Experten sind die schlimmsten."

(ath)